Coronakrise

Die wichtigsten Aargauer Banker trafen kranke Regierungsräte – wie sie ihre Häuser durch die Flut von Kreditanträgen führen

AKB-Chef Dieter Widmer verzichtet auf eine Selbstisolation, weil er bei dem Treffen mit der Regierung weit weg von Dieth und Hofmann sass.

AKB-Chef Dieter Widmer verzichtet auf eine Selbstisolation, weil er bei dem Treffen mit der Regierung weit weg von Dieth und Hofmann sass.

Es geht um viel, an diesem Freitag, 20. März 2020, im Otto-Kälin-Saal im Grossratsgebäude Aarau. Die Aargauer Regierung trifft sich mit den wichtigsten Bankenvertretern des Kantons. Rund 20 Personen sind anwesend, etwa hälftig Regierungsvertreter und Banker. Recherchen dieser Zeitung zeigen, dass offenbar einzig UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder und Urs Gauch, Leiter Firmenkunden von Raiffeisen Schweiz, per Telefon zugeschaltet sind. Warum das von Bedeutung ist? Weil nur kurz darauf die beiden Regierungsräte Markus Dieth und Urs Hofmann positiv auf Corona getestet wurden.

Roland Herrmann, CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB), arbeitet im Homeoffice, seit die Erkrankungen bekannt wind. Er ist in freiwilliger Selbstquarantäne und telefoniert acht bis zehn Stunden täglich, um trotzdem nah bei seinen Leuten zu sein. Denn noch bis Ende dieser Woche wird er mit keinem seiner Kollegen persönlichen Kontakt haben. Führung sei in Zeiten der Unsicherheit wichtiger denn je, sagte er am Samstag. Auch deshalb wendet sich Herrmann regelmässig mittels CEO-Videobotschaften an die ganze Belegschaft der NAB.

Selbstquarantäne oder nicht – das ist die Frage

Dieter Widmer, Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB), hat die Ausgangslage nach den positiven Tests der Regierungsräte Dieth und Hofmann intern besprochen und analysiert. Da er an der besagten Sitzung im Grossratsgebäude weit weg von den Erkrankten sass, hat er in der Folge auf eine Selbstquarantäne verzichtet. Widmer zeigt bis heute keine Symptome und überwacht seinen Gesundheitszustand laufend. Zudem seien die Mitarbeitenden froh, wenn der Chef in diesen hektischen Tagen auch präsent sei. Gerade im Zusammenhang mit der Flut an Anträgen für Überbrückungskredite, die seit Donnerstag über die Banken hereinbrach.

UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder arbeitet auch im Bankenalltag so oft wie möglich von daheim. Allerdings sagt Sommehalder, dass er «für wichtigere und grössere Telefon- und Videokonferenzen» gerne ins Büro gehe. Dies natürlich auch, um weiter in engem Kontakt mit den stark reduziert anwesenden Angestellten zu bleiben. Immer mit dem nötigen Abstand. Das versteht sich dieser Tage von selbst.

Was passiert mit Gewinnen aus Coronakrediten?

Es sind hektische Tage für die Aargauer Banken. Angestellte haben Überstunden geschoben, Wochenenden durchgearbeitet, Sonderefforts geleistet. Unter erschwerten Bedingungen. Der Run auf die Überbrückungskredite war in den letzten Tagen auch im Aargau gross. Die AKB hat zwischen letztem Donnerstag und Montagmittag rund 960 Kredite für KMU gesprochen. Gesamtbetrag: 132 Millionen Franken (im Durchschnitt rund 137'000 Franken). Die NAB kam auf rund 700 Kredite im gleichen Zeitraum mit einem Durchschnittswert von rund 160'000 Franken (insgesamt 110 Millionen Franken). Und bei der UBS wurden rund 750 Kreditanträge in der Höhe von durchschnittlich 140'000 Franken (total 105 Millionen Franken) gutgeheissen.

Diese Kredite werden, so die Abmachung mit dem Bundesrat, zu Nullzinsen vergeben. Der Bund bürgt für den gesamten Betrag von bis zu 500'000 Franken. Die Unternehmen haben aber auch die Möglichkeit noch mehr Geld aufzunehmen, wenn dies erforderlich sein sollte. Unter strengen Auflagen können sie Kredite bis zu 20 Millionen Franken beantragen. Dabei bürgt der Bund nur noch für 85 Prozent des Betrages, die Zinsen sind Verhandlungssache.

Was würden die Banken mit einem allfälligen Gewinn tun? Zuerst: Viel dürfte nicht herausspringen. Sollte dennoch ein Plus resultieren, plant die UBS dieses in einen Hilfsfonds einzuzahlen, der unter anderem Covid-19-Projekte unterstützt. Die NAB würde es über Sponsoring oder die eigene Kulturstiftung in Projekte im Kanton einspeisen. Und die AKB würde den Gewinn via AKB Impuls Vereinen und gemeinnützigen Organisationen aus der Region zugutekommen lassen.

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