NAB-Award
Diese Frau haut nichts aus ihren Schuhen

Am 24. November 2012 verleiht die Neue Aargauer Bank zum zweiten Mal den NAB-Award. Die Aargauer Zeitung stellt die neun Nominierten für den Titel «Aargauer des Jahres» in einer Serie vor.

Von Sabina Galbiati
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Barbara Artmann mit dem Helvetia-Schuh

Barbara Artmann mit dem Helvetia-Schuh

Künzli

Barbara Artmann gehört zu jener Handvoll Menschen, die sagen können: «Ich habe meinen grössten Traum verwirklicht.» Auf der Suche nach beruflicher Erfüllung und nach einem langen Spaziergang in den Bergen wusste sie: «Ich kaufe eine Firma.» Gesagt, getan. 2004 erwirbt die Wahlaargauerin die Windischer Firma Künzli SwissSchuh AG. «Künzli war für mich eine faszinierende Herausforderung, auch wegen meiner Überzeugung für den Standort Schweiz», erzählt die 51-Jährige. «Ich wollte beweisen, dass man nicht nach Asien rennen muss, sondern auch in Windisch Schuhe erfolgreich produzieren kann.»
Ein einzigartiger Führungsstil

Weil der Umsatz damals stark rückläufig war, führte sie Kurzarbeit ein, initiierte neben der Linie für Medizinalschuhe eine für modische Sneakers, versah alle mit den fünf legendären Streifen und krempelte die gesamte Unternehmenskultur um. Fortan sollte jeder mitentscheiden, Hierarchie hin oder her. «Ich wollte eine Kultur schaffen, in welcher der Mensch im Mittelpunkt steht. Wenn wir uns morgens auf die Arbeit freuen, produzieren wir auch die besten Schuhe.» Artmanns einzigartiger Führungsstil zahlte sich nicht nur für die Firma aus. Für ihr Engagement wurde die kämpferische Unternehmerin 2009 mit dem Swiss Award für Wirtschaft ausgezeichnet.

Ein herber Rückschlag

Doch 2011 muss Künzli nach einem langjährigen Rechtsstreit einen herben Rückschlag einstecken. Die Firma tritt ihre fünf Streifen ab. Der einstige US-Importeur K-Swiss hat die fünf Künzli-Streifen als Grundlage für seinen Welterfolg genutzt, global als Marke angemeldet und so der Ursprungsfirma Künzli abgejagt.

Bereits während des Rechtsstreits tüftelten Artmann und ihr Team an einem alternativen Logo. «Die magische Fünf sollte bleiben, aber mit Ecken und Kanten. Herausgekommen sind fünf Quadrate. «Die fünf ‹Klötzli› will ich in die Welt tragen, denn nun hat unsere Traditionsmarke wieder eine Zukunft», sagt sie mit sympathischem Bayrisch. Dass dies gelingen wird, ist für sie keine Frage: «Die Klötzli machen unsere Schuhe einzigartig. Streifen haben heute alle», hört sie immer wieder an internationalen Schuhmessen.

Über die Nomination für den NAB-Award freut sich das ganze Team. Mit den 5000 Franken Preisgeld würden denn auch alle Künzlis einen Ausflug machen.

Lesen Sie morgen: Der Lebensretter Valentin Bühlmann.