Bundesfeier
«Die Seele der Schweiz gespürt»: So erlebt eine Ukrainerin den 1. August im Aargau

Die Ukrainerin Veronika Dziuba hat schon viel von der Welt gesehen. Am 1.-August-Wochenende hat sie auch den Aargau entdeckt und ist beeindruckt.

Toni Widmer
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Veronika Dziuba am 1-August-Wochenende auf dem Maiengrün-Turm hoch über dem Freiamt.

Veronika Dziuba am 1-August-Wochenende auf dem Maiengrün-Turm hoch über dem Freiamt.

Toni Widmer

Sie lernte als Teenager in St. Moritz Skifahren und studiert seit 2015 Finanzkommunikation in Lugano. Sie war in Genf, in Zürich, Luzern und am Rheinfall. Am 1.-August-Wochenende hat die 23-jährige Ukrainerin Veronika Dziuba endlich auch den Aargau entdeckt. Am Buurebrunch auf dem Rigiblickhof der Familie Leutwyler in Reinach hat sie am Montag zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kuh gestreichelt und den 1000 Kilo schweren Muni dazu. Für sie, die in Cherkasy, der 300 000 Einwohner grossen Stadt bei Kiev aufgewachsen ist, ein beeindruckendes Erlebnis. Das Selfie mit ihr, dem prächtigen Muni und Leutwyler-Junior Sämi schickt sie stolz in die Welt hinaus.

Die Schweiz am schönsten

Davon hat sie schon viel gesehen: Russland, Malta, Ägypten, die Türkei, Frankreich, England, Spanien, Österreich, Deutschland, die Arabischen Emirate. An der Amalfi-Küste hat sie Italienisch gelernt und in Rom ein Jahr studiert. Überall hat es ihr gut gefallen, doch die Schweiz findet sie einzigartig: «Ich kann mir vorstellen, einmal hier zu leben.» Darum lernt sie mit Deutsch jetzt noch eine zweite Landessprache. Die Schweiz sei zwar klein, aber sicher, gut organisiert und sehr schön. «Ihr dürft den Geburtstag mit Stolz feiern. Es ist ein gutes Land mit Zukunft», so die junge Frau.

Der Aargau hat sie stark beeindruckt. «Auf der Habsburg habe ich nicht nur das schöne Panorama genossen, sondern auch die Seele der Schweiz gespürt, die spezielle Vergangenheit, die das Land hat.» Gefallen haben ihr auch der Hallwilersee, die Aussicht vom Turm auf dem Hägglinger Maiengrün, die Überfahrt von Sulz nach Fischbach-Göslikon mit der Reussfähre oder die Bremgarter Altstadt.

Nicht nur Schokolade

«Schokolade, Banken, Uhren – das war für mich die Schweiz, bevor ich zum ersten Mal hier war. Dann lernte ich eine ganz andere Schweiz kennen. Seen, Berge, schöne Landschaften, kleine schmucke Dörfer und alles sehr sauber. Ein Land, anders und vielseitiger, als ich es mir je vorgestellt hätte.»

Den Aargau findet Veronika Dziuba besonders speziell: «Ich habe bisher nur die grossen Städte kennen gelernt. So richtig auf dem Land war ich noch nie. Ich bin wirklich beeindruckt – die Ruhe, die Sauberkeit, die schöne Natur, die vielen Schlösser, der See, die Flüsse – ich fühle mich sehr wohl hier.»

Auf den Buurebrunch und die Bundesfeier war die junge Ukrainerin besonders gespannt. «Das Angebot am Brunch war sagenhaft. Ich habe Käse erwartet, Milch, Fleisch vielleicht. Dass es so viele verschiedene Produkte auf einem Hof gibt, hätte ich nie gedacht. Und die perfekte Organisation, die Freundlichkeit der Leute, die Dekoration – das war wirklich toll.»

Auch an der Bundesfeier in Bremgarten war es ihr wohl. Von der Ansprache hat sie kein Wort verstanden und den Text der Landeshymne auch nicht. Doch die Zeremonie hat sie dennoch fasziniert. «Die Leute wissen, was sie an der Schweiz haben. Das finde ich schön», sagt sie und beisst in die Bratwurst, die am Bundesfeiertag auch für eine Ukrainerin dazugehört. Einen Dubler-Mohrenkopf, ohne den ein Besuch im Freiamt keiner wäre, hat Veronika Dziuba schon vorher verdrückt.