Die Behörden des Kantons Aargau trafen sich gestern Nachmittag zu einer Krisensitzung und verkündeten dann das «absolute Feuer- und Feuerwerksverbot». Nicht einmal mehr das Anzünden von traditionellen Lampions ist erlaubt.

Denn sie gelten als offenes Feuer. Wie ernst die Lage ist, zeigen die Aussagen von Feuerwehrexponenten. «Es gilt abzuwägen: Ist es wichtiger, für ein paar Minuten einige Feuerwerkskörper am Nachthimmel leuchten zu sehen, oder auch in den nächsten Wochen genügend Trinkwasser zu haben?», sagt Urs Ribi, Abteilungsleiter Feuerwehrwesen bei der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot im Aargau

Absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot im Aargau

Sprengspezialist Walter Weber nimmt seine Pyrotechnik wieder auseinander – er wäre für die Feuerwerke in Aarau auf der Aare und auf dem Hallwilersee zuständig gewesen. Ein Rothrister Feuerwerksverkäufer spricht derweil von einer «Katastrophe».

Er mahnt: «Auch die Aargauer Feuerwehren löschen mit Trinkwasser. Wollen wir wirklich das Risiko von Bränden eingehen und damit auch die Gefahr, die in einigen Regionen bereits knappe Ressource Trinkwasser noch mehr zu schmälern?» Der Aargau sei meistenorts sehr trocken und damit die Brandgefahr auch im bewohnten Gebiet sehr hoch. Dazu kämen die nach Sonnenuntergang aufkommenden Winde: «Wenn es jetzt brennt, dann steigt durch den Funkenflug die Übergriffsgefahr auf Nachbargebäude drastisch», so Ribi.

«Das Risiko ist enorm»

Thomas Strebel, Kommandant der Stützpunkfeuerwehr Muri, sagt: «Es geht nicht nur um die Wälder. Wir haben in den Wohngebieten Hecken und Sträucher, die sehr trocken sind. Da braucht es nicht viel und sie brennen lichterloh.» Marcel Christen, Kommandant der Feuerwehr und Chef Sicherheit der Gemeine Wohlen, sieht es gleich: «Es ist überall sehr dürr. Nicht nur Stoppelfelder können rasch in Brand geraten, sondern auch Bäume und Sträucher. Die sind derart ausgetrocknet, dass einige bereits Laub lassen.»

Christian Sigel, der Kommandant der Regionalfeuerwehr Rietenberg in Villmergen, spricht das Problem Löschwasser an: «Es kann ja nicht sein, dass einzelne Gemeinden in der Region bereits zum Wassersparen aufrufen müssen, wir aber mit Feuerwerk die Brandgefahr erhöhen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass viel kostbares Wasser zum Löschen verwendet werden muss. Sigel sagt, dass nicht nur Sträucher und Hecken so trocken sind, dass sie «wie Zunder brennen» würden, sondern auch der verdorrte Rasen in den Vorgärten. «Ich will kein Spielverderber sein. Doch in der aktuellen Situation Feuerwerk zu zünden wäre zu gefährlich.»

Viele Gemeinden reagierten gestern schneller als der Kanton und verhängten Feuerverbote. Sie begannen auch mit dem Umorganisieren ihrer Bundesfeiern. So gibts in der Stadt Bremgarten statt dem traditionellen Feuerwerk um 22.15 Uhr eine 15-minütige Lasershow mit Musikbegleitung über den Casinoplatz. Noch weiter ging die kleine Wynentaler Gemeinde Leimbach: Sie sagte die 1. August-Feier kurzerhand ab.

Wie verlief der Entscheidungsprozess zum kantonsweiten absoluten Feuer- und Feuerwerksverbot im Freien? Zuerst trafen sich Vertreter der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV), der Abteilung Wald des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) und des Kantonalen Führungsstabs (KFS) zu einer Lagebeurteilung. Resultat: «Im Kanton Aargau gilt neu die Gefahrenstufe 5 von 5 (sehr grosse Waldbrandgefahr).» Daraufhin erliess die AGV gestützt auf das Brandschutzgesetz, für das ganze Kantonsgebiet ein Feuerverbot im Freien. «Das Verbot gilt bis auf Widerruf und betrifft auch private und öffentliche Feuerwerke», heisst es in einer Medienmitteilung.

Was heisst das für die 1. August-Party?

Feuerverbot: «Es kann bis zur Verzeigung gehen»

«Es kann bis zur Verzeigung gehen»

Der Kanton Aargau hat ein absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot verhängt. Was heisst das für die private 1.-August-Feier, den Cervelat und welche Folgen kann es haben für jemanden, der sich nicht an das Verbot hält? Michel Hassler, Mediensprecher des kantonalen Führungsstabs, im Interview.

Jegliches Feuern im Freien ist verboten. Das gilt auch für Holzkohle-Grills. «Beim Grillieren ausschliesslich Gas- und Elektrogrills verwenden», betonen die Behörden. Und wie ist es mit dem Rauchen? Da raten die Experten zu grösster Vorsicht. Auch im Siedlungsgebiet. Es ist nicht nur verboten, Raketen abzufeuern, sondern auch Himmelslaternen steigen zu lassen oder Lampions mit brennenden Kerzen aufzustellen oder herumzutragen.

Wer gegen die Verbote verstösst, muss mit einer Anzeige rechnen. Die Polizei will sich aber auf die Gefahrenabwehr konzentrieren und nicht gezielt Jagd auf Feuersünder machen. Sie will reden und notfalls verwarnen. Wer allerdings zu einer Feuersbrunst verursacht, muss mit sehr schweren Konsequenzen rechnen.

Trockenheit: Die Gewinner und die Verlierer

Trockenheit: Die Gewinner und die Verlierer (25. Juli)

Die anhaltende Trockenheit hat für die Landwirtschaft nicht nur ihr Schlechtes. Einige Berufsstände freuen sich sogar über den wenigen Regen.