Über «hitzige Gemüter bei der Kundschaft» berichtete diese Woche der «Blick»: Die Drogeriekette Müller verlangt neuerdings für ein kleines Plastiksäckli fünf Rappen. Bald seien bei Müller die Säckli wohl teurer als die Zahnpasta, lästerte eine Kundin in Zofingen.

Doch was den Kunden der sechs Aargauer Filialen der deutschen Drogerie-Kette heute knausrig vorkommen mag, könnte morgen Standard in jedem Laden sein. Grund ist eine Motion des Freiburger CVP-Nationalrats Dominique de Buman, die beide Kammern des eidgenössischen Parlaments 2012 gegen den Willen des Bundesrats angenommen haben.

Übrigens auch mit den Stimmen der Aargauer Nationalräte Max Chopard (SP), Yvonne Feri SP), Cédric Wermuth (SP), Geri Müller (Grüne), Beat Flach (GLP), Ruth Humbel (CVP) und Sylvia Flückiger (SVP). Die Aargauer Umweltministerin Doris Leuthard vertrat zwar die Auffassung, die leichten Raschelsäckli an den Ladenkassen würden in der Schweiz hinsichtlich Umweltbelastung keine grosse Rolle spielen und ein Verbot sei unverhältnismässig, doch die Mehrheit sah das anders.

Der Bundesrat hat darum nun den Auftrag, die «Abgabe» von Wegwerf-Plastiksäcken zu verbieten. Nun lässt der Begriff «Abgabe» offenbar einen gewissen Spielraum, sodass man in der Bundesverwaltung an die Kostenpflicht als Alternative zum Totalverbot zu denken scheint. Der Auftrag des Parlaments werde mit einer Änderung der technischen Verordnung über Abfälle umgesetzt, ist beim Bundesamt für Umwelt zu erfahren. Die Inkraftsetzung ist auf den 1. Januar 2016 geplant.

Man sei im Gespräch für eine «pragmatische, ökologische und wirtschaftsfreundliche Lösung», um die Flut von Einwegsäcken einzudämmen. Die Einführung einer Kostenpflicht «mit sinnvollen Ausnahmen» (Plastiksäcke, die im Offenverkauf von Gemüse und Obst oder die aus Hygienegründen eingesetzt werden), zeige sich dabei als effektives Mittel.

Bis Standard wird, womit eine Drogeriekette offenbar etliche Kunden verärgert hat, wartet man bei den Grossverteilern ab. Vorerst gebe es Plastiksäckli weiterhin gratis, teilt etwa Denner-Sprecherin Grazia Grassi mit. Und wenn der Umsetzungsvorschlag der Behörden eine Gebühr vorsehe, brauche es dazu sicher noch eine Übergangsfrist. «Wir werden wie immer eine kundenorientierte und praktikable Lösung finden», sagt Denise Stadler, Leiterin der Coop-Medienstelle. Entschieden sei noch nichts, auch hier gibts vorderhand weiterhin Gratis-Säckli. Die gleiche Antwort bei Volg: «Bis klar ist, was die neue Gesetzgebung vorsieht, geben wir die Raschelsäckli weiterhin gratis ab. Dies wird in allen Volg-Läden so gehandhabt», so Kommunikationsleiterin Tamara Scheibli.

Bei der Migros ist die Säckli-Frage föderalistisch geregelt. Im Waadtland muss man schon lange für die Raschelsäckli zahlen, und die Minigebühr hat auch tatsächlich zu einem massiven Rückgang des Verbrauchs geführt. Im Aargau gibt es aber auch beim Einkauf in der Migros bis auf weiteres Gratis-Säckli. Solange keine Klarheit über neue gesetzliche Bestimmungen herrscht, bleibe alles beim Alten, sagt Andrea Bauer, Sprecherin von Migros Aare.