Da standen sie im Kreis: rund die Hälfte der heute in einer Beilage porträtierten Meinungsmacherinnen und Meinungsmacher aus dem ganzen Verbreitungsgebiet der «Nordwestschweiz». Umgeben waren sie von haushohen Regalen gebundener und in Zellophan eingepackter Meinungen in Buchform. 2000 Kilo pro Quadratmeter lässt die Statik der Zentrale der AZ Medien in Aarau zu.

Genau das war, zum vierten Mal bereits, die Frage: Wie viel Gewicht oder wie viel Einfluss haben Meinungen heute, in einem Zeitalter, worin längst «Meinungskrieg» herrschen soll? Mindestens ein heftiger Wettbewerb um die knappe Aufmerksamkeit von Lesern – oder Usern.

Ein Podium zur Stehparty der erkorenen Meinungsmacher nahm gestern die Frage auf, geleitet von Gieri Cavelty, dem stellvertretenden Chefredaktor. Er zitierte anfangs einen Gedanken von Eric Schmidt, dem Google-Chef: «Noch nie hatten so viele Leute so viel Macht in den Fingerspitzen.»

Wie verbreitet man seine Meinung oder setzt sie gar durch unter lauter Vernetzten, die keine Mühe mehr bekunden (auch kaum mehr scheuen), ihre Meinung in den Meinungsozean des Internets einzuspeisen? Zukunft und Retro kamen zur Sprache.

Alles heute ist nicht schlecht, und früher war alles nicht nur von Gutem. Also blieb wieder mal unentschieden, in welche Richtung der Meinungssturm bläst bzw. wann er sich legt? Einer wagte eine Wette (Peach Weber): 100 000 Franken darauf, dass sich das Zwitscherfieber wieder verflüchtigt.

Am Podium sassen: Margrit Stamm, Erziehungswissenschafterin der Uni Freiburg; Bea Knecht von der Internet-Plattform Zattoo; Christian Wanner, FDP-Politiker, langjähriger Solothurner Regierungsrat; und der Komiker Peach Weber. Wanner freute sich, als neulich Schüler auf seinem Hof, jeder mit einem Handy in der Tasche, eine Kuh real berühren wollten.

Bea Knecht hielt dieses Bedürfnis für vergänglich: «Wir sind die letzte Generation, die noch draussen spielte.» An sich schüfe das Zeit für Fingerwischen. Indes schwinde gerade Zeit zum Verweilen: «Die Leute», meinte Peach Weber, «wollen nicht mehr lesen oder hören als 140 Zeichen». Also gäbe es keine Musse mehr für gut «gemachte» Meinung? Keine Meinungsmacher, ausser sie würden gekürt? Cavelty liess den Schlussvorhang offen: «Der Rest sicher auf Facebook.»

Die Beilage zu den 100 Meinungsmachern finden Sie in der heutigen Ausgabe der «Nordwestschweiz».