Regierungsratwahlen

Die SP geht mit Dieter Egli in den Wahlkampf – Franziska Graf und Marco Hardmeier geben auf

Marco Hardmeier, Franziska Graf-Bruppacher, Dieter Egli.

Marco Hardmeier, Franziska Graf-Bruppacher, Dieter Egli.

Wer soll für die SP Aargau in den Regierungsrats-Wahlkampf ziehen? Der erste Wahlgang vom Samstag brachte zwar keine Entscheidung, doch Franziska Graf-Bruppacher und Marco Hardmeier ziehen ihre Konsequenzen und steigen aus dem Rennen aus. Damit steigt die SP mit ihrem Fraktionschef Dieter Egli in die Regierungsratswahlen.

Der erste Wahlgang der SP Aargau zur Nomination für die Regierungsratskandidatur brachte eigentlich noch keine Entscheidung. Glaubte man am Samstag.

Keiner der drei Kandidierenden, Dieter Egli, Franziska Graf und Marco Hardmeier, erreichte nämlich das absolute Mehr. Dieter Egli fehlte nur gerade eine Stimme. 224 Delegierte nahmen an der brieflichen Ausmarchung teil, das absolute Mehr betrug damit 113 Stimmen, Egli erreichte 112. Die Zweitplatzierte Franziska Graf konnte 76 Delegierte überzeugen; abgeschlagen, mit 35 Stimmen, machte Marco Hardmeier den dritten Platz. Eine Stimme ging an jemand anderen als die drei offiziellen Kandidaten. War es jene, die Egli vorerst fehlte? Spekulieren kann man darüber, eine Rolle spielt es nicht mehr. Aber das sollte sich erst am Sonntag zeigen.

Die Kandidierenden hätten bis heute Montagmorgen Zeit gehabt, um zu entscheiden, ob sie auch für den zweiten Wahlgang vom 15. Mai antreten. Gestern Mittag schon teilten aber sowohl Marco Hardmeier als auch Franziska Graf mit, dass sie verzichten. Damit ist der 49-jährige Co-Fraktionspräsident im Grossen Rat, Dieter Egli, der einzige verbleibende Kandidat. «Ja, ich stehe zur Verfügung», sagt er auf Anfrage. Zwar muss er sich auch noch von den Delegierten wählen lassen, das dürfte aber nur noch eine Formsache sein und die SP mit Dieter Egli schliesslich in den Wahlkampf ziehen.

Egli: «Das Frauenthema bleibt ein Dilemma für die SP»

Der Favorit sei am Samstag bestimmt worden, Egli habe den grössten Rückhalt, deshalb würden sie zurückziehen, sagen Graf und Hardmeier. «Die SP-Delegierten haben von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht und ein klares Statement abgegeben. Dieses gilt es vollumfänglich zu respektieren», schreibt Marco Hardmeier in einer Mitteilung an die Medien. Und Franziska Graf hält fest: «Unsere Delegierten waren sich ihrer Aufgabe und Verantwortung bewusst und haben derjenigen Person ihre Stimme gegeben, die sie im Regierungsrat sehen möchten.» Sie fordere ihre Unterstützerinnen und Unterstützer auf, es ihr gleichzutun und den SP-Favoriten im eigentlichen Wahlkampf zu unterstützen. Geknickt, dass sie die Nomination nicht geschafft hat, sei sie für sich persönlich nicht, sagt Graf auf Anfrage.

Mit der Aarauer Stadträtin Franziska Graf hätten die Delegierten indes die einzige Chance gehabt, eine Frau zu nominieren. Dazu gibt Graf kein Statement ab. Das Dilemma ist aber auch Dieter Egli bewusst. «Ich akzeptiere, dass dies ein wichtiges Thema ist, und jetzt bleibt die Frauenfrage tatsächlich ein Dilemma für die SP», sagt er. Aber auch die anderen Parteien stünden in der Verantwortung, die Linken alleine könnten das nicht lösen. Höchstwahrscheinlich dürfte die Frauenfrage die SP, nachdem sie bereits im Herbst 2018 für die Ständeratskandidatur Cédric Wermuth den Vorzug vor Yvonne Feri gegeben haben, noch weiter beschäftigen.

Nur ein Rücktritt: Spannen SP und Grüne zusammen?

Egli freut sich über die Unterstützung der Delegierten und sieht sie als Bestätigung und Dank für seine langjährige Arbeit in der Partei. «Ich freue mich, dass mein Einsatz und der Einfluss, den ich in der SP nehme, registriert werden», sagt er. Sein Bekanntheitsgrad innerhalb der SP sei wohl ein Vorteil gegenüber den anderen Kandidierenden gewesen. Die Zustimmung bedeute aber auch Verantwortung für ihn, und er nehme die nächsten Schritte mit grossem Respekt in Angriff

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Eglis Parteifreund Urs Hofmann ist der einzige Regierungsrat, der bei den Gesamterneuerungswahlen vom 18. Oktober nicht wieder antritt. Ausser den Regierungsparteien haben bisher nur die Grünen eine Kandidatur angemeldet: Die Zofinger Stadträtin Christiane Guyer tritt an. EVP, BDP und GLP kandidieren nicht. Ob die Grünen und die SP gemeinsam in den Wahlkampf steigen werden, ist noch unklar. Er könne sich die Zusammenarbeit mit Christiane Guyer aber sehr gut vorstellen, sagt Dieter Egli, «unsere Parteien sind beide im Regierungsrat untervertreten».

SP-Präsidentin wertet hohe Stimmbeteiligung als Erfolg

Für SP-Präsidentin Gabriela Suter war der Auftakt zur ungewöhnlichen Kandidierenden-Nominierung angesichts der Wahlbeteiligung von 84,8 Prozent, «aus basisdemokratischer Sicht ein grosser Erfolg», wie sie sagt. An einem Parteitag nehmen in der Regel weniger Delegierte teil, als jetzt ihre Stimme brieflich abgegeben haben. Weiter zeige das Resultat, dass die Delegierten offensichtlich unterschiedliche Kriterien unterschiedlich stark gewichtet haben und «dass wir drei Kandidierende mit guten Leistungsausweisen und grosser politischer Erfahrung vorschlagen konnten».

SP-Kandidaten im Direktvergleich 21. April 2020

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