Jugendmedienwoche

Diese 17-jährige Aargauerin leitet heute die «Arena»

Andrea Marti aus Gipf-Oberfrick hat heute Abend im Studio Unterstützung von ihrem Bruder und ihrem Freund. Die Eltern der 17-Jährigen werden von zu Hause aus zuschauen.

Andrea Marti aus Gipf-Oberfrick hat heute Abend im Studio Unterstützung von ihrem Bruder und ihrem Freund. Die Eltern der 17-Jährigen werden von zu Hause aus zuschauen.

Andrea Marti aus Gipf-Oberfrick moderiert heute Abend die Jugend-«Arena» auf SRF. Im Interview erklärt die Gymnasiastin des Gym am Münsterplatz, weshalb sie sich bereits mit 17 Jahren Sorgen um ihre Rente macht.

Ihr politisches Interesse geht weit über den Pflichtstoff am Gymnasium heraus. Die 17-jährige Andrea Marti moderiert im Rahmen der Jugendmedienwoche heute Abend mit zwei weiteren Schülern die «Arena» auf SRF. Die Jungmoderatoren behandeln je ein Thema, darunter die Integration von Flüchtlingen, der Klimawandel und eines von Andreas Lieblingsthemen: die Altersvorsorge.

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann, FDP-Ständerat Ruedi Noser, CVP-Nationalrat Martin Candinas und SP-Nationalrat Cédric Wermuth gehen auf die Fragen der Schüler ein. Moderator Jonas Projer steht den Teenagern während der einwöchigen Vorbereitung am Leutschenbach zwar zur Seite, im Studio müssen sich die Schüler aber selbst durchsetzen. Zur aussergewöhnlichen Aufgabe kam die Fricktalerin, die das Gymnasium am Münsterplatz in Basel-Stadt besucht, durch ein einminütiges Bewerbungsvideo und ein Casting.

Andrea, Sie sind erst 17 Jahre alt, woher kommt Ihr politisches Interesse?

Angefangen hat das bei der EcopopInitiative. Damals war ich erst 12 Jahre alt. Ich glaube, dass ich einen Flyer zum Thema in die Hand gedrückt bekam. Es war ein relativ simpler Vorschlag. Ich fand ihn spannend und begann, mich mehr damit zu befassen.

Sie sind also allgemein neugierig. Haben Sie als Kind viel gelesen?

Ich glaube, ich habe zum Teil auch zu viel gelesen. Nach sechs Wochen Harry Potter nahm mir meine Mutter fast das Buch weg, weil sie Angst hatte, dass ich büchersüchtig werde.

Sind Ihre Eltern politisch aktiv?

Politik ist bei uns zu Hause durchaus ab und zu ein Thema. Meine Eltern haben aber kein politisches Amt oder sind nicht politisch aktiv.

Sie fielen auf, als Sie 2015 beim Bürgergespräch der «Schweiz am Wochenende» Bundesrat Alain Berset mit Ihren Fragen ins Schwitzen brachten. Es waren Fragen zur Altersreform. Das sind Fragen, die eigentlich Erwachsene beschäftigen.

Die Altersreform ist gerade für Junge ein Thema. Diejenigen, die jetzt bereits vor der Rente stehen, wissen, dass sie eine Rente haben. Bis 2033 ist es ja gesichert. Ich weiss es aber nicht. Ich habe jetzt noch fast 50 Jahre bis zur Rente. Keine Ahnung, ob es bis dort hin noch ein Rentensystem, die AHV oder eine Pensionskasse geben wird. Wenn ich mit 25 Jahren anfange zu bezahlen, bekomme ich noch Geld? Oder bezahle ich das nur jetzt, weil der Umwandlungssatz zu hoch ist? Gerade für die Jungen sind diese Fragen wichtig.

Sie sind Mitglied der Jungfreisinnigen. Wie aktiv sind Sie da?

In der Sektion Fricktal bin ich als Vizepräsidentin aktiv. Ich mache die «Arena» aber nicht als Jungfreisinnige, sondern als Privatperson. Ich schreibe auch für die Schülerzeitung, das hat mein Interesse am Journalismus geweckt.

Welches ausser Rente sind Themen, die Ihnen am Herzen liegen?

In der Schule werden immer wieder Maturitätsquoten diskutiert, das finde ich wichtig. Ein Thema, das mir weiter sehr am Herzen liegt, ist die Integration von jungen Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Ich bin beim Roten Kreuz und ich spreche immer wieder mit Flüchtlingen, die sagen, dass sie gerne arbeiten würden, und sich auch darum bemühen. Sie lernen freiwillig die Sprache, weil es vom Staat nur bis zu einem gewissen Punkt finanziert wird. Sie versuchen wirklich, sich zu integrieren, und sie werden nicht angestellt. Das ist ein Problem, das behoben werden müsste. Wir haben auch «Mängelberufe», in denen wir viel zu wenig Leute haben und so viele unbesetzte Lehrstellen, was auch mit der steigenden Maturitätsquote verknüpft ist. Ich verstehe nicht, weshalb man diese Lehrstellen nicht mit denjenigen Menschen besetzen kann, die Integration so dringend nötig haben.

Inwiefern ist es Ihnen ein Anliegen, andere Jugendliche zu motivieren, sich für Politik zu interessieren?

Ich versuche nicht, aktiv Leute aus meinem Umfeld von Politik zu überzeugen. Ich glaube aber, sobald ich 18 Jahre alt bin, werde ich möglichst viele Gleichaltrige dazu motivieren, abstimmen zu gehen. In meinem jetzigen Umfeld in Basel-Stadt sind viele meiner Mitschüler politisiert. Aktuell gibt es die Klimastreiks. Ich denke, dass sich junge Leute schon dafür interessieren, was um sie herum passiert.

Sie verbringen die ganze Woche in den SRF-Studios am Leutschenbach in Zürich. Was machen Sie da alles?

Am Montag haben wir die Themen festgelegt und auch, wer von uns Schülern in der Sendung welches Thema diskutieren wird. Danach haben wir viele Artikel gelesen, um möglichst viele Positionen zusammenzutragen. Daraufhin haben wir mit den einzelnen Politikern, die im Studio diskutieren werden, zehn Minuten über unser Thema gesprochen. Entsprechend haben wir dann die Moderationen vorbereitet, um durch die Antworten Überleitungen zu finden. An den letzten beiden Tagen gibt es noch Proben.

Wie gross war der persönliche Einfluss auf die Themenwahl?

Die Themen waren noch nicht gesetzt. Wir mussten uns im Voraus Themen überlegen und diese haben wir eingebracht und diskutiert.

Wovor haben Sie die grösste Angst?

Die Gäste abzuklemmen. Ich habe das Gefühl, dass dies alles an den ersten Fragen hängt. Ich denke, wenn ich meine Autorität am Anfang nicht durchsetzen kann, dann wird sich dies durch die ganze Sendung ziehen. Ich freue mich aber sehr auf das Moderieren. Ich freue mich auch darauf, alle Politiker angreifen zu können. Ich glaube, es ist am einfachsten, neutral zu bleiben, wenn man alle Politiker gleich häufig angreift. So kommt auch eine Diskussion in Gange.

Können sie als Moderatorin denn neutral bleiben?

Es ist sicher nie einfach, neutral zu sein, denn jeder hat eine Meinung, die man auch als Moderatorin nicht ablegt. Ich bin aber nicht als Jungfreisinnige hier. Ich habe die Moderationen vorbereitet und ich achte auch bei der Moderation darauf, dass ich gleich viele Vorschläge von allen Parteien einbringe. Ich denke, in der Sendung neutral zu bleiben, hängt mit der Vorbereitung zusammen. Und ich werde mir alle Mühe geben, meine persönliche Meinung nicht einfliessen zu lassen.

Streben Sie eine Karriere in der Politik an?

Ich sehe mich selber nicht als aktive Politikerin. Journalismus fände ich aber sehr spannend. Ich werde nach der Sendung auch einen Artikel für die Schülerzeitung schreiben.

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