Riniken
Die Nagra bohrte schon 1983 einmal am Bözberg: Was dabei herauskam

Nach sechs Monaten wurde in den 80er-Jahren eine Probebohrung in einer Tiefe von 1800 Metern abgebrochen. Damals suchte die Nagra im Bözberg vergeblich nach Granit – sie fand stattdessen Opalinuston, der heute als optimales Gestein für Endlager gilt.

Fabian Hägler
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Rückblick: Rudolf Rometsch, Praesident der NAGRA bei der Bohrstelle in Riniken, wo 1983 Sondier-Bohrungen für ein etwaiges Endlager für radioaktive Abfälle vorgenommen wurden.
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Bohrungen der Nagra am Bözberg
Jörg Hunn, der ehemalige Gemeindeschreiber von Riniken, zeigt drei Bohrkerne von der Probebohrung der Nagra im Jahr 1983, die heute noch im Keller der Gemeindeverwaltung gelagert werden.

Rückblick: Rudolf Rometsch, Praesident der NAGRA bei der Bohrstelle in Riniken, wo 1983 Sondier-Bohrungen für ein etwaiges Endlager für radioaktive Abfälle vorgenommen wurden.

Keystone

Genau vor einer Woche hat die Nagra bekannt gegeben, dass der Bözberg zusammen mit dem Zürcher Weinland als Standort für ein Atomendlager weiterverfolgt wird. Zuerst werden am Bözberg nun seismische Untersuchungen gemacht, danach folgen ab 2017 drei bis fünf Bohrungen.

Dies ist jedoch nicht das erste Mal, dass die Nagra in der Bözberg-Region bohrt. «Im Januar 1980 überraschte die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) den Gemeinderat und die Bevölkerung mit dem Gesuch, frühestens ab 1981 eine etwa 1700 Meter tiefe Probebohrung in der Gemeinde Riniken durchzuführen», ist in der Ortsgeschichte nachzulesen.

Jörg Hunn, damals Gemeindeschreiber in Riniken, erinnert sich: «Eigentlich liegt die Bewilligung von Baugesuchen in der Kompetenz des Gemeinderats, um den Puls der Bevölkerung zu spüren, wurde aber eine ausserordentliche Gemeindeversammlung mit einer Konsultativabstimmung durchgeführt.»

Obwohl die Verfasser der Riniker Geschichte schreiben, «nicht männiglich» sei über dieses Gesuch erfreut gewesen, gaben die Einwohner an der Versammlung einstimmig grünes Licht für die Bohrung. Gleich mit 136 zu 0 Stimmen unterstützten sie den Gemeinderat, welcher das Nagra-Projekt unterstützte.

Fast keine Opposition

Dieser bewilligte die Bohrung, allerdings mit Auflagen. So wurde der Standort ganz an die nördliche Dorfgrenze verlegt, wo kein Grundwassergebiet tangiert wurde. Überdies wurde mit Elektromotoren statt mit Dieselantrieb gebohrt, um den Lärmschutz zu verbessern.

Während der Auflage des Baugesuchs gingen dann fünf Einsprachen ein, die alle «vereinbarlich erledigt werden konnten», wie es in der Ortsgeschichte heisst. Auch die Bohrung an sich verlief ruhig. «Die Bevölkerung im Dorf akzeptierte sie und stellte sich positiv zu ihr», vermerkt die Riniker Geschichte.

Hunn bestätigt: «Eine starke Opposition wie heute mit dem Verein KAIB, mit Plakaten und Aktionen gegen ein Endlager am Bözberg, gab es damals nicht.» Als möglichen Grund sieht Hunn, dass die Nagra in Riniken vor gut 30 Jahren nicht die erhofften Gesteinsformationen fand. «Bei der Bohrung zeigte sich, dass die kristallinen Schichten, welche die Nagra für ein Lager als geeignet einstufte, viel tiefer lagen als erwartet», sagt der pensionierte Gemeindeschreiber.

Riniken wieder «im Rennen»

Auch er selber war nach der Bohrung überzeugt, Riniken sei nun kein Kandidat mehr für ein Atomendlager. «Als die Nagra dann von Granit auf Opalinuston umschwenkte, sah dies wieder anders aus», erinnert sich Hunn. Denn diese Schichten gibt es in Riniken durchaus in passender Tiefe – davon überzeugte sich Hunn, der auch mehrere Jahre für die SVP im Grossen Rat sass, direkt an seinem Arbeitsplatz. «In den Bohrkernen, die heute noch im Keller des Gemeindehauses gelagert sind, ist der Opalinuston gut sichtbar», sagt Jörg Hunn.

Heute liegt Riniken am Rand jenes Perimeters, wo dereinst radioaktive Abfälle gelagert werden könnten. Eine weitere Bohrung auf dem Gemeindegebiet ist laut Nagra-Karte nicht vorgesehen. «Dank der Bohrung von 1983 haben wir auch Erkenntnisse gewonnen, die sich heute noch verwenden lassen», sagt Nagra-Sprecherin Jutta Lang.

Obwohl der Fokus damals auf den Untersuchungen im kristallinen Grundgebirge lag, galt auch der Opalinuston vor über 30 Jahren schon als potenzielles Wirtgestein für ein Lager. Die Nagra habe den Opalinuston und die angrenzenden Gesteinsformationen mit einer Kernbohrung vollständig untersucht, hält Lang fest.

«In der Bohrung Riniken wurde im Opalinuston eine Störungszone durch- fahren», führt Lang aus. Dies sei aber nicht negativ: «Hydraulische Tests zeigen, dass diese Zone keine erhöhte Durchlässigkeit zeigt.» Dies sei «ein Indiz für das hohe Selbstabdichtungsvermögen des Opalinustons».

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