Wahlen AG 2019

Die SP will von der «Grünen Welle» profitieren

Die SP könnte dank der Listenverbindung mit den Grünen einen dritten Sitz holen.

Die SP könnte dank der Listenverbindung mit den Grünen einen dritten Sitz holen.

SP und Grüne haben sich für die Wahlen zusammengetan. Die Grünen werden ihren Sitz wohl behalten, der mögliche Sitzgewinn der links-grünen Listenverbindung wird aber eher an die SP gehen.

Es ist schon fast der Normalfall, dass die SP und die Grünen für ihre Wahlkämpfe Listenverbindungen eingehen. Es macht, vor allem thematisch, auch Sinn: Legt man die Spiderdiagramme der beiden Parteien übereinander, sieht man, wie minim die Unterschiede in den Haltungen sind.

Beide Parteien setzen sich für die soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Umweltschutz ein, stellen sich aber gegen ein strenges Rechtssystem oder eine strikte Ausländerpolitik.

So gehen sie auch für die Wahlen vom 20. Oktober gemeinsam in den Wahlkampf und haben dazu, wie 2015, die Piratenpartei mit an Bord geholt. Diese hat vor vier Jahren 0,63 Stimmenprozente geholt. Die «Integrale Politik», die damals das Quartett komplettierte, tritt in diesem Jahr nicht an.

Grüne gewinnen, für den zweiten Sitz braucht es aber mehr

Zum Erreichen eines Sitzes sind im Aargau, bei 16 Nationalratssitzen, rund 6 Prozent Stimmenanteil nötig. Die SP hatte 2015 16,08 Prozent erreicht, die Grünen rund 5,5, was im schweizweiten Vergleich unterdurchschnittlich war.

Sie hätten es also allein nicht geschafft, den Sitz zu holen. Heute aber steht es um die Grünen besser als damals. Mit der Aufmerksamkeit für die Klimakrise kam die «Grüne Welle». Die Partei erreichte in den letzten zwei Jahren bei kantonalen Wahlen meistens sehr gute Resultate.

Laut letztem SRG-Wahlbarometer soll der Erfolg vorerst anhalten, für die Grünen wird ein Wähleranteil von 10,6 Prozent vorhergesagt, das entspricht einem Plus von 3,4 Prozentpunkten. Im Aargau kämen sie somit auf 8,9 Prozentpunkte. Das sichert zwar den Sitz, für einen zweiten reicht es aber wahrscheinlich nicht.

SP könnte den dritten Sitz im Nationalrat holen

Dafür könnte die SP vom Erfolg der Grünen profitieren, insbesondere, weil es nicht ihre Wählerinnen und Wähler sind, welche jetzt zu den Grünen abwandern, wie das in früheren Jahren öfter der Fall gewesen ist.

Die Sozialdemokraten hatten vor vier Jahren Pech, ihre 16 Prozent Wähleranteil reichten knapp nicht für den dritten Sitz. Laut Wahlbarometer dürfte sich der Anteil in diesem Jahr auf dem gleichen Niveau halten und lediglich um 0,1 Prozentpunkte abnehmen.

Somit würden Grüne und SP zusammen auf knapp 25 Prozent Wähleranteil kommen – und damit vier Sitze besetzen, wovon drei an die SP gehen könnten.

Diese tritt mit der prominenteren Liste als die Grünen an. Yvonne Feri und Cédric Wermuth sind beide seit 2011 im Nationalrat, wurden 2015 klar wieder gewählt und treten jetzt beide wieder an.

Feri erreichte vor vier Jahren am meisten Stimmen bei der SP. Wermuth ist zudem im Wahlkampf, den er vor allem als Ständeratskandidat führt, omnipräsent. Selbst wenn beide Bisherigen wieder gewählt werden, stehen die Chancen für die dritte Person auf der Liste, Parteipräsidentin Gabriela Suter, bestens, den Sprung in den Nationalrat zu schaffen.

Falls Wermuth in den Ständerat gewählt wird, würde zudem jemand weiteres nachrücken. Namen drei und vier auf der SP-Hauptliste sind Simona Brizzi und Florian Vock.

Weniger klar ist die Situation bei den Grünen. Einerseits fehlen die erfahrenen Köpfe und andererseits ist ihre bisherige Nationalrätin Irène Kälin erst im November 2017 für den zurückgetretenen Jonas Fricker nachgerückt.

Ihm war sie 2015, obwohl vom ersten Listenplatz aus gestartet, unterlegen. Angesichts der guten Prognosen für die Grünen und der Tatsache, dass Kälin als Bisherige antritt, dürfte ihrer Wiederwahl jedoch kaum etwas im Weg stehen.

Schwieriger wird die Wahl für Grossrätin Ruth Müri, die auf dem zweiten Listenplatz und zusätzlich als Ständeratskandidatin antritt. An dritter Stelle darf sich Grossrätin Kim Schweri zumindest ein anständiges Resultat, wenn auch kaum die Wahl, erhoffen.

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