Die Schaumorgie auf dem Parkplatz

Jörg Meier
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Er hat es wieder getan. Wieder auf dem Parkplatz vor der Überbauung. Diesmal hat er sogar einen Kärcher eingesetzt. Das hat geschäumt, das kann man sich gar nicht vorstellen. Im Quartier gibt das zu reden. Dass der Neuzuzüger so hemmungslos seinen BMW wäscht, ist für eine Fraktion der Alteingesessen eine Provokation. Einer behauptet, es sei in unserem Dorf grundsätzlich verboten, das Auto auf dem Parkplatz zu waschen. Auch wenn einem der Parkplatz gehöre. Gewässerschutz- gesetz. Ein anderer sagte, er habe irgendwo gelesen, Kärcher dürfe man nicht für diese Art von Schaumorgien einsetzen. Polizeireglement. Ein Dritter sagte, er sei sich nicht ganz sicher: er glaube, es komme darauf an, ob das Wasser versickere oder in die Kanalisation gelange. Aber er denke, Shampoo sei wohl eher nicht erlaubt.

Ich konnte nicht mitreden, weil ich bekennender Auto-Nicht-Wascher bin, aber ich hörte zumindest aufmerksam zu. Er könne sich vorstellen, dass es zumindest ein partielles Autowasch- verbot gebe, sagte der Lehrer vom Haus gegenüber. Zum Beispiel über Mittag, in der Nacht oder an den Sonntagen Und erst recht bei Wasserknappheit. Wasserreglement.

Es war klar: Mit der recht unsicheren Ausgangslage konnte man den Neu- zugezogenen nicht einfach massregeln. Dafür gabs zu viele Unklarheiten. Auf sanften Druck anerbot sich der Lehrer eher widerwillig, bei der Gemeinde nachzufragen, ob ein Delikt vorliege und wie gravierend es allenfalls sei. Ich bin gespannt, was er herausfindet.