Regierungsratswahl

Die verpasste Chance der FDP

Die Delegierten der FDP bekommen ein Zweiterticket vorgesetzt.

Eine so gute Gelegenheit wie jetzt, im Aargau einen zweiten Regierungssitz zu erobern, bietet sich der FDP nicht mehr so schnell. Die SVP ist nach dem Debakel mit Franziska Roth angeschlagen und wird doppelt überzeugen müssen, um ihren zweiten Sitz in der Exekutive verteidigen zu können. Links-Grün wiederum hat es im bürgerlich geprägten Aargau generell schwer, in einer Majorzwahl um nur einen Sitz zu reüssieren. Trotz derzeitigem Aufwind dank Klimadebatte.

Umso mehr erstaunt die nun eingeschlagene Strategie des Freisinns. Statt sich auf nur eine Kandidatin zu konzentrieren, der man die besten Chancen einräumt, ja, in der jetzigen Ausgangslage am besten eine Frau, setzt die Parteispitze auf ein Zweierticket zuhanden der Delegiertenversammlung.

Das überzeugt nicht. Erstens ist es nicht wirklich eine Auswahl. Dem weitgehend unbekannten Boniswiler Ammann und Neu-Grossrat Gérald Strub werden nicht mal intern reale Chancen eingeräumt. Und wenn die FDP schon an die talentierte, aber für ein Regierungsamt noch recht junge Kandidatin Jeanine Glarner glaubt, hätte sie ihr schon jetzt das Vertrauen aussprechen können. So verliert die am rechten Parteiflügel politisierende FDP-Frau bis zum Entscheid Mitte August nur unnötig Zeit im eh schon kurzen Wahlkampf.

Für SP, SVP und vielleicht sogar CVP ist das Zweierticket der FDP eher eine gute Nachricht. Sie können sich mit einer profilierten Einerkandidatur wieder Vorteile zurückerkämpfen. Die Favoritenrolle im Rennen um die Roth-Nachfolge ist die FDP jedenfalls vorläufig los.

Autor

Rolf Cavalli

Rolf Cavalli

Meistgesehen

Artboard 1