Weinjahr 2014

Diese Fliege hat im Aargau jede zehnte Weintraube auf dem Gewissen

Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in gesunde Beeren – diese verfaulen danach. bz-Archiv

Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in gesunde Beeren – diese verfaulen danach. bz-Archiv

Was zuerst nach einem Jahrhundert-Jahrgang im Aargau aussah, wird nun nur ein guter: Schuld daran ist eine kleine Fliege, die den Weinbauern bis zu 15 Prozent der Trauben zerstörte.

Die Hoffnung auf einen Jahrhundert-Jahrgang blieb bis zu den Sommerferien intakt. Danach hat ein kleiner Schädling die Rebbauern auf Trab gehalten und verunsichert. In der Summe sind sie mit einem blauen Auge davongekommen. Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) hat unterschiedlich stark gewütet: «Von null bis 100 Prozent Ausfälle gab es alles», sagt dazu Rebbaukommissär Peter Rey. Als Fazit rechnet er mit 10 bis 15 Prozent weniger Aargauer Trauben.

Zudem hat die Stiellähme zu weiteren Verlusten geführt. Statt der erhofften Grossernte bleibt unter dem Strich eine Menge von 19'616 Liter Wein. «Das sind fünf Prozent weniger als im langjährigen Mittel», erklärt Rey. Aber es sind immer noch 40'000 Kilogramm mehr als im schwachen Vorjahr.

Grosse Verluste erlitten

Selbst die einfachste Rechnung führt zu einer Millionensumme: 10 Prozent von 2,5 Millionen Kilogramm sind 250'000 Kilo zu einem Preis von je 4 Franken. Das ist nur das Traubengeld, nicht eingerechnet ist der enorme Mehraufwand für das Spritzen und das mühsame Ausscheiden von Essigbeeren bei der Ernte. Immerhin ist die Qualität bei durchschnittlich 88 Öchsle beim Blauburgunder und 75 Öchsle beim Riesling-Sylvaner gut herausgekommen.

Es gab allerdings bei den blauen Trauben eine enorme Spannweite von 76 bis zu 103 Öchslegraden, die zur Messung des Zuckergehalts dienen. Reys Fazit: «Qualität gut, Menge befriedigend, Leseaufwand zum Vergessen.» Ein frommer Wunsch, denn die Drosophila Suzukii dürfte auch künftig millionenfach in die Rebberge einfliegen.

Vom Klima stark begünstigt

Dank der Witterung hat sich die Kirschessigfliege explosionsartig verbreitet: Dem viel zu milden Winter folgte ein nasskalter Sommer. «Bei über 30 Grad wären die Schädlinge kaputtgegangen», betont Gastreferent Patrik Kehrli vor den Aargauer Rebbauern im Aarehof Wildegg. Intensive Studien von Agroscope haben ergeben, dass ein Weibchen bis zu 400 Eier mit einem Ablageapparat auch in gesunde Früchte legen kann. Je nach Wärme gibt es pro Jahr sieben bis zwölf Generationen.

Die Minifliege liebt dunkle Beeren aller Art, Kirschen und Pflaumen, zudem wild wachsende Himbeeren, Brombeeren und Holunder. 2014 begann der starke Druck erstmals schon im Frühling, erstmals wurden die blauen Trauben befallen, aber nicht alle Sorten. «Bei einem milden Winter kann es 2015 noch schlimmer werden», befürchtet Kehrli. Vorbeugend gilt: Gras schneiden, Blätter in Traubenzonen entfernen, früh beobachten und reagieren, Fallen stellen und Spritzintervall gegen Fliege auf sieben Tage verkürzen.

Die von Präsident Peter Wehrli vom Branchenverband Aargauer Wein geleitete Herbstversammlung macht eines deutlich: Erfolg mit Spitzenweinen stellt sich nur durch konsequente, harte Arbeit ein. Zuerst im Rebberg, dann im Keller und schliesslich beim Verkaufen der edlen Tropfen. Interessante Informationen dazu liefern Marcel Suter von der Werbung, Kassier Michael Wetzel über die Finanzen und Urs Gasser zu Erfahrungen mit den Jungweinen 2014. Erstes Urteil: Die Weissen sind sehr fruchtig, die Roten haben eine kräftige Struktur.

Anlässe fürs Publikum

Fürs Publikum sind die Rebbauern mit ihren edlen Tropfen an zahllosen Anlässen präsent, vom Tag der offenen Kellertüren Anfang Mai bis zum Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau und zur Olma in St. Gallen, wo sich der Aargau 2015 als Gastkanton zeigt.

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