An der alljährlichen Böttsteiner Tagung der Freisinnigen werden keine Beschlüsse gefasst, sondern es ist ein Forum für Fragen fern der Tagesaktualität. Hätten die rund 60 Anwesenden aber entscheiden müssen, welchem Antriebsmotor die Zukunft gehört, so hätte am Ende des gestrigen Abends wohl das Elektroauto die Nase vorn gehabt.

Die beiden externen Referenten wussten nämlich die Vorzüge des Fahrzeugs mit Strom so gut herauszustreichen, dass man am Schluss zweifelsfrei glauben durfte, diese Technik werde in den nächsten Jahrzehnten alle anderen Alternativantriebe ausstechen. «Das Elektroauto ist umweltfreundlicher als ein herkömmliches Fahrzeug mit Verbrennungsmotor», sagte Jörg Beckmann, Direktor der dem TCS angegliederten Mobilitätsakademie in Bern. Eine Grafik sollte unterstreichen, wie das Elektroauto nach und nach die breite Masse erobert.

In seinen Augen wird das E-Auto unter anderem ein kleines Kraftwerk sein, das überschüssige Energie ins Netz liefert. So kann das ehrgeizige Ziel eines Fahrzeugs mit Null Emissionen, Null CO2-Ausstoss und Null Verkehrstoten erreicht werden. Letzteres werde geschafft, weil die Autos unter sich und mit der Strassenumgebung kommunizieren.

Beyeler: Standortqualität leidet

Peter Arnet gab seinem Vorreferenten inhaltlich recht. Der Geschäftsführer der in Zürich angesiedelten Alpiq E-Mobility AG, einem Start-up des Stromriesen, belegte die Notwendigkeit von Elektroautos mit Zahlen: Wenn der Bund die Vision einer sauberen Mobilität umsetzen wolle, brauche er über 700000 strombetriebene Fahrzeuge und ähnlich viele Ladestationen. «Die Schweiz soll eine Vorreiterrolle beim E-Mobility übernehmen.» Die Voraussetzungen dazu seien gut.

Ein Schweizer legt pro Tag 38 Kilometer mit seinem Auto zurück. Ein Fahrzeug der heutigen Elektro-Generation schafft gemäss Arnet 25 Kilometer auf einmal. Das reicht für den Arbeitsweg hin und zurück – falls es genügend Ladestationen gibt. Alpiq hilft mit, ein flächendeckendes Netz aufzubauen.

Für etwas Bodenhaftung sorgte Verkehrsminister Peter C. Beyeler. Mit dem ständig wachsenden Verkehr – ob Elektroauto oder nicht – gerate die hohe Standortqualität des Aargau unter Druck. «Nur wenn der Verkehr rollt, rollt auch die Wirtschaft.» Er geisselte die fehlenden Investitionen des Bundes in Bahn und Strasse, um Engpässe im Aargau und den angrenzenden Regionen zu beheben. Und er zeigte auf, in welche Projekte der Kanton Millionen investiert, um genau dies zu tun.