Insekten

Diesen Sommer sind viele Wespen unterwegs – und beschäftigen die Aargauer Feuerwehren

Wespen fliegen oft nahe ans Gesicht, unter anderem auch, weil sie durch Süssigkeitsresten auf den Lippen angezogen werden.

Wespen fliegen oft nahe ans Gesicht, unter anderem auch, weil sie durch Süssigkeitsresten auf den Lippen angezogen werden.

Diesen Sommer gibt es aussergewöhnlich viele Wespen. Sie bescheren auch den Aargauer Feuerwehren Zusatzarbeit. Nur noch wenige Feuerwehren entfernen Wespennester gratis. Schuld am grossen Wespenaufkommen dürfte der milde Winter sein.

Die Gläser sind gefüllt, der Apéro auf dem Balkon zubereitet, und schon schwirren die Wespen um die Häppchen und um die nicht mehr so entspannten Gäste herum. Alles Fuchteln scheint die Tierchen nur noch attackierfreudiger zu machen.

Dass diesen Sommer besonders viele Wespen unterwegs sind, ist keine Einbildung, bestätigt auch Martin Bolliger, Fachspezialist Artenkenntnis beim Naturama. Denn der Sommer 2020 ist ein guter für die schwarz-gelb gestreiften Insekten. «Diese sind auch besonders früh nach dem Winter wieder aufgetaucht», sagt Bolliger. «Ein Grund dafür könnte der sehr milde Winter 2019/20 sein. Viele Tiere scheinen diesen Winter überlebt zu haben, und es konnten so besonders früh wieder Wespenvölker aufgebaut werden.»

Förderlich für die Wespen sei auch eine geringe Zahl an Hornissen. «Diese halten die Wespen auf natürliche Weise in Schach, indem sie sie erbeuten», so Bolliger. Unterwegs seien dieses Jahr vorwiegend die Gemeine Wespe, die Deutsche Wespe und auch die Säch­sische Wespe, sagt der Fachspezialist.

Wespennester sollten immer von Experten entfernt werden.

Wespennester sollten immer von Experten entfernt werden.

Bereits im Frühling sagte der Insektenexperte Siegfried Keller im Interview mit dieser Zeitung, dass die Wespen­königinnen in diesem Jahr früher aktiv geworden sind als in normalen Jahren. Dies dank der höheren Temperaturen in den Monaten März und April.

Bei einem Wespennest immer professionelle Hilfe holen

Ein paar schwirrende Wespen auf dem Balkon oder dem Gartensitzplatz sind lästig, stören aber nur kurzfristig (siehe Ratschläge unten). Hat man jedoch ein Wespennest zu Hause, bleibt meist nur der Anruf beim Kammerjäger oder bei der lokalen Feuerwehr.

Die meisten Feuerwehren im Aargau verlangen für die Entfernung eines Wespennestes einen Betrag. Das will ab nächstem Jahr auch die Feuerwehr Boniswil-Hallwil tun, wie die Gemeinde in den Gemeindenachrichten schreibt. Bisher hat die Feuerwehr Boniswil-Hallwil Wespennester gratis beseitigt. Ab 2021 wird sie dafür einen Unkostenbeitrag von 120 Franken berechnen. «Wie die Gemeinden stehen auch die Feuerwehren unter grossem Kostendruck», sagt Feuerwehrkommandant Roger Zingg auf Anfrage. «Mit den 120 Franken decken wir die Kosten der Entfernung eines Wespennestes und machen keinen Gewinn daraus.» Speziell ausgebildete Angehörige der Feuerwehr entfernen die Wespennester sorgfältig ausgerüstet und mit den nötigen Mitteln gefahrlos.

Beim Trinken sollte man aufpassen, dass keine Wespe im Glas ist.

Beim Trinken sollte man aufpassen, dass keine Wespe im Glas ist.

Dieses Jahr sehe danach aus, als hätte es besonders viele Wespen, sagt auch Feuerwehrkommandant Zingg: «Wir sind dieses Jahr bereits 10 bis 12 Mal ausgerückt deswegen.» Entdecke man ein Wespennest, solle man auf keinen Fall selber den Helden spielen wollen, rät Zingg: «Wenn jemand allergisch ist, könnte es sehr gefährlich werden.» Er erinnert daran, dass Wespen in der Natur auch Nutztiere sind: «Wenn immer möglich, sollte man sie am Leben lassen. Die Entfernung und Umsiedlung eines Wespennestes ist auch möglich, wenn die Wespen dieses nicht gerade in einem Storenkasten gebaut haben.»

Jetzt schon mehr Nester entfernt als sonst im ganzen Jahr

Auch die Feuerwehr Chestenberg, welche die Gemeinden Niederlenz, Möriken-Wildegg und Holderbank betreut, hat aktuell besonders viel mit dem Entfernen von Wespen- und Hornissennestern zu tun. Das sagt Vizekommandant Roger Häusermann auf Anfrage. «Es ist ein deutlich intensiveres Jahr im Vergleich zu den anderen. Im Durchschnitt haben wir in den letzten Jahren 15 bis 20 Nester entfernt. Diesen Sommer sind es Stand heute bereits 30.» Seit gut zwei Wochen erhalte die Feuerwehr Chestenberg jeden Tag zwei bis drei Anrufe mit entsprechenden Anfragen. «Wir erwarten, dass wir bis Ende Sommer mindestens doppelt so viele Nester entfernen werden», so Häusermann.

Auch bei der Feuerwehr Chestenberg bezahlt man für das Entfernen eines Nestes eine Pauschale, früher habe man es gratis gemacht: «Es kostet 145 Franken, das ist etwa im Bereich dessen, was eine private Entfernung durch einen Kammerjäger kostet.»

Werden sie angesprüht, fliegen die Wespen laut Experten weg.

Werden sie angesprüht, fliegen die Wespen laut Experten weg.

Die Feuerwehr Bremgarten hat drei Wespenspezialisten, die sich um die Entfernung der Nester kümmern. Auch sie haben momentan alle Hände voll zu tun, wie Feuerwehrkommandant Thomas Burger sagt: «Vor allem in den letzten drei Wochen, seit Beginn der Sommerferien, waren die Anfragen extrem.» Im Vergleich: Letztes Jahr entfernten die Wespenspezialisten auf Anfrage insgesamt rund 30 Nester. «Dieses Jahr waren es bis jetzt in den Gemeinden Hermetschwil und Bremgarten zwischen 35 und 40.» Vermutlich, rechnet der Kommandant, werden in den nächsten vier Wochen bis zu 20 weitere Entfernungen von Wespennestern dazukommen. Die Kosten für den Einsatz werden nach Aufwand verrechnet und liegen in der Regel zwischen 90 und 150 Franken, wobei der Betrag bei schwer zugänglichen Wespennestern höher sein könnte. Damit deckt die Feuerwehr die Selbstkosten für die Arbeiter und das Material.

Im Hitzesommer 2018 entfernten die Feuerwehren 762 Nester

Ähnlich wie der Hitzesommer 2018, der als drittwärmster Sommer seit Mess­beginn gilt, dürfte dieser Sommer ein Wespensommer werden. Die Statistik der Aargauischen Gebäudeversicherung zeigt, dass die Aargauer Feuerwehren im Jahr 2019 insgesamt 265 Wespen- und Hornissennester entfernt haben. Im Hitzesommer 2018 hingegen waren es 762.

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