Gemeindefinanzstatistik 2012
Die Schere zwischen reichen und armen Aargauer Gemeinden geht auseinander

Die Gemeindefinanzstatistik zeigt: Der Unterschied zwischen gut situierten und verschuldeten Gemeinden nimmt zu. Der neue Finanz- und Lastenausgleich soll das entschärfen, so Renate Gautschy, Präsidentin der kantonalen Ammännervereinigung.

Mathias Küng
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Gemäss der neusten Gemeindefinanzstatistik konnten die Aargauer Gemeinden 2012 erstmals seit vielen Jahren netto keine Schulden mehr abbauen. So ist aus dem kleinen Nettovermögen von 49 Franken pro Einwohner 2012 wieder eine kleine Nettoschuld von 43 Franken geworden.

Die 10 Gemeinden mit dem höchsten Nettovermögen pro Einwohner

Die 10 Gemeinden mit dem höchsten Nettovermögen pro Einwohner

zvg

Die Unterschiede sind allerdings zum Teil enorm. 89 gut situierte Gemeinden (vgl. die Grafiken mit den reichsten und den verschuldetsten Gemeinden) wiesen ein Nettovermögen von 455 Millionen Franken aus. Ihnen standen 130 Gemeinden mit Gesamtschulden von 482 Millionen gegenüber. In diesen 130 Gemeinden lasten also auf jedem Einwohner 1386 Franken Schulden. Aus Vermögen und Schulden aller Gemeinden resultiert insgesamt eine Nettoschuld von 27 Millionen Franken.

«Ungleiche Lasten berücksichtigen»

Bemerkenswert ist, dass die Schere zwischen den vermögenden und verschuldeten Gemeinden 2012 grösser geworden ist. Das Vermögen der gut situierten Gemeinden sank um knapp 10 Millionen Franken oder um rund 2 Prozent. Gleichzeitig stieg der Schuldenberg der anderen Gemeinden aber um 47 Millionen Franken bzw. um über 10 Prozent.

Die 10 Gemeinden mit der höchsten Nettoschuld pro Einwohner

Die 10 Gemeinden mit der höchsten Nettoschuld pro Einwohner

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Driften die Gemeinden also weiter auseinander und wird die Schere trotz Finanzausgleich noch grösser? Renate Gautschy, Präsidentin der Aargauischen Gemeindeammännervereinigung, führt die Entwicklung auf stark steigende gebundene Kosten zurück – ganz besonders im Pflegebereich und allenfalls bei aufgeschobenen Investitionen.

Diese belasten nach ihrer Beobachtung schlechter situierte Gemeinden noch stärker als andere. Auch deshalb setzt sie dringend auf den neuen Finanz- und Lastenausgleich, der, so Gautschy, «die ungleichen Lasten ärmerer Gemeinden gerade im Pflegebereich und bei den Soziallasten berücksichtigen muss».

Negative Trendwende?

Über alles gesehen stehen die Gemeinden heute insgesamt gleichwohl massiv besser da als 1999, als jeder Einwohner noch Schulden von 1646 Franken aufwies. Per Ende 2012 beurteilt der Kanton ihre finanzielle Lage denn auch nach wie vor als gut.

Und doch die Frage an Renate Fricker vom kantonalen Gemeindeinspektorat: zeigt 2012 eine negative Trendwende an? Fricker verweist wie Gautschy auf die höheren Investitionen der Gemeinden als in den Vorjahren. So betrug das Investitionsvolumen (Nettoinvestition) der Gemeinden 292 Millionen Franken. Es liegt 38 Millionen Franken über dem Vorjahreswert. Nach dem Nein des Volkes 2009 zum Bildungskleeblatt warteten nämlich viele ab.

Doch jetzt, wo die Primarschule nicht mehr fünf, sondern sechs Jahre dauert und der Schulraumbedarf steigt, wird gebaut. Fricker: «Erstmals seit gut 10 Jahren konnte man nicht alles aus eigenen Mitteln bezahlen.» Gleichwohl mag Fricker noch nicht von einer Trendwende sprechen.

Die Belastungen für die Gemeinden werden laut Fricker aber zunehmen, gerade im Bereich der neuen Pflegefinanzierung und der Bildung. Jahrelang konnten die Gemeinden auf Schuldenabbau und einen tiefen Steuerfuss setzen, jetzt stehen viele Investitionen an.