Andrea Mattenberger und Morena Benzoni kennen sich aus mit Trennungen. Sie tun das professionell und sie haben eine Vorstellung von der perfekten Trennung. 

Jede zweite Ehe scheitert. Was ewig dauern soll, endet im Schnitt nach 15 Jahren. Trennen ist komplizierter als heiraten. Und unter Trennungen leiden Kinder besonders. Besonders um die Kinder geht es den Trennungsberaterinnen deshalb bei ihrer Arbeit. «Die Partner sind in einer Trennungsphase oft so sehr mit sich selber beschäftigt, sodass sie gar nicht bemerken, wie es den Kindern geht», sagt Benzoni . Oft wird der Nachwuchs sogar benutzt, um sich gegenseitig zu verletzen.

Die Frauen haben den zweiten Lehrgang zur Trennungsberaterin absolviert, und zwar aus unterschiedlichen Beweggründen. Morena Benzoni hat als Mitarbeiterin beim Schulsozialdienst erlebt, wie sehr Kinder unter Trennung leiden. Sie selber ist verheiratet – sehr glücklich, wie sie sagt – hat zwei Söhne und eine Praxis für Mediation und Trennungsberatung in Wettingen.

Andrea Mattenberger hat keine Kinder und ist ledig. Sie hat ihre Praxis in Aarau. Wie zentral eine faire Trennung für die weitere Zukunft ist, hat sie bei ihrer Arbeit im Alimentenwesen, insbesondere auf dem Alimenteninkasso erfahren. Also dort, wo Unterhaltszahlungen vollstreckt werden, über die ein Gericht entschieden hat. «Hätte sich ein Paar früher mit der Trennung auseinandergesetzt, könnten viele langwierige und verletzende Prozesse verhindert werden», sagt Mattenberger.

Wohl der Kinder im Zentrum

Das Ziel beider Frauen ist eine faire Trennung. Sie wollen Eltern unterstützen bei der Ausarbeitung einer gemeinsamen Trennungs- oder Scheidungsvereinbarung zum Wohl der Kinder.

Denn wird in einer Trennungsvereinbarung vereinbart, dass der Vater das Kind am Freitagabend um 19 Uhr abholt und auch, dass das Kind dann schon gegessen hat, klappt das eher, als wenn Regeln gegen den Willen des einen Elternteils aufgestellt werden. In diesem Fall kann es eher vorkommen, dass die Mutter das Kind am Freitagabend nicht rausgeben will und der Vater sein Besuchsrecht erzwingen muss – nicht unbedingt zum Wohl der Kinder.

«In der Trennungsvereinbarung kann alles bis ins letzte Detail festgehalten werden, denn oft entflammt der Streit an den Details», sagt Mattenberger. Voraussetzung für eine erfolgreiche Trennungsberatung ist, dass beide Partner teilnehmen. Tönt einfach, ist es aber nicht. Und was, wenn da doch noch ein Fünkchen Hoffnung besteht für eine gemeinsame Zukunft, wird dann trotzdem getrennt? Mattenberger sagt: «Wenn ich das spüre, empfehle ich eine Eheberatung. Um eine Beziehung zu retten, bin ich als Trennungsberaterin nicht die Richtige.»

In der Regel erarbeiten die Trennungsberaterinnen nach ein paar Sitzungen eine Trennungsvereinbarung. Diese gehen sie dann zusammen mit dem ehemaligen Paar Schritt für Schritt durch. Dabei geht es auch im Finnessen: Wer bezahlt den wöchentlichen Coiffeur-Termin der Frau? Kann der Mann sein teures Hobby weiterführen?
Ziel ihrer Beratung ist es, dass die Partner am Ende eine Trennungsvereinbarung unterschreiben können, mit der beide einverstanden sind.

Was ist eine perfekte Trennung?

Einigt sich das Paar, muss das Familiengericht nur noch prüfen, ob die Vereinbarung von beiden Parteien aus freien Stücken unterzeichnet wurde. Ist das dann die perfekte Trennung? Benzoni sagt: «Die perfekte Trennung ist, wenn sich Eltern die Kinderbetreuung teilen, die Kinder keinen Stress haben und respektvoll und fair miteinander kommuniziert wird.»

Mattenberger hat noch eine konkretere Vorstellung: «Traumhaft ist es, wenn Kinder nach einer Trennung im Haus bleiben und die Eltern pendeln - von Sonntag bis Mittwoch ist Papi im Haus und von Donnerstag bis Samstag Mami. So haben die Eltern die Veränderung und die Kinder können im gewohnten Umfeld bleiben.» Das sei allerdings eine Lösung, die sich nicht alle Familien finanziell leisten können, da es zwei zusätzliche Wohnungen braucht.

Nach der erfolgreichen Trennungs-beratung rät Morena Benzoni zu einem gemeinsamen Nachtessen oder zumindest einem Cüpli, um die Trennung im Guten zu besiegeln. Und fügt gleich an: «Klar ist das nicht bei allen Paaren möglich. Gut wäre es trotzdem, finde ich.»