Die folgende Geschichte handelt zwar vorwiegend von Reformierten. Sie kann aber durchaus auch von Katholiken, Andersgläubigen und sogar Atheisten gelesen werden. Als Einstieg ein wenig reformierte Medienkunde. Die ist nötig, damit alle die Geschichte verstehen können.

Oder noch krasser ausgedrückt: Hätten alle Beteiligten vorher gewusst, wie die Reformierten es mit ihren Medien halten, wäre vielleicht im Aargau alles ein bisschen weniger laut geworden.

Die reformierte Landeskirche Aargau gibt die Zeitung «reformiert.» heraus. Sie erscheint monatlich und wird in einer Auflage von gut hunderttausend Exemplaren allen Reformierten im Aargau zugestellt. Die Redaktion befindet sich in Brugg.

Die Zeitung «bref» ist ein zweiwöchentlich erscheinendes Magazin, das vom Verein «Reformierte Medien» in Zürich herausgegeben wird. Es hat Anfang 2016 die bisherige Wochenzeitung «Reformierte Presse» ersetzt.

Die Auflage von «bref» beträgt rund 3500 Exemplare. Rund 400 Exemplare gehen in den Aargau. Das Magazin «bref» richtet sich in erster Linie an die kirchlichen Mitarbeitenden. Es finanziert sich zu ca. 80 Prozent aus Abo- und Inserateverkauf. Präsidiert wird der Verein «Reformierte Medien» von Christoph Weber-Berg, der auch Kirchenratspräsident der reformierten Landeskirche Aargau ist.

Die Atheistin Kafi Freitag

Kafi Freitag heisst die Bloggerin, die drei Mal in der Woche auf watson.ch eine schwierige Frage aus dem gewöhnlichen Leben auf ungewöhnliche Art beantwortet und das Schwierige dadurch sehr viel einfacher macht. Dabei nimmt Kafi Freitag kein Blatt vor den Mund, sie ist frech, witzig, überraschend, sie ist manchmal klug und manchmal überdreht und manchmal lohnt es sich auch nicht, den Text zu lesen. Aber das erkennt man ja meistens erst nachher.

Kafi Freitag ist bekennende Atheistin. In dieser Eigenschaft ist sie auch als Kolumnistin für «bref» tätig. Ihren direkten Schreibstil hat sie beibehalten, ebenso die Klarheit im Ausdruck.

Das ist ein Risiko, denn Blog und Kolumne sind zwei verschiedenen Textsorten in verschiedenen Medien und richten sich meist auch an unterschiedliche Leserinnen respektive User. Thomas Gehrig, Geschäftsführer von «bref», bestätigt denn auch: «Unter allen Autorinnen und Autoren, die ein breites Themen- und Glaubensfeld abdecken, stösst nun die kirchenferne Kafi Freitag als Kolumnistin bei einzelnen Leserinnen und Lesern neben Zustimmung auch auf Widerspruch oder offene Ablehnung.»

Aber Gehrig nimmt diese Ablehnung in Kauf. Denn man wolle auch diejenigen Stimmen zu Worte kommen lassen, die mit der Institution Kirche, trotz Interesse an deren Themen, wenig anfangen könnten.

«Wir sind überzeugt, mit unserer Art der Forumspublizistik zum innerkirchlichen und zum gesellschaftlichen Dialog beizutragen und stellen uns auch unbequemen Fragen», schilder Gehrig das publizistische Selbstverständnis der «bref»-Redaktion.

Thomas Burgherr ist empört

Vor allem im reformierten Westaargau hat die Kolumne der Atheistin Kafi Freitag für etwas Empörung gesorgt. So hat sich etwa der Kölliker Kirchenpflege-Präsident Matthias P. Müller in einem Leserbrief gefragt, ob er noch in der richtigen Kirche sei, wenn ihm eine Atheistin in einer Publikation der Landeskirche die Welt erkläre.

Auch SVP-Nationalrat Thomas Burgherr ist empört. Er hat einen offenen Brief verfasst und beklagt darin, dass eine Atheistin politische Parolen verbreiten dürfe, die weder christlich noch theologisch begründet seien. Konkret geht es darum, dass Kafi Freitag für ein christliches Nein zur Durchsetzungsinitiative geworben hatte. Das sei desavouierend.

Denn er habe mit ehrlichen und christlichen Motiven Ja gestimmt. Burgherr sagt auch klipp und klar, was er grundsätzlich von den reformierten Medien erwartet: Dass sie sich «schwergewichtig auf die Verkündigung des Evangeliums konzentrieren».

Sowohl Müller als auch Burgherr richten ihre Kritik und Forderungen an die reformierte Landeskirche Aargau. Nur hat die, wie wir inzwischen gelernt haben, keinen Einfluss auf den Inhalt von «bref». Aber das ist auch nicht besonders schlimm.

Denn mit den 400 auf den ganzen Kanton verbreiteten Exemplaren wird die Kolumne von Kafi Freitag kaum einen grossen Einfluss auf den Fortbestand der reformierten Kirche im Aargau haben.

Das letzte Wort zur leicht grotesken Auseinandersetzung um einige provokative Texte mit geringer Leserschaft, gehört Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg: «In der reformierten Kirche pflegen wir eine offene Diskussionskultur, auch mit Menschen, die unsere Ansichten nicht teilen.»