Es geht um den Sieg. Auch in den untersten Fussball-Ligen. Manchmal flippt einer aus – ein Spieler, ein Vater oder ein Trainer. Jüngstes Beispiel war der Viertliga-Match von Desportivo Portugues Aarburg gegen Schönenwerd-Niedergösgen 1b letztes Wochenende. Da trat ein Zuschauer dem Goalie der portugiesischen Mannschaft nach dem Halbzeitpfiff zwischen die Beine. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab.

Es war der dritte Spielabbruch in dieser Saison im Aargau. Gespielt wird noch gut einen Monat. Ein Vergleich mit der Saison 2008/09 zeigt, dass vor vier Jahren bis Ende der Saison dreimal mehr Spiele abgebrochen werden mussten.

Von einem Trend in Richtung mehr Gewalt auf Aargauer Fussballplätzen könne also keine Rede sein, sagt Hannes Hurter, Präsident des Aargauer Fussballverbands. «Der Vorfall ist traurig und sinnlos, aber die ganz grosse Ausnahme.» Das bestätigt auch Luigi Ponte, der oberste Schiedsrichter der Schweiz. Er ist überzeugt, dass die Gewalt abgenommen habe, seit der Verband harte Strafen gegen gewalttätige Fussballer ausspreche. Wie beispielsweise beim KF Besa Reinach, der vor zwei Jahren nach mehreren Vorfällen auf dem Platz für den Rest der Saison gesperrt wurde.

Das Problem sind darum heute selten die Fussballer auf dem Platz. «Die Unruhe kommt von ausserhalb des Spielfeldes», sagt Ponte. Es seien oft Eltern, die ausflippten, wenn ihr Sohn gefoult werde. «Sie denken, ihr Kind sei Ronaldo.» Sie würden dabei vergessen, dass es Plauschfussball sei. «Da sind nun mal keine Messis auf dem Platz», sagt Ponte. Auch wenn jeder Vater das Gefühl habe sein Sohn sei der Beste von allen. Aus Luigi Pontes Sicht werde der Amateurfussball total überschätzt.

Tun könne man nicht viel gegen gewaltbereite Zuschauer in solchen Spielen, da sie meist auf privatem Grund stattfinden. «Wir haben keinerlei Befugnis, beispielsweise betrunkene Zuschauer wegzuweisen.» Der höchste Schiedsrichter appelliert darum an die Vernunft der Zuschauer.