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Diese Frau erkennt verschiedene Vogelarten nur an ihrer Stimme

Sarah Locher (rechts) mit den Jungornithologen am Bodensee.

Sarah Locher (rechts) mit den Jungornithologen am Bodensee.

Sarah Locher (25) aus Lenzburg ist begeisterte Ornithologin – und bringt Jugendlichen die Vogelbeobachtung näher.

Wenn sie an die Anfänge ihrer Liebe zu den Vögeln denkt, wird die Stimme von Sarah Locher warm und feierlich. Sie spricht von der Grossmutter. Von ihr hat die heute 25-Jährige einst Kassetten mit der Aufzeichnung von Vogelgesängen geschenkt erhalten. «Da war ich vier oder fünf Jahre alt», erinnert sie sich.

Ihr Interesse war geweckt. Sarah wollte mehr wissen über diese Tiere, die sich so unterschiedlich anhörten. Bereits mit neun Jahren trat sie in die Kindergruppe Strix beim Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg ein. Mit 13 war sie deren Leiterin. «Die Ausbildung zur Feldornithologin folgte dann mit 16», erzählt die junge Frau. Ihr Engagement für die Natur setzt sie in vielen Projekten zur Artenförderung, bei Pflanzaktionen und in der Sensibilisierung der Öffentlichkeit um. Seit diesem Jahr gehört sie auch zum Pflegeteam der neu gegründeten Vogelpflegestation in Lenzburg.

In der Jungbirder-Gruppe hätte es noch Platz

Unter der Leitung von Sarah Locher reisen Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren viermal im Jahr zu Hotspots der Vogelwelt in der Schweiz, um eigene Entdeckungen zu machen. Kürzlich begleitete sie die Gruppe Nisus mit Aargauer Jugendlichen für die Vogelbeobachtung an den Bodensee. Die Gruppe gehört unter das Dach des Verbands der Natur- und Vogelschutzvereine Birdlife Aargau.

Ann Walter, die Kommunikationsverantwortliche bei Birdlife, erklärt: «Nisus will interessierten Jugendlichen bis 18 Jahre Ausflüge ermöglichen, die ihren Bedürfnissen nach mehr Hintergrundwissen und dem Wunsch entsprechen, gemeinsam und unabhängig von den Eltern Reisen zu unternehmen.» Als sie angefragt wurde, diese Gruppe aufzubauen, sagte Sarah Locher spontan zu.

«Ich brenne dafür, Menschen an die Natur heranzuführen, und bin überzeugt, dass Fehler im Umgang mit den Naturwerten oft aus Unwissenheit passieren. Wenn ich helfen kann, positive Erlebnisse und Zusammenhänge zu vermitteln, dann tue ich das sehr gerne», begründet sie. So machte sich Sarah Locher am Sonntag mit drei Teenagern auf den Weg an den Bodensee. Hier überwintern viele Wasservögel aus dem Norden. Diese galt es zu entdecken.

Vogelstimmen vergleichen und so die Art erkennen

«Die Gruppe ist noch klein», bedauert Locher. «Wir hätten noch Platz für mehr Teilnehmende.» Auf einem Schiffssteg treffen sie auf einen weiteren Vogelbeobachter. Er hat sein Fernrohr auf ein paar schwarze Punkte weiter draussen auf der Wasseroberfläche gerichtet.

Den Jugendlichen ist klar, dass hier etwas Spannendes zu sehen ist. Rasch stellen auch sie ihr Fernrohr ein und entdecken einen Trupp unbekannter Vögel. Locher öffnet das Bestimmungsbuch, doch die Jungornithologen sind ratlos. «Wer gut hinhört, kann leise ein paar Vogelstimmen wahrnehmen», flüstert Sarah Locher.

Sie zückt rasch ihr Handy und spielt diverse Vogelrufe ab. Die Kinder vergleichen, was sie hören, und erkennen dann: Da draussen schwimmt eine Gruppe Prachttaucher. So vermittelt Locher ihr Wissen und weiss, wie einprägsam es ist, Vogelstimmen zu hören. Schliesslich war es genau diese Methode, mit der ihre Grossmutter sie damals an die Vögel herangeführt hatte. (az)

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