In der aktuellen Mitarbeiterbefragung erhält der Kanton von seinen Angestellten schlechte Noten. Publik gemacht hat die Staatskanzlei aber nur die Gesamtauswertung. Angaben zu den Resultaten in den einzelnen Departementen machte Finanzdirektor Markus Dieth am Donnerstag nicht. Der Regierungsrat wolle verhindern, dass diese gegeneinander ausgespielt würden. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass im Gesundheits- und Sozialdepartement die Resultate schlechter sind als der Schnitt. Schliesslich kam es bei Regierungsrätin Franziska Roth in den letzten Monaten zu Personalwechseln, die für Unruhe sorgten. Genau darum geht es in einer Interpellation von Grünen-Präsident und Grossrat Daniel Hölzle, die am Freitag beantwortet wurde. Hölzle wollte unter anderem wissen, wie die Stimmung im Departement Roth sei.

Motivation deutlich gesunken

Die Antwort dazu im Wortlaut: «Im Departement Gesundheit und Soziales arbeiten viele motivierte Mitarbeitende, die täglich viel für die kantonale Verwaltung und für die Bürgerinnen und Bürger leisten. Die ‹Stimmung› ist kein exakt messbarer Wert, eine Beurteilung ohne entsprechende Grundlagen wäre daher sehr subjektiv und hätte wenig Aussagekraft.»

Alles in Ordnung also? Keineswegs, wie eine interne Information der SVP-Regierungsrätin an ihre Mitarbeiter zeigt, welche der AZ vorliegt. «Wie Sie vielleicht vermuten, sind die Resultate für das DGS bei der Mitarbeiterbefragung eher schlecht ausgefallen», heisst es in Roths Schreiben an die Angestellten. Insbesondere die Schlüsselkategorien Motivation und Identifikation weisen demnach tiefe Werte aus.

Die Mitarbeitermotivation hat gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2013 um 9 Punkte abgenommen. In Schulnoten umgesetzt, läge der Wert bei einer 4 – «zwar genügend, aber nicht euphorisch», wie Roth schreibt. Die Motivation ist laut ihrer Mitteilung an die Mitarbeiter «eher niedrig und im Vergleich mit den anderen Departementen klar tiefer». Sie weist darauf hin, es bestehe die Gefahr, dass unmotivierte Mitarbeitende das Arbeitsklima weiter negativ beeinflussen.

Es drohen weitere Kündigungen

Hölzle wollte in seinem Vorstoss auch wissen, ob die Regierung nach diversen Wechseln in Führungspositionen von weiteren wichtigen Abgängen bei Franziska Roth ausgehe. Und er fragt, als Seitenhieb an die SVP-Regierungsrätin, die eine fehlende Strategie bei ihrer grünen Vorgängerin Susanne Hochuli kritisiert hatte, ob die Personalwechsel und der Verlust von Know-how ein Teil von Roths Strategie seien. In der Antwort heisst es, die Personalwechsel stünden nicht im Zusammenhang mit einer Strategie. Überdies schreibt der Regierungsrat, ein neues Leitbild für das DGS werde derzeit erarbeitet. Matthias Laube, der neue Generalsekretär, habe seine Stelle am 1. Mai angetreten und soll sich ebenfalls in diesen Prozess einbringen können. Weiter hält die Regierung fest, man habe keine Kenntnis von weiteren Abgängen im Departement Gesundheit und Soziales.

Dies könnte sich aber bald ändern, denn Roth teilt den Angestellten intern mit, dass sich 21 Prozent der Mitarbeitenden gemäss der Umfrage weder mit ihrer Arbeit noch mit dem Unternehmen stark verbunden fühlten. «Diese Mitarbeitenden sind stark kündigungsgefährdet, damit droht dem Departement potenziell ein weiterer Know-how-Verlust», schreibt sie weiter.

Es besteht grosser Handlungsbedarf

Am negativsten beurteilt wurde von den Mitarbeitern der Bereich «Strategie und Leadership», also die Kernaufgaben von Roth selber. Die Regierungsrätin räumt in ihrem Schreiben ein, das Ergebnis der Umfrage zeige, «dass grosser Handlungsbedarf besteht». Sie kündigt an, mit dem neuen Generalsekretär zusammen die Resultate zu analysieren und Massnahmen zu definieren. «Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass es allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im DGS gut geht und dass sie gerne hier arbeiten», hält die Regierungsrätin abschliessend fest.