In der Schweiz leben heute rund 900'000 Eingebürgerte, jedes Jahr kommen 35'000 dazu. Die erste grössere Studie publizierte im November der Schweizer Politologe Oliver Strijbis, der am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialverhalten forscht. Er kam zum Schluss, dass Schweizer mit ausländischen Wurzeln vermehrt links wählen, wie die «Schweiz am Sonntag» schrieb.

Stärkste Partei bei ihnen ist die SP, die bei den vergangenen Nationalratswahlen 24 Prozent der Stimmen gewann. Das ist mehr als ihr realer Wähleranteil von 18,7 Prozent. Die zweitbeliebteste Partei ist die SVP, die 22 Prozent von den Eingebürgerten erhielt – ihr realer Wähleranteil betrug 26,6 Prozent.

Die SP wählen häufig Angehörige von «Outgroups», also Leute, die sich diskriminiert fühlen oder Ziel ausländerfeindlicher Kampagnen sind. Dazu zählen Personen aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und muslimischen Ländern.

Auch die Gastarbeiter aus Italien, Spanien und Portugal und ihre Kinder wählen vermehrt links. Obwohl besonders die Italiener in ihrer Heimat oft christlichdemokratisch sozialisiert wurden, profitiert die CVP davon nicht. Einwanderer aus Staaten des früheren Ostblocks haben hingegen oft einen Abwehrreflex gegenüber linken Parteien, der sie bürgerlich wählen lässt.

«Nur eine Mittepartei»

CVP-Kandidat Alexander Vaida, der aus Rumänien stammt, bestätigt diese Erkenntnisse – ohne die Studie von Strijbis zu kennen. «Gegenüber linken Parteien habe ich aufgrund meiner Familiengeschichte grosse Vorbehalte», sagt er. Vaida begründet: «Wir haben unter dem Kommunismus gelebt und gelitten, darum war für mich nur ein Beitritt zu einer Mittepartei eine Option.»

Für die CVP habe er sich entschieden, «weil die Partei jene Werte vertritt, die mir wichtig sind: Familie, soziale Marktwirtschaft, faire Chancen für alle, Rechtssicherheit». Die bei Eingebürgerten auch beliebte SVP war für Vaida kein Thema: «Ich bin gegen jedes Extrem, die rechtsnationale und sehr konservative Einstellung gefällt mir nicht.»

Ein Porträt über Alexander Vaida lesen Sie hier