Kriminalität

Die Überfälle auf Tankstellenshops häufen sich

Ein maskierter Räuber erbeutet in Wettingen mehrere tausend Franken bei einem Überfall auf einen Tankstellenshop. Die Zahl der Überfälle steigt, die Angst bei Mitarbeitenden nimmt ebenfalls zu. Dagegen ausrichten lässt sich wenig.

Die beiden Angestellten des «avec»-Tankstellenshops in Wettingen sind um 20.15 Uhr mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt, als plötzlich ein Räuber mit einer Sturmhaube maskiert vor der Kasse steht: Er bedroht die Verkäuferin und will Geld. Sie gehorcht, worauf der Täter mit mehreren tausend Franken flüchtet. Der 180 Zentimeter grosse Räuber entkommt unerkannt.

Dieser jüngste Überfall, der sich am Donnerstagabend abgespielt hat, ist bereits der vierte auf einen Aargauer Tankstellenshop in drei Monaten. In der Branche sind Raubüberfälle ein grosses Thema. Sprecher grosser Erdölbetriebe bestätigen der az, dass eine Zunahme von Überfällen auf Tankstellenshops ersichtlich ist. Niklaus Boss, Geschäftsführer der Erdölvereinigung, sieht die Zunahme prinzipiell als «weitere traurige Entwicklung unserer Gesellschaft»: «Wir sind praktisch machtlos. Überfälle auf Shops scheinen zum Berufsrisiko unserer Branche zu gehören», sagt er.

Wenig Bargeld in Shops

Doch warum sind bei Räubern Tankstellenshops derart beliebt? Warum Tankstellenshops, in denen sich Räuber im Vergleich zu Banküberfällen nur mit wenig Bargeld bereichern können? Betroffene und Branchenkenner sind sich einig: «Ein Überfall auf einen Tankstellenshop ist vergleichbar mit anderen Überfällen einfach zu begehen und grundsätzlich innert Sekunden verübt», sagt Ramon Werner, Geschäftsführer von BP Schweiz. Dies weiss auch Daniel Hofer, Geschäftsführer des Migros-Unternehmens Migrol: «Häufig stehen die Shops auch an Standorten mit günstigen Fluchtwegen. Das zieht offenbar Räuber an.»

Überfälle sind kaum vermeidbar

Doch wie lassen sich Shop-Überfälle vermeiden? Werner glaubt, dass erhöhte Präsenz der Polizei sowie eine harte Strafverfolgung überführter Täter notwendig ist. «Einerseits offerieren wir Polizisten teilweise Gratis-Kaffee, um die Präsenz sicherzustellen. Andererseits wünschen wir uns, dass ein Überfall ohne Personenschaden nicht als Kavaliersdelikt angesehen wird.» Die Polizei entgegnet dazu: «Wir lassen die Shops natürlich nicht ausser Acht. Aber wir sind personell nicht in der Lage, solche Präventionsfahrten durchzuführen», sagt Polizei-Sprecher Bernhard Graser.

In den letzten Jahren haben Tankstellenshop-Betreiber zumindest mit Sicherheitsmassnahmen stark aufgerüstet. Kameras überwachen den Shop und Messstreifen messen beim Shop-Eingang die Körpergrösse, die bei Ermittlungen der Polizei nützlich sein könnte.

Grosse Umsätze werden abgeschöpft

Ein weiterer Schutz: Moderne Kassen zeigen den Verkäuferinnen den Tagesumsatz an, sobald dieser den Betrag von 1500 Franken übersteigt. Ist dies der Fall, sollte die Angestellte bis zu einem gewissen Grundstock das Geld in einen Tresor abschöpfen, der selbst für Mitarbeitende nicht zu öffnen ist. Das bestätigt BP-Geschäftsführer Werner. Ausserdem würden Shop-Mitarbeitende regelmässig geschult, wie mit schwierigen Kunden oder gar Räubern umzugehen sei.

Bei Verkäuferinnen geht trotz erhöhter Sicherheit vermehrt die Angst um. «Es stimmt schon nachdenklich, wenn man immer häufiger von Überfällen liest. Ich hoffe, dass ich niemals so etwas erleben muss», bangt eine Verkäuferin in einem Shop im Bezirk Aarau. Deshalb den Job wechseln, will sie aber nicht: «Mir kommen die Arbeitszeiten sehr entgegen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1