Vorrunden abgeschlossen

Die Wurstzipfel sind verteilt, jetzt wartet die Jass-Königskrone

Nach der vierten Vorrunde in Untersiggenthal stehen die zehn letzten Finalteilnehmer für den AZ-Jasskönig fest.

Es ging vorerst noch um den vierten Wurstzipfel. Um die Wurst geht es dann am 8. Juni in Effingen. Die Wurst – das ist der Höhenflug aus der direkten Demokratie hinauf in royalistische Sphären. Bis zum Aargauer Jasskönig braucht es allerdings eine ansehnliche Portion Glück und eine Vielfalt von Talenten. So muss man beispielsweise sattelfest sein in der Kenntnis von deutschen und französischen Jasskarten und an einem einzigen Abend drei «Blind Dates» erfolgreich hinter sich bringen. Das bedeutet, möglichst rasch die Taktik von frisch zugelosten, wildfremden Spiel-Partnern oder -Partnerinnen erkennen.

Die vierte und letzte Vorrunde des diesjährigen AZ-Jasskönigs, zu der die Aargauer Zeitung und Aargau Tourismus auf heimische Weingüter eingeladen hatten, ging am Freitagabend auf dem Wein- und Gemüsegut Umbricht in Untersiggenthal über 15 Jassteppiche. 60 Teilnehmer – davon nur gerade 15 Frauen – stellten sich dem heissen Kampf um höchste Punktzahlen.

Die vorgängige Führung durch Kelterei und Keller, inklusive Degustation, verfolgte besonders der Georg aus Boswil mit grösstem Interesse: Von Beruf Metzger, will er im Ruhestand das Winzerhandwerk erlernen. Georg Füglistaler heisst er mit vollem Namen, aber ich will mich an die Parole vom Dölf (Ogi) halten: «Beim Jassen und auf über 4000 Metern ist man per Du». Schliesslich ist es den Schwingern auch heilig, dass ihr Nachname vor dem Vornamen genannt wird.

Nachwuchssorgen bei Jassern

Im Übrigen war auch die eine und andere Schwingerfigur auszumachen, allerdings war vermutlich kein aktiver Schwinger darunter. «Wir Jasser haben, genauso wie die Kegler und Männerchöre, Nachwuchssorgen», seufzt Kurt, der Spielleiter und Präsident vom Verein Aargauer Jassmeisterschaft. Turnierjasser Louis aus Nussbaumen kann ihm leise Hoffnung machen: «Meine Kinder jassen zwar nicht, aber meine Enkel zeigen Interesse». Auch Lukas aus Aarau stimmt mit seinen 34 Jährchen als jüngster Teilnehmer zuversichtlich. Es wäre doch jammerschade, wenn es eines Tages keine Jasser mehr gäbe. Wenn Analytiker, Abgeklärte, Belehrende, Hochkonzentrierte, Coole nicht mehr, nach 157 Punkten strebend, in Viererformation zusammenhocken würden, so wie im Umbricht-Saal.

Friedlich ging es zu und her, nur ab und zu donnerte eine Faust auf den Teppich: Hurra, was für ein fetter letzter Stich! «Wenn eine dumm tuet, gahn i grad hei», verrät der Arnold mit dem kürzesten Heimweg, wohnt er doch gleich vis-à-vis. Am Freitag hat keiner – und erst recht keine – «dumm getan».

Jassen geht auch durch den Magen

Das lag auch daran, dass die Jasser sich bestens gestärkt zu den ersten Blind- Date-Quartetten formierten. Das Buffet, das die fleissigen Bienen der Apéro-Chuchi Freiamt aufgebaut hatten, bog sich unter Platten mit Bündnerfleisch, Sbrinz, Gemüse- und Schinken-Eclairs, gefüllten Eiern, ebensolchen Omeletten, Speckzopf, Apfelbrot, heisser Weinsuppe und vielem mehr. Da Essen bekanntlich Leib und Seele zusammenhält, liessen die Jasser und Jasserinnen es sich mit Wonne schmecken, bevor sie sich daran machten, den vierten Wurstzipfel zu ergattern, um mit von der Partie zu sein, wenn es in zwei Wochen auf dem Weingut Büchli in Effingen dann um die Wurst in Form der Königskrone geht.

Zwischen geschlagener Schlacht und Siegerehrung setzten die fleissigen Freiämter Bienen mit Linzertorte und Beerentraum dem Abend einen kulinarisch krönenden Schlusspunkt. Nach gut zwei Stunden war es soweit. Dölf möge verzeihen, dass in dieser erhabenen Angelegenheit in der Rangliste die Nachnamen genannt werden: 1. Siegfried Gassi (3141 Punkte), 2. Antonia Meier (3132), 3. Josef Marty (3126), 4. Franz Spörri (3116), 5. Trudi Rytz (3048), 6. Ernst Bannwart (3032), 7. Albert Weibel (3016), 8. Anton Wolleb (3010), 9. Sonja Buchser (2987), 10. Albert Styger (2968).

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