Die Sonne schien vom Himmel, die Nasen waren eingecremt und die blauen Hüte, die am Eingang verteilt wurden, waren aufgesetzt – das «Argovia-Fäscht» 2018 konnte beginnen. Pünktlich um 16.30 Uhr betrat Nickless die Bühne auf dem Birrfeld. Es ist nicht einfach, ein Open-Air-Festival zu eröffnen, doch der 22-jährige Zürcher vermochte mit seiner Gitarrenpopmusik das Publikum einzustimmen.

Als Nächste war die einzige Frau des diesjährigen Line-ups an der Reihe: die Finnin Alma. Mit dröhnenden Bässen und elektronischen Klängen jagte sie gleich zu Beginn Stromstösse durch das Publikum.

Ihre Musik ist zwar durch und durch Pop, doch mit ihrem Aussehen – neon-gelbe Haare, schwarze Weste, Tattoos – und ihrem Auftreten könnte sie ohne weiteres als Punk-Frontfrau durchgehen. Den Besuchern gefiel der freche Auftritt, hier und dort setzten sich die ersten Hüften in Bewegung.

Um 19.05 Uhr betrat ein Musiker die Bühne, der nicht weiter vorgestellt werden musste. Schliesslich ist Bligg ein bekannter Gast am «Argovia-Fäscht». Erlebt man den Zürcher auf der Bühne, wird klar, wieso er seit zwanzig Jahren Hit um Hit produziert: Die Übergänge zwischen den Liedern sind fliessend, er sucht die Nähe zu den Leuten und bringt auch den grössten Muffel dazu, die Hände in den Himmel zu heben. Ein Vollblut-Entertainer.

Gegen Ende trat als Überraschungsgast Marc Sway auf, und als Bligg sein Konzert mit dem altbekannten «Chef» beendete, war die Stimmung definitiv zuoberst im Barometer angelangt. Kann man so einen Auftritt noch toppen?

Ein phänomenaler Live-Act

Das schienen sich auch Hecht zu fragen. Die Mundart-Band, gegründet im Jahr 2000 im Luzerner Seetal, nahm die Herausforderung an. Das Resultat: Hecht knüpften nahtlos an, wo Bligg aufgehört hatte. Damit bewiesen sie erneut, dass sie ein phänomenaler Live-Act sind. Ihre Tanzeinlagen, welche man aus den Musikvideos kennt, sind auf der grossen Bühne genauso unterhaltsam wie auf dem kleinen Bildschirm.

Ausserdem haben Hecht mit Frontmann Stefan Buck ein Ass im Ärmel. Der charmante Luzerner schuf eine romantische Stimmung für «Heicho», versprühte gute Laune bei «Kawasaki» oder begab sich bei «Radio Beromünster» unter die Zuschauer. Und plötzlich hüpften alle im Birrfeld.

Bligg in luftigen Höhen

Bligg in luftigen Höhen – trotz Platz- und Höhenangst

Vor seinem Auftritt darf sich Sänger Bligg ins Kleinflugzeug setzen und es sogar selber steuern.

Als es anfing einzudunkeln, war es Zeit für den internationalen Hauptact des Festivals, Soulsänger John Newman. Der adrett gekleidete Brite legte einen furiosen Start hin. Newman gab bei seiner Performance alles, warf sich auf die Knie und tanzte, bis sein Hemd von Schweiss durchnässt war.

Dabei wurde er von einer exzellenten Band mit Backgroundsängerinnen unterstützt. Leider war die Kommunikation mit den Besuchern etwas flach und beschränkte sich meistens auf «Are you ready?» und «Argoviaaa!». Insgesamt war der Spannungsaufbau nicht ganz gelungen, und zwischen den Liedern fehlten die persönlichen Momente mit dem Publikum. Das ist schade, denn zu was Newman fähig wäre, zeigte er in der beherzten Zugabe mit seinem Mega-Hit «Love Me Again».

«Subtiler» Humor

Nach dem Briten ging es auf dem Birrfeld etwas rabiater zu und her mit dem Berliner Duo SDP. Ihre Musik ist eine krude Mischung aus Schlager-, Hip-Hop- und Punk-Elementen. Die Musik selber ist aber eher Nebensache, denn sie sind vielmehr für ihre Texte bekannt. Diese zeichnen sich durch einen Humor aus, der so subtil und witzig ist wie ein Vorschlaghammer («Deine Freundin, die kann Blasen, Blasen, Blasen an den Füssen nicht ertragen / Sie ist so eng, eng, enge Schuhe nicht gewöhnt»). Dem Grossteil der Besucher schien es aber zu gefallen; das Publikum johlte die Lieder lauthals mit. Gegen 1 Uhr bewegten sich die Ersten Fans in Richtung Bus-Terminal. Als das französische DJ-Duo Ofenbach auftrat, war die «Party vom Jahr» aber noch lange nicht zu Ende und das Birrfeld tanzte weiter in die Nacht hinein.

Höhepunkte 2018: Die schönsten Bilder und Videos

Für alle, die es verpasst haben: Hier nochmals die Höhepunkte in den schönsten Bildern und Videos.

Gute Bands, tolle Stimmung, und ein bisschen Alkohol war wohl auch im Spiel. Das sagen die Festbesucher zur "Party vom Jahr":

Das sagen die Besucher übers Argovia Fäscht

Das sagen die Besucher übers Argovia Fäscht

Wir haben den Besucherinnen und Besuchern einen Selfie-Stick in die Hand gegeben – hier sind ihre Videobotschaften.

Das Argovia Fäscht war aber auch besinnlich. Besonders aus der Luft:

Genial! Das Birrfeld bebt und macht sich aus der Vogelperspektive so richtig gut

Genial! Das Birrfeld bebt und macht sich aus der Vogelperspektive so richtig gut

Langsam aber sicher steuert das Argovia Fäscht 2018 auf seinen Höhepunkt zu. Ein Drohnenflug nach 20 Uhr.

Schön war auch die Aussicht vom Riesenrad. Unsere Kamera, die auf eben diesem montiert war, zeigt, wie sich das Festgelände am Nachmittag gefüllt hat.

Im Zeitraffer: Das Birrfeld wird vom Partyvolk gestürmt

Im Zeitraffer: Das Birrfeld wird vom Partyvolk gestürmt

Aber wer trug eigentlich weisse Socken? Und welche Rituale und Erwartungen hatten die Stars vor ihren Auftritten? Das sind Highlights des Argovia Fäscht 2018: 

Argovia Fäscht: Highlights von der #partyvomjahr

Argovia Fäscht: Highlights von der #partyvomjahr

   

Bereits am Freitag war das Festgelände geöffnet – am Beizlifäscht hat zwar Petrus nicht ganz mitgespielt, schön wars trotzdem:

Regen? Die richtigen Beizlifest-Fans kann das nicht abhalten

Regen? Die richtigen Beizlifest-Fans kann das nicht abhalten

Für die einen beginnt das Argovia Fäscht erst am Samstagnachmittag, alle anderen schwören auf dass Beizlifest am Freitagabend. Denn das ist einfach Tradition, ob es nun regnet oder nicht.