Lehrstellen

Die meisten Aargauer Jugendlichen wollen einen Bürojob

Albulena erhält an der Lehrstellenbörse Unterstützung von Berufsberaterin Andrea Nietlispach.Alex Spichale

Albulena erhält an der Lehrstellenbörse Unterstützung von Berufsberaterin Andrea Nietlispach.Alex Spichale

Ausbildungsplätze gäbe es im Kanton genug, allerdings oft in unpopulären Branchen. Einige Firmen buhlen deshalb erfolglos um Lehrlinge. Die Aargauer Lehrstellenbörse vom Dienstag brachte Unternehmen und Jugendliche auf Lehrstellensuche zusammen.

Seite um Seite spuckt der Drucker aus: Die Datenbank des Berufs-Infocenters in Aarau schlägt eine Liste von Lehrstellen vor. Zusammen mit einer Berufsberaterin sucht Albulena nach einem Ausbildungsplatz. «Dentalassistentin oder Detailhandelsassistentin würde mich interessieren», sagt die 14-Jährige. Trotz monatelanger Suche und zahlreichen Absagen lasse sie sich nicht beirren. Der Papierstapel mit offenen Lehrstellen, den sie nach einigen Minuten in der Hand hält, macht jedenfalls Mut.

Brigitte Basler, «Ask»-Abteilungsleiterin über die Aargauer Lehrstellenbörse

Brigitte Basler, «Ask»-Abteilungsleiterin über die Aargauer Lehrstellenbörse

Albulena ist eine von 458 Jugendlichen, die sich für die Aargauer Lehrstellenbörse angemeldet haben. Zum zweiten Mal organisierten die Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf Aargau (Ask) am Dienstag den Anlass. Dieses Jahr erstmals an sechs Standorten im ganzen Kanton – mit insgesamt 29 Betrieben und Ausbildungsplätzen in 40 Berufen. Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen können den Jugendlichen an den Ständen ihre Berufe vorstellen.

Rund 900 freie Ausbildungsplätze

«Im Aargau haben über 1000 Jugendliche noch nicht festgelegt, was sie im Sommer machen werden», sagt Brigitte Basler, Ask-Abteilungsleiterin und zuständig für die Lehrstellenbörse. Da nicht alle eine Lehre machen wollten, sondern auch Auslandaufenthalte oder Praktika populär seien, würden die rund 900 freien Ausbildungsplätze eigentlich reichen, sagt Basler. Eigentlich. «Denn die Mehrheit der Jugendlichen will im Büro arbeiten.» Einerseits würden diese Tätigkeiten bei Jungen ein höheres Ansehen geniessen, andererseits erhofften sie sich mehr Lohn, was aber in vielen Fällen gar nicht zutreffe. «Dazu kommt, dass sich einige nicht festlegen möchten, weshalb sie sich mit einer KV-Lehre alle Möglichkeiten offen lassen wollen.»

Lehrstellen, die niemand will

Andere Berufe wie Gleisbauer oder Gebäudereiniger haben es hingegen schwer, genügend Nachwuchs zu finden. Diese Erfahrung macht auch Kevin Bläsi, der an der Lehrstellenbörse den Stand des Armeelogistikzentrums in Othmarsingen betreut. Drei Lehrstellen hätte er anzubieten – wenn sich denn jemand dafür interessieren würde. «Die meisten fragen nur nach dem Boom-Beruf des Logistikers. Dort sind aber alle Plätze bereits vergeben.» Es könne sein, dass dieses Jahr nicht genug Lehrlinge für die Berufe Textilpfleger und Fachmann Betriebsunterhalt gefunden werden. «Das wäre sehr schade, aber der Zug ist wohl schon bald abgefahren.»

Einen neuen Beruf entdeckt

Im ersten Stock des Aarauer Infocenters können die Jugendlichen an der Börse ihre Bewerbungsdossiers überprüfen lassen. Auch Albulena macht von diesem Angebot Gebrauch und erhält Ratschläge mit auf den Weg. «Leg unbedingt noch das Zwischenzeugnis bei», lautet einer der Tipps. Der Berufsberater überprüft Bewerbungsschreiben und Lebenslauf und macht kleine Verbesserungsvorschläge. Am Stand der Textilrewashing AG aus Suhr holt sich Albulena weiteren Rat. Die beiden Vertreter der Firma werben für die Lehre zur Textilpflegerin. Ein Beruf, den sie davor gar nicht gekannt hat, wie Albulena danach sagt. «Aber es war spannend. Ich überlege mir, ob das allenfalls auch etwas für mich wäre.»

Am Schluss der Börse zieht die Schülerin ein positives Fazit: «Mir hat es sehr geholfen.» Sie hoffe, ihrem Ziel, eine Lehrstelle zu finden, damit einen Schritt nähergekommen zu sein.

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