Stiftung Wendepunkt
Diese beiden Aargauer machen Leute fit für den Arbeitsmarkt

Die Stiftung Wendepunkt beschäftigt Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger und bereitet sie auf den Arbeitsmarkt vor – für dieses Unterfangen fand sie nun das perfekte Trainingscenter.

Peter Brühwiler
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«Ein Raum für Innovationen»: «Wendepunkt»-Leiter Sascha Lang (links) und Schöni-Patron Daniel Schöni in Rothrist.Chris Iseli

«Ein Raum für Innovationen»: «Wendepunkt»-Leiter Sascha Lang (links) und Schöni-Patron Daniel Schöni in Rothrist.Chris Iseli

Chris Iseli

Im Frühling bezog die Schöni Transport AG in Rothrist ihr neues Logistikzentrum. Es ist ein imposanter, moderner Bau - der natürlich auf Wirtschaftlichkeit getrimmt ist, mit möglichst kurzen Wegen etwa und einem automatischen System zur Beförderung von Paletten.

Denn die Logistikbranche steht im rauen Wettbewerbswind. Die Preise seien im Sturzflug, sagt Patron Daniel Schöni. «Wir verdienen heute noch einen Viertel von dem, was wir vor zehn Jahren verdient haben.»

Nur im dritten Stock des Neubaus weht der Wettbewerbswind etwas weniger stark, denn die Leute hier arbeiten im zweiten, von der öffentlichen Hand subventionierten Arbeitsmarkt. Auf 3'300 Quadratmetern hat sich die Aargauer Stiftung Wendepunkt bei Schöni eingemietet.

Das Ziel des Sozialunternehmens: Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt. Noch müssen in der Halle Regale aufgestellt werden. Und hinten in der Ecke plant Sascha Lang, der Gesamtleiter der Stiftung, einen Übungsparcours für Gabelstapler-Fahrten.

Trotzdem herrscht bereits reger Betrieb. In einem pastellfarbig gehaltenen Raum etwa zupfen «Wendepunkt»-Leute zu lang geratene Borsten aus Zahnbürsten. «Der zweite Arbeitsmarkt kann ausschlaggebend dafür sein, dass Firmen Aktivitäten in der Schweiz belassen, statt sie ins Ausland zu verschieben oder zu automatisieren», ist Lang überzeugt.

«Klein-klein» mit Potenzial

Eigentlich wollte Schöni in seinem Neubau keine Mieter haben. Aber die Sache der Stiftung habe ihn überzeugt, sagt er. Sein Credo lautet «Mensch statt Maschine», den Automatisierungstrend beobachtet er mit Sorge – auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Denn mehr Arbeitslose bedeuten längerfristig höhere Arbeitslosenbeiträge und somit höhere Lohnnebenkosten. «Natürlich, was wir hier machen, ist klein-klein», ist sich Schöni bewusst. «Aber es könnte gross werden, wenn andere aufspringen.» Auch Lang hofft auf die Signalwirkung des Projekts. Man rede zwar immer davon, dass der zweite Arbeitsmarkt in dieser Form näher mit dem ersten zusammenarbeiten müsse. «Aber es wird bisher noch zu wenig gemacht.»

Ganz nahe kommen sich die Stiftung und das Logistikunternehmen bei der Warenanlieferung im Erdgeschoss. Drei Rampen sind hier für «Wendepunkt»-Leute reserviert, während sich links und rechts davon das «reale» Arbeitsleben abspielt. Was das Label «unter einem Dach» neben dem Anschauungsunterricht für aus dem ersten Arbeitsmarkt Gefallene konkret bringt, wird sich noch zeigen müssen.

Zusammengearbeitet jedenfalls haben Schöni und Lang bereits früher, als die Stiftung den Bereich Logistik und Konfektionierung noch in Oftringen betrieb. Die Schöni Transport AG beschäftigte etwa Temporärkräfte der «Wendepunkt»-Tochterfirma Drehpunkt und stellte auch einige fest ein. Jetzt könne man dank der räumlichen Nähe bei kurzfristigem Bedarf noch schneller reagieren, sagt Lang.

Vor allem aber wollen die beiden gegenseitig von ihren Kontakten profitieren. So wird in Rothrist gelagerte Ware heute teilweise für weitere Bearbeitungsschritte an andere Orte und wieder zurück transportiert. Für Dienstleistungen wie zum Beispiel das Etikettieren von Displays könne er seinen Kunden künftig die Stiftung Wendepunkt empfehlen, so Schöni.

Aktuell beschäftigt die Stiftung in Rothrist 85 Leute, 30 bis 40 hätten zusätzlich Platz. Diese «Ressource Mensch» gelte es nun mit dem Wissen seines Unternehmens zusammenzubringen, sagt Schöni.