1. Was ist weibliche Genitalbeschneidung oder Mädchenbeschneidung?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert alle Praktiken, bei denen die äusseren weiblichen Geschlechtsorgane ohne medizinische Notwendigkeit verletzt oder entfernt werden, als Mädchenbeschneidung. Sie wird nicht überall gleich praktiziert, sondern unterscheidet sich je nach Region oder Gemeinschaft. Zum Beispiel werden Mädchen in somalischen Städten anders beschnitten als Mädchen, die auf dem Land leben. Auch der Zeitpunkt ist unterschiedlich. Je nach Region und Gemeinschaft sind die Mädchen bei ihrer Beschneidung zwischen 0 und 15 Jahre alt.

2. Welche Formen der Beschneidung gibt es?

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet vier Typen der Beschneidung:

  • Typ I: Die Klitoris und/oder die Klitorisvorhaut wird abgeschnitten.
  • Typ II: Die Klitoris und die kleinen Schamlippen werden teilweise oder ganz abgeschnitten.
  • Typ III: Die Klitoris, die kleinen und die grossen Schamlippen werden teilweise oder ganz abgeschnitten.

3. Welche Folgen hat die Beschneidung für Mädchen und Frauen?

Eine Beschneidung kann sich nachhaltig auf das Leben von Mädchen und Frauen auswirken. Nach dem Eingriff ist das Risiko gross, dass sich die Wunde entzündet. Vor allem dann, wenn bei der Beschneidung die Hygiene vernachlässigt wurde. Später kann es sein, dass Frauen beim Geschlechtsverkehr Schmerzen haben und dass Urin und Menstruationsblut nicht abfliessen können. Das kann zu chronischen Infektionen führen. Auch Geburten sind für Frauen kompliziert und schmerzhaft, weil das Narbengewebe aufgerissen wird.

4. Warum werden Mädchen überhaupt beschnitten?

Weibliche Genitalbeschneidung ist an Traditionen und nicht an Religionen gebunden. Sie wird in christlichen, muslimischen und anderen Gesellschaften durchgeführt. Es gibt in keiner Schrift einer Weltreligion die Aufforderung dazu. Neben traditionellen hat die Beschneidung auch ästhetische oder soziale Gründe: Mädchen mit beschnittenen Genitalien gelten als schön und gehören in der Gemeinschaft dazu. Die Beschneidung kann auch ein Ritual sein, um vom Kind zur Frau zu werden. Auch Sex spielt eine Rolle: Es gibt die Vorstellung, dass beschnittene Mädchen vor der Ehe keine sexuellen Beziehungen haben und ihrem Ehemann eher treu sind.

5. In welchen Ländern werden Mädchen beschnitten?

Die Mädchenbeschneidung hat ihren Ursprung in Ägypten. Die Praxis hat sich seither in den westlichen, östlichen und nordöstlichen Regionen in Afrika etabliert. In Somalia, Eritrea, Sudan, Ägypten, Guinea, Sierra Leone, Mali und Djibouti sind über 80 Prozent der Frauen beschnitten. In Mauretanien, dem Tschad und Äthiopien sind es mehr als die Hälfte. Auch im Irak und im Jemen, in Afghanistan, Indonesien und in kurdischen Gebieten werden Mädchen teilweise beschnitten. In einigen Ländern, zum Beispiel in Eritrea, ist die Beschneidung offiziell verboten. In der Schweiz besteht theoretisch eine Meldepflicht für Ärzte, wenn sie sehen, dass ein Mädchen beschnitten ist. Eine Beschneidung wird als schwere Körperverletzung geahndet.