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Diesem Aargauer folgen über 33'600 Menschen – Werbung lehnt er ab

DJ Ricky Schneider aus Möriken-Wildegg widmet seinen Instagram-Kanal der Musik – Werbeaufträge hat er noch nicht angenommen.

Charlene Kilthau
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Vor drei Jahren landete der Aargauer DJ unter dem Künstlernamen «SickStrophe» seinen ersten Hit mit einem Remix...
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...und schaffte es so, sich in der Szene elektronischer Musik einen Namen zu machen.
Freunde bei der Arbeit: Die Aargauer Künstler Boozie (links), D. Martin und Williz (nicht im Bild) arbeiten mit Schneider zusammen.
Aargauer Influencer: Ricky Schneider
Ricky Schneider fotografiert in seinem kleinen Heim-Studio Anfang 2017.

Vor drei Jahren landete der Aargauer DJ unter dem Künstlernamen «SickStrophe» seinen ersten Hit mit einem Remix...

Sandra Ardizzone

Er hat noch nie eine eigene CD veröffentlicht und trotzdem Zehntausende Hörer. Auf seinem Instagram-Kanal findet man bislang gerade einmal 54 Beiträge, und trotzdem folgen ihm über 33'600 Menschen aus der ganzen Welt. Für Ricky Schneider aus Möriken-Wildegg gehen der Erfolg in der Musik und im sozialen Netzwerk Hand in Hand.

Vor drei Jahren landete der Aargauer DJ unter dem Künstlernamen «SickStrophe» seinen ersten Hit mit einem Remix und schaffte es so, sich in der Szene elektronischer Musik einen Namen zu machen. Auf Youtube erreichte er über eine Million Klicks. Seine Begeisterung dafür, verschiedene Klänge zu erzeugen und zu verknüpfen, hatte an einem Nachmittag nach der Schule angefangen, an dem er und ein Kumpel auf einem Musikprogramm herumalberten.

Werbung für die eigene Musik

Bereits Anfang letzten Jahres hat die AZ über ihn und seine Musik als «Geheimtipp im Aargau» berichtet. Daran hat sich seither nicht viel geändert. Der 22-Jährige ist der breiten Masse im eigenen Land so gut wie nicht bekannt, doch auf der Streaming-Plattform «Spotify» erreicht der 22-Jährige monatlich rund 140'000 Hörer. Die meisten stammen aus London, Mexiko und Santiago.

Die sozialen Medien und besonders Instagram sind dabei sehr wichtig für Schneider: «So kann ich die Leute auf dem Laufenden halten und meine Musik vermarkten.» Der 22-Jährige postet zwar nicht regelmässig, dafür nutzt er oft die sogenannten «Storys». Mit diesem Feature können Instagram-Nutzer aus Fotos und kurzen Videos eine Art Slideshow zusammenstellen. Diese verschwinden jeweils nach 24 Stunden. Auf diesen zeigt sich der Künstler auch mal im Urlaub oder mit Freunden. Der Grossteil seiner Posts dreht sich jedoch um seine Musik.

So sieht man Schneider auf einem seiner Fotos zum Beispiel im Nacht- und Tanzklub Kugl in St. Gallen am Mischpult stehen oder man kann sich eine Vorschau von einem seiner Songs anhören. Ein Video sticht dabei besonders ins Auge: Auf diesem sieht man Hunderte Menschen vor einer imposanten Drachen-Figur zu einer seiner Kompositionen tanzen. Die Aufnahme stammt vom letzten «Tomorrowland»-Wochenende in Belgien. Dieses zählt zu den beliebtesten Open-Air-Musikfestivals der Welt. Es war nicht das erste Mal, dass ein bekannter DJ auf einem so grossen Event «Sickstrophe» aufdreht. Doch für Schneider ist es nach wie vor aufregend: «Wenn ich in einer Instagram-Story sehe, dass so jemand einen Song von mir spielt, ist das eine grosse Ehre.» Er muss lächeln.

Schneider sitzt zurückgelehnt im Gartenstuhl eines Kollegen in Niederlenz. Im Keller dessen Hauses befindet sich ein selbst gebautes und top eingerichtetes Tonstudio, in dem Schneider mit ihm und zwei weiteren Kollegen momentan an ein paar neuen Songs bastelt. Trotz seiner Passion für die elektronische Musik orientiert sich Schneider dabei neuerdings auch in Richtung Pop. Er will sich weiterentwickeln: «Die Elektro-Szene ist im Moment ein wenig am Sterben.»

Chemie-Studium hat Priorität

Wenn man den 22-Jährigen von der Musik reden hört, könnte man meinen, er mache das hauptberuflich. Doch Schneider hat vergangenes Jahr seine Ausbildung als Pharmatechnologe abgeschlossen und beginnt diesen September nun ein Chemie-Studium in Zürich. Die Musik muss deswegen einen Schritt zurücktreten – Auftritte sind für den DJ erst einmal nicht geplant.

Instagram hilft ihm dabei, am Ball zu bleiben: «So bin ich immer auf dem neusten Stand und sehe, was andere Künstler so machen.» Zudem sei es über die soziale Plattform sehr einfach, mit neuen Leuten in Kontakt zu treten. Networking per Instagram sozusagen. Einen US-Musikproduzenten, der schon Songs für Rihanna produziert hat, kennt Schneider mittlerweile persönlich.

Gratis-Kleider abgelehnt

Durch die Streaming-Plattform «Spotify» verdient der Aargauer bereits Geld mit seiner Musik. Zum Leben reiche dieses zwar noch nicht, doch er sei nicht weit davon entfernt, erklärt Schneider. «Ich müsste einfach mehr Zeit investieren, aber neben dem Studium geht das momentan nicht.» Auch mit Instagram könnte sich der 22-Jährige schon etwas dazuverdienen – er hat bereits mehrere Angebote für Werbeaufträge bekommen. Zum Beispiel von einer T-Shirt-Firma. Diese hätte ihm ihre Kleidung gratis zur Verfügung gestellt, die er dann in ein paar Posts hätte zeigen sollen. Doch Schneider lehnte bisher alle Angebote ab. Dabei spielt für ihn nicht nur Zeit eine Rolle: «Ich möchte nicht zu einer Art Sponsorenpuppe werden und will als Künstler authentisch bleiben.»

DJ Ricky Schneider nimmt sich trotzdem vor, zum passenden Zeitpunkt an seinem Instagram-Kanal etwas zu feilen. «Wenn ich auf Tour gehe und bei grösseren Shows auflege, wäre es zum Beispiel gut, einen professionellen Fotografen zu engagieren.» Das könnte ihm helfen mehr Follower zu bekommen und somit neue Hörer zu gewinnen. Für ihn ist klar: «Heutzutage läuft fast alles über die sozialen Medien.»

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