Ob sie erkennen könnten, mit welchem Zug der schwarze König schachmatt gesetzt werden kann, will Peter Hug wissen. Seine zehn Schachschüler beugen sich über das extragrosse Schachbrett am Boden. Sie prüfen die Bewegungsmöglichkeiten der einzelnen Figuren.

Schon schnellt eine Hand in die Höhe. Zieht die weisse Dame diagonal an den Brettrand, sitzt der König in der Falle. Der Vorschlag eines jungen Schülers wird auf dem Brett nachvollzogen. «Exakt. Das ist der Löwenfisch-Angriff», sagt Peter Hug. «Es ist ein richtig gemeiner Spielzug.»

Spass im Vordergrund

Nach den Sommerferien startete an der Schule Rupperswil der erste Schachkurs mit fünf Niveau- und Altersgruppen, nachdem drei Probekurse grosses Interesse am königlichen Spiel offenbart hatten.

Insgesamt 64 Kinder lassen sich nun von Peter Hug und einem weiteren Schachlehrer die Grundlagen des wohl über 1500 Jahre alten Brettspiels erklären.

Die einzelnen Lektionen beginnen mit Übungen zu den theoretischen Grundlagen, dabei werden auch berühmt gewordene Spielzüge nachgestellt und analysiert. Während der überwiegenden Zeit aber sollen sich die Schüler selbst duellieren und Gelerntes kurzweilig umsetzen. Der Spass am Spiel soll im Zentrum des Schachkurses stehen, dies ist den Lehrern ein wichtiges Anliegen.

Konzentrationsfähigkeit steigern

Peter Hug (27) aus dem basellandschaftlichen Aesch kam selbst im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal mit dem Schachspiel in Berührung. Mit 18 Jahren absolvierte er seine Trainerausbildung.

In diesem Jahr gründete er den Verein «Die Schulschachprofis», der zehn Schachpädagogen an bereits 18 Schulen in fünf Kantonen beschäftigt, und steckte sich ein ambitioniertes Ziel: An jeder Aargauer Schule soll mittel- bis langfristig ein Kinderschachklub ins Leben gerufen werden.

«Viele Studien belegen, dass Schach die Konzentrationsfähigkeit steigert. Gefördert werden aber auch die sozialen Kontakte und der Respekt», sagt Peter Hug. «Und ebenso wichtig ist: Die Kinder lernen, dass man auch einmal verlieren und dass man eine Niederlage analysieren kann.»

Hin und wieder ein Siegerpreis

Der Schachtrainer ist überzeugt davon, dass die Teilnehmer der Schachkurse sowohl im schulischen Bereich, aber auch für das Leben profitieren. «Das Schachspiel vermittelt eine spielerische Form zur Lösung von Aufgaben und Problemen.»

Dem Vorurteil, dass es sich beim Spiel um trockene Materie handelt, will der Verein «Die Schulschachprofis» mit neu erarbeiteten Methoden und eigenen Lehrmitteln entgegenwirken. Diese seien auf eine systematische und individuelle Entwicklung ausgerichtet.

Beobachtet man die Schüler während der Kurse beim Spiel, fällt schnell der weite Horizont ihrer Berechnungen auf. In nur wenigen Monaten haben sie gelernt, die Überlegungen des Gegenübers zu antizipieren.

Fragt man die Schüler nach ihrer Motivation, den Schachkurs zu besuchen, fällt die Antwort einhellig aus. Das Spiel macht ihnen Spass. Sie mögen es, sich gegenseitig zu messen, und sind auch dem Siegerpreis, der hin und wieder winkt, nicht abgeneigt.

Peter Hug lobt die Zusammenarbeit mit der Schule Rupperswil, die ihm die Räumlichkeiten für den Unterricht kostenfrei zur Verfügung stellt, und hofft, dass er in Zukunft noch weitere Schulleiter im Aargau von seinem Angebot überzeugen kann.