Abstimmungen

«Die Schulpflegen leisten sehr viel» — die Meinungen gehen auseinander

Andreas Thommen, Gemeindeammann von Effingen, sagt Ja zur Schulpflege.

Andreas Thommen, Gemeindeammann von Effingen, sagt Ja zur Schulpflege.

Die neuen Führungsstrukturen für die Aargauer Volksschule krempeln die Zusammenarbeit von Schulen und Gemeinden um. Zum Besseren, sagen die Befürworter einer Abschaffung der Schulpflege. Es würde sich kein Vorteil daraus ergeben, argumentieren die Gegner.

Die Schule findet in der Gemeinde statt. Wie die Abstimmung über die neuen Führungsstrukturen an der Aargauer Volksschule am 27. September ausgehen wird, betrifft sie darum besonders. Und, wie in so mancher Partei, Schulleitung, Lehrergruppe oder auch Familie: Es gibt in dieser Frage auch bei den Gemeindevertretern zwei Lager.

In der Mehrheit ist jenes, das die neuen Führungsstrukturen befürwortet. Renate Gautschy, die Präsidentin der Gemeindeammännervereinigung (GAV) und Frau Gemeindeammann von Gontenschwil, setzt sich für ein Ja ein. Seit der Einführung von Schulleitungen im Jahr 2006 habe sich die Welt verändert, betont sie. Ein Mitglied der GAV, das offen ausschert, ist Andreas Thommen, der Gemeindeammann von Effingen. Thommen ist im Nein-Komitee und sagt: «Es bringt weder Schulen noch Gemeinden einen Vorteil, wenn die Schulpflege abgeschafft wird.»

Das Quiz umfasst die nationalen und die Aargauer Kantonal-Vorlagen. Das Zentrum für Demokratie (ZDA) Aarau wertet die Antworten im Rahmen seiner Fokus-Aargau-Abstimmungs-Befragung aus – selbstverständlich anonymisiert.

Zur Teilnahme am Wettbewerb berechtigt sind alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Davon ausgenommen sind Mitarbeitende der CH Media AG und deren beauftragte Firmen. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Eine Barauszahlung der Gutscheine ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Quiz und damit der Wettbewerb läuft bis 25. September, 24 Uhr. An der Verlosung teil nehmen die diejenigen Personen, die am Quiz teilgenommen und ihre E-Mail-Adresse hinterlegt haben. Diese wird ausschliesslich zur Benachrichtigung der Gewinner verwendet.

Gegner sieht Mehraufwand für den Gemeinderat

In der neuen Struktur übernimmt der Gemeinderat die Gesamtverantwortung für die Schule, die Aufgaben der Schulpflege werden an ihn übertragen. Die Schule wird ein Dossier, das an ein Mitglied innerhalb des Gesamtgemeinderats delegiert werden kann. «Ich bin überzeugt, dass es schwierig wird, Gemeinderäte zu finden, welche für das Dossier Schule so viel Zeit aufwenden können», gibt Andreas Thommen zu bedenken. Von Anstellungen der Lehrpersonen über Beschwerden und Disziplinargespräche würde alles bei einer im Milizsystem arbeitenden Person liegen, was jetzt ein fünfköpfiges Gremium erledigt. «Die Schulpflegen leisten sehr viel. Das ist nicht zu unterschätzen. Wir erhalten stets gut vorbereitete Anträge und Budgetvorschläge von unserer Schulpflege», sagt Thommen. Dass eine Schulkommission eingesetzt werden kann, macht für den Effinger dabei kaum einen Unterschied: «Dann sind wir wieder gleich weit wie mit einer ­demokratisch gewählten Schulpflege. Zudem müssen auch dafür Personen gefunden werden.»

Gerade in einer kleinen Gemeinde sei es nicht immer einfach, genügend geeignete Personen für die Schulpflege zu motivieren, sagt der Gemeindeammann. «Aber gehen wir gezielt auf die Suche nach möglichen Mitgliedern der Schulpflege, finden wir sie auch.» Das Gremium sei nicht zuletzt ein relativ niederschwelliges Eingangstor für weitere Behördenarbeit: «Wir sollten diese Möglichkeit der Nachwuchsförderung beibehalten», findet Thommen.

Schulpflege als vermittelnde Stelle

Er mache die Erfahrung, dass sich spezifisch an der Schule interessierte Personen gerne in der Schulpflege engagierten, ohne dass sie gleich in den Gemeinderat möchten. «Aber man muss sich einer demokratischen Wahl stellen, kann Erfahrungen in Behördenarbeit sammeln, und oft ergibt sich dar­aus eine Gemeinderatskandidatur.»

Dass es auch immer wieder Eltern gibt, die nur so lange dieses Engagement zeigen, bis ihre Kinder die Schule wieder verlassen, findet Thommen in Ordnung: «Sie interessieren sich für die Schule, also macht es Sinn, dass auch Eltern im Gremium sind.»

Einen gewichtigen Nachteil, sollte die Schulpflege abgeschafft werden, sieht Thommen bei den Beschwerden. Die Schulpflege sei als vermittelnde Stelle zwischen Eltern und Schule wichtig. «Die Schulleitung wird als Vertretung der Lehrperson angesehen, sie ist zu nahe bei der Schule, als dass sie für Schüler und Eltern als vermittelnde Stelle angesehen werden könnte», so Thommen. Grundsätzlich gilt für den Effinger Ammann sowieso: So, wie das System jetzt ist, sei es gut – für die Gemeinde und für die Schule. «Die Schulpflegen machen gute Arbeit. Ich bin dagegen, sie abzuschaffen.»

Befürworter wollen zeitgemässe Strukturen

Eine zeitgemässe Schulführung mit direkten Linien sei erprobt und das richtige System für die Zukunft, sagt hingegen Renate Gautschy: «Es geht um die Stärkung der Schule. Die Aargauer Volksschule hat sich seit der Gründung vor mehr als 175 Jahren verändert, die Schulpflegen haben zunehmend einen anderen Stellenwert bekommen».

Dass sich diese auch seit der Einführung der geleiteten Schule 2006 weiterhin beschäftigt haben, sei mehr Selbsterhaltungsmotivation, nicht aber ein Grund, sie beizubehalten: «Der Schule geht es gut, die Aargauer Volksschule ist kerngesund, sie braucht keine Pflege, sie braucht Verständnis und Unterstützung. Diese Faktoren sind mit den Schulleitungen und dem direkten Weg zum Gemeinderat gegeben.»

Gemeinderäte setzten sich immer für die Schulen ein, sie stünden an der Gemeindeversammlung hin, legten Rechenschaft ab zu der Schulorganisation und unterbreiteten Anträge für die Schule, gibt Gautschy zu bedenken. «Wir haben den Gemeinderat als gewähltes Gremium. Ein Weiteres brauchen wir nicht, sondern Fachkompetenzen sind gefragt, zum Beispiel in grossen Gemeinden mit ständigen oder nichtständigen Kommissionen.» Dafür liessen sich, je nach anstehenden Themen, Leute durchaus motivieren, meint Renate Gautschy.

Kein Unterehmen hat zwei Verwaltungsräte

Es sei nicht das Ziel, die Schulpflegen zu ersetzen, stattdessen würden Doppelspurigkeiten vermieden, Hierarchien geklärt und die Schule werde zu einem Teil der Gemeinde. «Die Schulpflegen haben die abgeschlossene Welt der Schule innerhalb der Gemeinde zelebriert, dabei fehlt der Blick für das grosse Ganze», sagt Gautschy.

Das zeige sich insbesondere beim Budget: «Die Schulpflege beantragt die Geschäfte mit finanziellen Auswirkungen seit je beim Gemeinderat, dies unter Umständen ohne das nötige Wissen um die Gemeindefinanzen.» Dass Strategie und Finanzen bei einem Gremium sein sollen, sei als Vorteil zu gewichten. Gautschy macht den Vergleich mit einer Firma: «In einer Gemeinde sollen die verschiedenen Gemeinwesen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Kein Unternehmen hat zwei Verwaltungsräte, dies braucht auch das Unternehmen Gemeinde nicht.» Schliesslich habe der Gemeinderat auch keine «Bürgerpflege» dazwischen geschaltet.

Sollten die Aargauerinnen und Aargauer am 27. September an der Urne Nein sagen zu den neuen Strukturen, so soll die Schulpflege weiterentwickelt werden, sagen die Gegner der Abschaffung. Dazu würden die Gemeinden aber kaum Hand bieten, hält Renate Gautschy fest: «Die Schulpflegen hatten jetzt 14 Jahre Zeit, sich weiterzuentwickeln. Wir sind in einer anderen Zeit angekommen», betont sie.

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