Strengelbach
Die Strengelbacher zeigen Bisherigen die Rote Karte

Die drei bisherigen Gemeinderäte Hans-Rudolf Baumann, Roger Bertschi und Marcel Lerch wurden nicht gewählt. Das gesamte Gremium wird neu bestellt. Eine ausergewöhnliche Situation, aber durchaus kein Chaos.

Corinne Wiesmann
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Die Bisherigen Strengelbacher Gemeinderäte wurden vom Souverän abgestraft.

Die Bisherigen Strengelbacher Gemeinderäte wurden vom Souverän abgestraft.

«Ich bin enttäuscht über den Wahlausgang», schreibt Hans Rudolf Baumann (FDP) in seiner Stellungnahme zu den Gemeinderatswahlen. Der bisherige Gemeinderat und Gemeindeammann-Kandidat wurde nicht gewählt. Mit 331 Stimmen erzielt Baumann das zweitschlechteste Resultat. Nur der parteilose Matthias Schweizer erhielt weniger Stimmen.

Er akzeptiere den Entscheid des Souveräns, hält Baumann fest. «Die Wähler von Strengelbach haben nun ihre Exekutive gewählt, die sie verdient haben», so Baumann. Auch die anderen bisherigen Gemeinderäte werden für die Amtsperiode 2014/17 nicht mehr in der Exekutive Einsitz nehmen.

Marcel Lerch (CVP) und Roger Bertschi (parteilos) erreichten das absolute Mehr nicht. «Ich bin sehr enttäuscht», sagt Marcel Lerch. «Ich hätte gerne als Gemeinderat weitergemacht und meine beruflichen und politischen Erfahrungen eingebracht.» Auch wenn es sehr aussergewöhnlich sei, dass fünf neue Gemeinderäte auf einmal gewählt werden, akzeptiere er den Entscheid des Souveräns.

Ähnlich tönt es bei Bertschi, der neben der Wiederwahl in den Gemeinderat auch jene in die Schulpflege verpasste (siehe Box). «Es war eines der Szenarien, mit dem ich rechnen musste», sagt Bertschi. «Aber dass es so klar ausfällt, habe ich nicht erwartet.» Die Enttäuschung sei zweifelsohne da.

Schulpflege

Eine Niederlage muss der bisherige Roger Bertschi auch bei der Schulpflege hinnehmen. Er wurde nicht wiedergewählt. Von den sechs Kandidaten, die sich für die fünf Sitze in der Schulpflege angemeldet hatten, wurden Susan Graber (SVP, neu), Daniel Wüthrich (SVP, bisher), Jasmin Barbara Tschamper (parteilos, neu), Roger Lussi (CVP, bisher) und Sabrina Limacher (parteilos, neu) gewählt. (CWI)

Überrascht vom deutlichen Resultat

Im neu bestellten Gremium vertritt Karin Nauer die CVP. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so deutlich herauskommt», sagt sie. Sie sei von einem 2. Wahlgang ausgegangen. Über ihr gutes Resultat freut sich die CVP-Politikerin. Die neue Zusammensetzung des Gemeinderats werde eine Herausforderung, glaubt sie. «Wir sind alle neu und können kein Wissen aus der letzten Amtsperiode mitnehmen.»

Neben Nauer zieht das Vierer-Paket aus SP, SVP und Freien Wählern in den Gemeinderat ein. SVP-Präsident Stephan Wullschleger kann mit 799 Stimmen das beste Resultat vorweisen. Die Deutlichkeit des Wahlausgangs habe ihn überrascht. «Ich dachte, der Bisherigen-Bonus würde grösser gewichtet», sagt er. Das Volk habe eine Auswahl an Kandidaten, eine Alternative zu den Bisherigen gewünscht, deshalb sei das Vierer-Paket entstanden.

«Dieser Wunsch spiegelt sich nun im Resultat wieder», meint Wullschleger. Hinter ihm erreichte Marco Hauri (SP) ebenfalls ein gutes Resultat. Auch er ist vom deutlichen Ausgang überrascht. «Nun sollten alle fünf Gewählten zusammensitzen und miteinander entscheiden, wie es weitergeht», findet Hauri. «Damit wir gemeinsam das Beste für Strengelbach erreichen können.» Komplettiert wird der neue Gemeinderat durch Doris Lerch-Bolt (SVP) und Walter Schläfli (freie Wähler). Offen ist noch, wer Gemeindeammann und wer Vizeammann wird.

Kommentar von Corinne Wiesmann: Zu viel Geschirr zerbrochen

Jedes Szenario war im Zusammenhang mit den Gemeinderatswahlen in Strengelbach denkbar. Mit neun Kandidaten bot sich den Stimmbürgern eine grosse Zahl an Möglichkeiten bei der Zusammensetzung des Gremiums. Nun ist der Entscheid gefallen. Und der Strengelbacher Souverän hat den drei bisherigen Gemeinderäten, die sich zur Wiederwahl stellten, die Rote Karte gezeigt und sie abgewählt.

Das Vertrauen in die bisherige Behörde war erschüttert. Das Volk wollte einen Neuanfang. Auch der Gemeindeammann und der Vizeammann, die nicht mehr zur Wahl antraten, müssen einen Teil dieses Misstrauens mitverantworten. Zu oft wurden Machtkämpfe und Diskussionen öffentlich ausgetragen, anstatt sie gütlich in den zuständigen Gremien auszutragen. Kurz gesagt, es wurde zu viel Geschirr zerbrochen.

Für Strengelbach ist es gut, dass die Wahlen bereits im ersten Umgang entschieden wurden. Nun kann und muss Ruhe einkehren. Der neu bestellte Gemeinderat bietet die Chance, aus dem zuletzt verzankten Gremium wieder eine funktionierende Behörde zu formen, für die das Kollegialitätsprinzip kein Fremdwort ist.

An Arbeit wird es den nun gewählten Gemeinderäten nicht fehlen. Die finanzielle Situation der Gemeinde sowie die Umwandlung des Elektrizitätswerks in eine AG, der Bau der Sporthalle oder der Gemeindesaal sind nur einige Projekte, um die es sich in den kommenden Monaten und Jahren zu kümmern gilt. Man darf gespannt sein, ob die fünf Neuen aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt haben.

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