Grosser Rat
Die SVP lobt die Aargauer Regierung für ihre Coronapolitik – dafür hagelt es Kritik

An der Sitzung des Grossen Rats zeigt sich die SVP in einer Erklärung erfreut über das Handeln des Aargauer Regierungsrats. Dieser solle dem aktuellen Druck aus Bern bezüglich der Coronamassnahmen nicht nachgeben. Politiker aus anderen Parteien sind entsetzt.

Alessandro Crippa
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Désirée Stutz, Fraktionschefin der SVP im Grossen Rat.

Désirée Stutz, Fraktionschefin der SVP im Grossen Rat.

Severin Bigler

Der Grosse Rat trifft sich ein zweitletztes Mal im Corona-Jahr 2020 (mehr dazu im Liveticker). Und Corona ist bereits zu Beginn der Sitzung Thema. Das Wort hat Désirée Stutz. Die Fraktionschefin liest eine Erklärung der SVP vor. Sie dankt dem Regierungsrat für den «umsichtigen Umgang» mit der Coronasituation. Sofort geht ein Raunen durch den Saal. Und fast gleichzeitig entflammt eine Diskussion auf Twitter.

Die SVP-Fraktionschefin sagte, der Bund übe Druck aus, obwohl die Massnahmen wirkten. Es sei zu erwarten, dass über die Festtage, wenn die Arbeit und die Schule ruhen, die Ansteckungen zurückgehen. «Es wäre falsch, jetzt in Panik zu verfallen», sagt Stutz. Gesellschaft und Wirtschaft sollen so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig mit Massnahmen belastet werden.

«Im falschen Film» und «fassungsloses Schweigen»

Das sehen viele Aargauer Politiker anders. FDP-Grossrat Titus Meier aus Brugg twittert beispielsweise, dass er sich im falschen Film wähne.

Auch Claudia Rohrer von der SP sieht das anders, wie sie schreibt. Sie schweige «fassungslos»:

Rohrers Parteikollegin Lelia Hunziker ist ebenfalls nicht gut auf die Erklärung der Volkspartei zu sprechen. Sie kritisiert zudem Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (SVP) für seine Politik. Hunziker findet, dass die Eigenverantwortung nicht funktioniere.

Die Situation in den Spitälern ist nicht tragisch, sagt die SVP

Weiter fordert die SVP die Regierungsräte auf, weiterhin Augenmass zu behalten und dem Druck aus dem Bundesrat entgegen zu halten. Auch sei die Situation in den Spitälern nicht ganz so tragisch, hätten die Verantwortlichen dort doch genügend Zeit, sich mit den Medien abzugeben, so Stutz. Auch die bürgerliche Partei meldet sich noch auf Twitter – gleich zweimal mit der Erklärung, die Stutz verlesen hat.

Der doppelte Twitter-Eintrag der SVP Aargau.

Der doppelte Twitter-Eintrag der SVP Aargau.

twitter.com

Zu guter Letzt macht sich ein Nicht-Politiker über den Aargauer Regierungsrat und seine Corona-Politik lustig – Dominic Deville. Der Satiriker hat ebenfalls auf Twitter gepostet und freut sich darüber, dass es nun einen neuen Aargauer Witz gibt. «Der Kanton Aargau zögert mit Verschärfungen der Massnahmen – klar, wenn man die dritte Welle schon im Wappen hat.» Lelia Hunziker gefällt das – sie hat den Beitrag ebenfalls gepostet.