Tierschutzverein
«Die Tierschutzfälle im Aargau werden immer schlimmer»

«Es sind nicht mehr Tierschutzfälle, dafür sind sie gravierender geworden», fasst Astrid Becker, Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins (ATs), das Jahr 2012 zusammen. Was dem ATs besonders zu schaffen macht, sind die vielen Verzichtsfälle.

Roman Huber
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Gestalt und Haltung sagen einiges über den Zustand des vernachlässigten Hundes aus.

Gestalt und Haltung sagen einiges über den Zustand des vernachlässigten Hundes aus.

Als Beispiel nimmt sie die auf den Fotos abgebildete Mischlingshündin, die in bedenklichem Zustand, völlig abgemagert und menschenscheu, im Tierheim landete.

Das Tier habe sich zwar erstaunlich rasch erholt, erzählt Tierheimleiterin Anita Gasser. Was es aber durchgemacht hat, werde nicht spurlos an ihr vorübergehen. Becker stört sich an den vergleichsweise harmlosen Strafen – wenn die Tierschutzvergehen überhaupt geahndet würden. «Wir sind machtlos, denn wir haben kein Verbandsbeschwerderecht. Und ohne Tieranwalt ist es ohnehin schwierig, etwas zu erreichen», erklärt Becker.

Die Tierschutzfälle sind nur ein Teilbereich. Was dem ATs besonders zu schaffen macht, sind die vielen Verzichtsfälle. «Oft werden Hunde übers Internet bestellt, entsprechen dann nicht den Vorstellungen der Besitzer, die sie wieder loswerden wollen», sagt Becker. Dann sind es auch Junghunde, die in ein schwieriges Alter kommen und plötzlich nicht mehr erwünscht sind, weil man die Geduld nicht aufbringt.

Bei Katzen mehr Aufwand

Bei der Vermittlung wird es laut Becker zusehends schwieriger, für mittlere bis grosse Hunde neue Besitzer zu finden. Ist noch eine Rasse involviert, die auf der Liste steht, dann werde es fast unmöglich. «Auch die Katzenfälle sind gröber geworden», erzählt Becker. Trauriges Beispiel ist Percy, ein halbjähriger «Tiger», den ein junges Pärchen dem Nachtdienst des Tierheims überbracht habe. Es war mit dem Hund beim Hertenstein unterwegs, als dieser neben dem Weg an einem verschlossenen Jutesack schnupperte, der sich plötzlich bewegte. Drin war ein völlig verängstigter, klatschnasser Jungkater. Der Täter konnte nicht ermittelt werden.

Bei den Katzenfällen ist auch der Aufwand gestiegen, denn alle Katzen werden auf den Leukose-Erreger getestet, geimpft und gechipt. Präsidentin Becker betont einmal mehr, dass der ATs am finanziellen Limit arbeite. Zudem müssten beim Tierheim dringend neue Hundeboxen, ein Katzenaussengehege und eine Kleintieranlage eingerichtet werden.

306 gemeldete Tierschutzfälle

Bei den vernachlässigten Katzenbeständen verzeichnete der ATs gegenüber dem Vorjahr (751) eine Steigerung auf 880 Katzen. 306 (323) Tierschutzfälle wurden gemeldet, wovon 114 (111) an den Veterinärdienst weitergeleitet. Von den 2256 (2145) betroffenen Tieren waren es 247 (259) Hunde, 211 (173) Katzen, 413 (359) Nager, 144 (609) Vögel, 119 (161) Pferde und Esel, 938 (453) Nutztiere, 80 (32) Wildtiere.
Der ATs nahm 10 600 (10 300) telefonische Anfragen entgegen, beantwortete über 7200 E-Mails. Mit der kantonalen Meldestelle und der Schweizerischen Tiermeldezentrale wurden 836 (629) Findeltiere und 1352 (1243) vermisste Tiere registriert.
Tierschutz-Spendenkonto:
Postcheck 50 -2006-2