Coronavirus im Aargau

Die Schraube wird weiter angezogen – das Badener Nordportal schliesst: «100 Personen lohnen nicht»

In Aargauer Clubs sind ab heute noch 100 Personen erlaubt – für manche lohnt es sich so nicht mehr.

In Aargauer Clubs sind ab heute noch 100 Personen erlaubt – für manche lohnt es sich so nicht mehr.

In Clubs und Bars sind ab heute noch 100 Personen erlaubt. Kantonsärztin Hummel sagt, man habe reagieren müssen – auch, damit das Contact-Tracing-Center nicht übermässig beansprucht wird. Die Massnahmen sind für Clubs einschneidend.

Der Kanton verschärft seine Coronamassnahmen. Betroffen sind zum einen Clubs und Bars, zum anderen Veranstaltungen, an denen die Abstände nicht eingehalten werden und an denen keine Schutzmassnahmen wie etwa eine Maskenpflicht angewandt werden. Ab Donnerstagabend gilt: In Clubs und Bars sind noch maximal 100 Menschen aufs Mal erlaubt. Die Ausweispflicht gilt weiterhin. Und auch für Veranstaltungen, an denen Kontaktlisten bisher die einzigen Schutzmassnahmen waren, die Abstände also nicht eingehalten werden, gilt neu eine Beschränkung von maximal 100 Personen. Möglich sind hier jedoch mehrere voneinander abgetrennte Sektoren à je 100 Personen. Und auch hier müssen die Kontaktdaten weiterhin angegeben werden. Ausgenommen von diesen Massnahmen sind politische und zivilgesellschaftliche Kundgebungen. Die Massnahmen gelten bis zum 16. August.

Im Aargau stecken sich täglich zwischen fünf und zehn Personen neu mit dem Coronavirus an. «Damit die Fallzahlen nicht weiter steigen, müssen wir früh reagieren», sagte Kantonsärztin Yvonne Hummel gestern an der Präsentation der Massnahmen. Massnahmen werden dort erlassen, wo das Ansteckungsrisiko besonders hoch ist. Aktuell sind das zum einen Einreisende – hier hat der Bund mit einer Quarantänepflicht für Einreisende aus Risikoländern bereits reagiert. Die zweite «Hochrisikozone», so Hummel, sind Clubs und Bars. Hier hat auch eine Rolle gespielt, dass mit Spreitenbach, Zürich, Olten und Grenchen zuletzt gleich in mehreren Orten Coronafälle in Bars und Clubs auftraten und sich Dutzende Personen infizierten.

Contact-Tracing-Center soll nicht überlastet werden

Noch eine weitere Begründung für die Massnahmen wurde gestern genannt: Das Contact-Tracing-Center soll nicht überlastet werden. Enge Kontaktpersonen von Erkrankten werden vom Kanton in Quarantäne gesteckt. So soll verhindert werden, dass weitere Menschen angesteckt werden. Steigen die Zahlen der Neuinfektionen allerdings zu stark, ist das irgendwann nicht mehr machbar. Stellte man bis jetzt fest, dass eine kranke Person an einer Veranstaltung teilnahm, mussten aufs Mal 300 Personen in Quarantäne. Neu werden es somit nur noch 100 sein.

Keine Absprachen mit Zürich

Diese Massnahmen hat der Aargau nicht alleine beschlossen. Die Entscheide wurden in Absprache mit den Kantonen beider Basel sowie dem Kanton Solothurn getroffen. In all diesen Kantonen wurden ähnliche Massnahmen beschlossen. Mit diesen Kantonen der Nordwestschweiz arbeitet der Aargau traditionell eng zusammen. Nicht mit dabei in dieser Gruppe ist allerdings der Kanton Zürich. Und dies, obwohl zahlreiche Aargauerinnen und Aargauer, gerade aus dem östlichen Kantonsteil, dort in den Ausgang gehen. So gelten diese Einschränkungen in Zürich auch nicht. Bis Redaktionsschluss sind auch keine Verschärfungen in Zürich kommuniziert worden. Man habe sich auch bei weiteren umliegenden Kantonen umgehört, sagte Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati gestern. Zu weiteren Absprachen ist es aber nicht gekommen. Gerade in Zürich sei die Ausgangslage eine deutlich andere als etwa im Aargau oder Solothurn, so Gallati. «Die Clubs und Bars haben dort eine viel wichtigere Bedeutung als bei uns.»

Der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati sagt: «In Zürich haben Clubs und Bars eine andere Bedeutung als bei uns.»

Der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati sagt: «In Zürich haben Clubs und Bars eine andere Bedeutung als bei uns.»

Nordportal schliesst

Am stärksten betroffen von dieser Massnahmen dürften die Clubs sein. Etwa das Nordportal in Baden. In den vergangenen Wochen hat sich der Club auf die – ab heute veralteten – Regelungen vorbereitet. Mit Eingangskontrollen für die 300 Personen, Schutzkonzepten, Masken wurden gekauft. All dies ist nun hinfällig. «Mit 100 Personen lohnt es sich einfach nicht mehr», sagt Maik Strassl von der Geschäftsleitung des Clubs. Der Club wird deshalb, solange diese Einschränkungen gelten, vorübergehend dichtmachen. Die Mitarbeiter sind weiterhin in Kurzarbeit, und dank der Unterstützung der Stadt Baden werde man vermutlich auch überleben.

FC Aarau ist von neuen ­Massnahmen nicht betroffen

Nicht betroffen von den neuen Massnahmen ist der FC Aarau. Weil im Stadion die Abstände problemlos eingehalten werden können, ist der Verein nicht von diesen Massnahmen betroffen. Dasselbe gilt für alle Veranstaltungen, wenn entweder die Abstände eingehalten werden können oder aber Schutzmassnahmen getroffen werden, wie etwa eine Maskenpflicht.

Elsad Zverotic darf weiterhin vor Zuschauern spielen.

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