2. Wahlgang

Die vier Aargauer Ständerats-Kandidierenden im Überblick: Wo sie sich einig sind und wo gar nicht

Am 24. November entscheidet die Aargauer Bevölkerung, welche beiden Personen in den nächsten vier Jahren unseren Kanton im Ständerat vertreten. Die AZ zeigt, wo sie sich gesellschafts-, sicherheits- und aussenpolitisch voneinander unterscheiden.

In 12 Tagen wissen wir, wer den Kanton Aargau in den nächsten vier Jahren im Ständerat vertreten wird. Beide Sitze sind zu vergeben, da Pascale Bruderer (SP) und Philipp Müller (FDP) beide nicht mehr antreten. Doch wen soll man wählen? Vier Kandidierende buhlen um die Wählergunst. In alphabetischer Reihenfolge sind dies Marianne Binder (CVP), Thierry Burkart (FDP), Hansjörg Knecht (SVP), und Ruth Müri (Grüne).

Eine Möglichkeit zu sehen, wie sie politisieren und wie sie sich unterscheiden, ist der Blick auf den sogenannten Politspider, die Sie in der folgenden Bildergallerie finden.

 In der Schweiz gibt es von den meisten Politikern zwei Spider: Einer stammt von Smartvote, der andere von Vimentis. Die AZ arbeitet mit Vimentis zusammen. Deshalb publizieren wir hier diese Spider, basierend auf 73 Fragen aus verschiedenen Themenbereichen. Die AZ hat den Kandidierenden vier Fragen zusätzlich gestellt (vgl. die Antworten am Ende des Artikels).

Alle vier für Impfpflicht im Kindergarten

Zwischen der grünen Kandidatin und dem Bewerber der SVP sind die inhaltlichen Differenzen am grössten. Es gibt wenig Themen, bei dem sie sich einig sind. Noch schwieriger ist es, ein Thema zu finden, bei dem alle vier übereinstimmen. Es gibt sie aber. Alle vier sind für eine Impfpflicht im Kindergarten, wobei Burkart und Knecht diese sehr, Binder und Müri sie eher befürworten.

Ja oder eher ja sagen alle vier auch zu einer Zulassung von Parallelimporten für Medikamente. Einig sind sich Knecht, Müri und Burkart zudem, dass in allen Kantonen als erste Fremdsprache eine andere Landessprache gelehrt werden soll. Binder passt hier, das sei Sache der Kantone.

Erstaunlicherweise fast einig sind sich die vier Kandidierenden aber in einem Thema, das im Aargau besonders hohe Wellen wirft. Es geht um die Frage, ob der Grundbedarf für den Lebensunterhalt der Sozialhilfe gesenkt werden soll. Die Regierung muss das im Auftrag des Grossen Rates prüfen. Müri und Binder wollen davon nichts wissen, Burkart lehnt die Senkung eher ab, Knecht steht neutral dazu.

Unentschieden bei Ganzkörperverschleierung

Müri steht am öftesten allein mit ihren Antworten. Während Burkart und Knecht Angestellten im öffentlichen Dienst mit Kontakt zur Bevölkerung das Tragen von religiösen Symbolen wie Kruzifixe, Kippas, Kopftücher etc. verbieten wollen, lehnt Müri das völlig ab. Binder ist unter dieser Prämisse für ein Verbot für Kopftücher. Kippas oder Kruzifixe sollen erlaubt bleiben. Genau gleich ist Bild bei der Frage, ob bei Kriminaldelikten vermehrt kurzzeitiger Freiheitsentzug anstelle von gemeinnütziger Arbeit oder Geldstrafen ausgesprochen werden soll. Die drei Bürgerlichen stimmen voll zu, Müri lehnt das ebenso deutlich ab.

Müri: Allein mit Nein zu neuen Kampfjets

Ein Unentschieden gibt es in der Frage eines möglichen Verbots der Gesichts- und Ganzkörperverschleierung. Binder und Knecht stimmen voll zu. Burkart lehnt so ein Verbot eher ab, Müri lehnt es gänzlich ab.

Keine Überraschung dürfte da sein, dass Müri als einzige einen neuen Kampfjet mit Fliegerabwehr für acht Milliarden Franken ablehnt, und dass die drei Bürgerlichen so eine Beschaffung klar befürworten.

In der Frage der Ausländerintegration sind sich Binder und Müri dafür öfter näher. So ist Müri sehr und Binder eher dafür, mehr Flüchtlinge direkt aus Krisengebieten aufzunehmen. Burkart und Knecht wollen davon nichts wissen. Dafür sind diese beiden klar für den Ausbau von Grenzkontrollen insbesondere im Bahnverkehr, was Binder eher und Müri ganz ablehnt.

Allein steht Müri aber wieder, wenn es darum geht, ob die Schweiz staatliche Entwicklungshilfe an die Rücknahme abgewiesener Asylbewerber durch ihre Herkunftsländer koppeln soll. Burkart und Knecht fordern dies, Binder ist auch eher dafür, Müri lehnt das ab.

Kündigungsinitiative: hier steht Knecht allein

Zur Aussenpolitik beantworten alle vier nebenstehend die Frage zum EU-Rahmenabkommen. Die erneute Kohäsionsmilliarde wollen Burkart und Binder eher, Knecht bestimmt an Bedingungen knüpfen, sodass die EU auf diskriminierende Massnahmen gegen die Schweiz verzichten muss (Gewährleistung der Börsenäquivalenz).

Müri lehnt diese Verknüpfung eher ab. Wenn es um die Begrenzungsinitiative der SVP geht, ist Knecht allerdings der einzige Befürworter. Die anderen fürchten bei einer Kündigung der Personenfreizügigkeit aufgrund der Guillotine-Klausel um die bilateralen Verträge.

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