Der VenION-Schutzanzug wirkt wie ein Kokon. Es ist wohlig drinnen. Die durch den Filter angesaugte und gereinigte Luft füllt den Anzug und vermittelt das Gefühl, abheben zu können. Die Stimmen von aussen tönen angenehm gedämpft.

Aber klar: Wer während der Arbeit mit Ebola-Patienten in einem solchen Anzug steckt, ist in einer anderen Gemütslage. «Man hat Angst», sagt Nik Keel, Geschäftsführer der Firma TB-Safety. Der Anzug könne deshalb noch so gut sein: «Wenn beim Ausziehen unter psychischem Stress Fehler passieren, nützt der beste Anzug nichts.»

Und Keels Produkt ist gut, sozusagen die Mercedes-S-Klasse unter den Schutzanzügen. Das Fricker KMU liefert vor allem an die Industrie, unter anderem für Forschung und Produktion der Pharmaunternehmen. Auf den Bildern aus dem afrikanischen Ebola-Gebiet sind TB-Safety-Anzüge hingegen nicht zu sehen.

«Im Idealfall hätten natürlich alle Helfer, die dort im Kontakt mit Patienten stehen, solche Anzüge aus einem Stück und mit einer unter dem Anzug getragenen Belüftungseinheit», sagt Keel. Dafür fehle aber meistens nur schon die entsprechende Infrastruktur, um beispielsweise die Akkus aufzuladen.

80 bis 150 Franken für einen Schutzanzug

Und dann ist da natürlich noch der Preis. Der VenION-Vollschutzanzug kostet zirka 80 bis 150 Franken je nach Ausführung – ohne Filter und Gebläse. Die Industrie kauft diese Anzüge für den Einmalgebrauch. Der Mehrfachgebrauch ist problematisch, weil man sie theoretisch reinigen könnte, aber nur schwer auf allfällige Rückstände prüfen kann.

Die Konsequenz: Allein für die Kunden in der Schweiz werden jährlich gegen 30 000 Anzüge angefertigt. Die Bestellungen von Spitälern seien verglichen damit äusserst bescheiden, so Keel. «Häufig sind deren Budgets so eng, dass unsere Mindestmenge – ein Karton à 20 Stück – schon zu teuer ist.»

Eine steigende Nachfrage von europäischen Spitälern spürt die TB-Safety seit Ausbruch der Ebola-Krise in Westafrika trotzdem – ohne davon aber profitieren zu können, weil die Produktionsbetriebe in Polen und Italien bereits voll ausgelastet sind. Wenn, dann ist die Epidemie für ihn eher ein Problem, «weil die Stofflieferanten alles auf Ebola ausgerichtet haben und es immer schwieriger wird die nötige Menge zu bekommen».

Bestehende Kunden geniessen Vorrang

Sollte sich das Virus wider alles Erwarten in Europa ausbreiten, müsste Keel natürlich nochmals über die Bücher. Für den Moment aber gilt: Die bestehenden Kunden haben Vorrang. Und Keel ist sowieso überzeugt, dass die Epidemie zum Erliegen kommen wird.

Einen für den Einsatz in Ebola-Gebieten geeigneten Schutzanzug ohne Gebläse hat die TB-Safety trotzdem in der Pipeline. Im Gegensatz zu heute gängigen Overalls besteht er von Kopf bis Fuss aus einem einzigen Stück, es gibt also keine Übergangsstellen, die abgeklebt werden müssen.

Das Zulassungsgesuch sei bereits eingereicht, sagt Keel. Für die aktuelle Krise in Westafrika mag er damit zu spät kommen. Aber für einen Schutzanzug-Hersteller ist nach der Epidemie vor der Epidemie. «Gefahren wird es immer geben», so Keel. «Wenn nicht Ebola, dann vielleicht wieder Sars oder Tuberkulose.»

Die Wachstumsaussichten seiner Firma beurteilt der 56-jährige Ingenieur, der 1993 seinen ersten Vollschutzanzug für den Nuklearmarkt entwickelte, denn auch optimistisch. Den Umsatz von heute vier Millionen Franken will die TB-Safety weiter steigern.

Die Rekrutierung für einen Zweischichtenbetrieb im italienischen Werk läuft bereits. Auf das Privatkundengeschäft verzichtet Keel aber auch weiterhin. «Es rufen immer mal wieder Leute an, die bei uns aus Angst vor Ebola einen Anzug kaufen wollen», erzählt er. «Aber die würden darin irgendwann ersticken.» Denn S-Klasse hin oder her – auch der TB-Safety-Akku hält nicht ewig.