Der Rücktritt von Franziska Roth habe sie nicht wirklich überrascht, sagt SP-Nationalrätin Yvonne Feri am Donnerstagmorgen. Auf Anfrage bestätigt Feri, dass sie das Regierungsratsamt nach wie vor interessiere. Die Sozialdemokratin trat schon 2016 an und unterlag Roth im zweiten Wahlgang. Bei der anstehenden Wahl um die Roth-Nachfolge werden Feri grössere Chancen zugerechnet. «Ich will mich aber noch nicht für oder gegen eine Kandidatur festlegen», sagt sie. Ohnehin müssten zuerst die internen Prozesse abgewartet werden.

Diese seien bereits angelaufen, bestätigt SP-Präsidentin Gabriela Suter, die schon am Mittwoch eine gemeinsame Kandidatur mit Grünen und GLP angedeutet hatte. Bis klar ist, ob und wen die SP aufstellen wird, dauert es noch rund zwei Monate mehr. Man plane einen ausserordentlichen Parteitag für den 13. August, sagt Suter. Allerdings werde sie am nächsten ordentlichen Parteitag von morgen Samstag ihre Mitglieder über das weitere Vorgehen informieren. Sie bestätigt, dass mit Grünen und GLP Gespräche geführt werden.

Grüne entscheiden am 4. Juli

Mit der SP diskutiere man, welches Vorgehen am ehesten zum Erfolg führe, sagt Grünen-Präsident Daniel Hölzle. Bereits für den 4. Juli haben die Grünen einen ausserordentlichen Parteitag angesetzt. Dann werden die Mitglieder entscheiden, ob sie eine Kandidatin oder einen Kandidaten ins Rennen schicken und wer das sein wird. Es gebe Interessenten, sagt Hölzle, Namen nennt er aber keine. Wollen die Grünen auf eine Frau setzen, wird es schwierig. Grossrätin Ruth Müri tritt als Ständeratskandidatin an und Nationalrätin Irène Kälin winkt bereits ab.

Die Grünliberalen entscheiden heute Freitag an einer Mitgliederversammlung über eine Kandidatur. GLP-Präsident Beat Hiller geht davon aus, dass in diesem Fall eine Frau aufgestellt wird. Namen nennt er keine, aber Kriterien, die eine Kandidatin erfüllen sollte: Sie muss mit dem Kanton und dessen Themen vertraut sein, auch den Grossen Rat kennen und idealerweise dort politisieren. Die beiden GLP-Grossrätinnen sind Ratspräsidentin Renata Siegrist und Fraktionschefin Barbara Portmann. Hiller sagt, eine Klimaallianz mit SP und Grünen sei ein Thema. Gespräche mit den Links-Parteien würden in den nächsten Tagen geführt.

Wer bekommt den Platz von Franziska Roth?

Wer bekommt den Platz von Franziska Roth?

Tele-M1-Beitrag vom Donnerstagabend zum Kandidatenkarussell, das sich zu drehen beginnt.

BDP-Grossrätin Maya Bally ist 2016 im zweiten Wahlgang Franziska Roth unterlegen. Jetzt kandidiert sie für den National- und den Ständerat. Eine Kandidatur für den Regierungsrat überlege sie sich erst, wenn sie parteiübergreifende Unterstützung erhalten würde, sagt Bally. Dürfte sie wünschen, würde sie das Amt als Regierungsrätin wohl vorziehen. «Es wäre sinnvoll, zu diskutieren, wer sich am besten für das Amt eignet, statt die Parteifarbe in den Vordergrund zu stellen», sagt Bally.

Auch die EVP, die mit der BDP für die Nationalratswahlen eine Listenverbindung eingegangen ist, überlegt sich eine Kandidatur. «Die Parteien sind nun gefordert, EVP inklusive, rasch zu handeln und geeignete Personen für dieses wichtige Amt zu finden», heisst es in einer Mitteilung. Als mögliche Kandidatinnen kämen EVP-Co-Präsidentin Therese Dietiker und Grossrätin Lilian Studer infrage.

CVP und FDP gehen auf Distanz

Vor drei Jahren hatte die FDP offiziell Franziska Roth zur Wahl empfohlen, die CVP hatte den Anspruch der SVP auf den zweiten Regierungssitz anerkannt, aber Stimmfreigabe beschlossen. Nun gehen beide auf Distanz. FDP-Präsident Lukas Pfisterer sagt: «Wir werden in der Parteileitung alle Optionen besprechen: selber antreten, erneut eine SVP-Kandidatur unterstützen oder eine andere Variante.» Über eine allfällige FDP-Kandidatur würde ein Parteitag nach den Sommerferien entscheiden. Als mögliche Kandidaten gelten Gesundheitsspezialist Daniel Heller und Fraktionschefin Sabina Freiermuth. Pfisterer sagt: «Es ist noch viel zu früh, über Namen von möglichen FDP-Kandidatinnen oder -Kandidaten zu sprechen.»

Die CVP, die mit Markus Dieth im Regierungsrat vertreten ist, werde sich nächste Woche aussprechen, sagt Marianne Binder. Ob sich die Partei auch ins Rennen begibt, lässt die Parteipräsidentin offen. Auf die Nachfrage, ob ihre 12-Prozent-Partei denn überhaupt einen Anspruch sieht für einen zweiten Sitz im Gremium, sagt sie: «Der Wähleranteil ist sicher ein überzeugendes Argument. Ich sage nicht, dass es nun nicht mehr gilt. Nur: Wenn man es so verspielt, dann darf nach diesem Debakel mit SVP-Regierungsrätin Franziska Roth schon klar daran erinnert werden, dass immer noch als erste Eigenschaft bei einer Nomination Kompetenz kommt.»

Und da hätte die CVP laut ihrer Präsidentin gerade im Gesundheits- und Sozialbereich einiges an Expertentum zu bieten. Namen von möglichen Kandidaten nennt Binder selber keine. Neben der langjährigen Nationalrätin Ruth Humbel traut man in der CVP die Regierungsaufgabe auch Grossrats-Vizepräsidentin und Spitalverbands-Präsidentin Edith Saner sowie Grossrat Andre Rotzetter zu.