Wirtschaftsumfrage

Die Lohnaussichten für 2019 sind besser als letztes Jahr

Die chemisch-pharmazeutische Industrie legte stark zu. Symbolbild

Die chemisch-pharmazeutische Industrie legte stark zu. Symbolbild

Alljährlich führt die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK) ihre Wirtschaftsumfrage durch. Dieses Jahr könnte es sogar eine kleine Reallohnerhöhung geben. Ein kleines Stellenwachstum ist möglich. Der Maschinenbau bleibt rückläufig.

Die neuste Wirtschaftsumfrage «spiegelt eine nach wie vor positive Stimmung bei den Verantwortlichen der Aargauer Unternehmen», so Studienverfasser Christoph Vonwiller von Fahrländer Partner. Nach einem guten 2018 rechne die Mehrheit der teilnehmenden Firmen jetzt zwar mit geringfügig nachlassender Dynamik. Dennoch, und trotz langsamerer Gangart der globalen Konjunktur, erwarten sie 2019 ein solides Wachstum. 

Entgegen den Erwartungen aufgrund von Hiobsbotschaften zu angekündigtem Stellenabbau bei GE oder Brugg Cables ging die Beschäftigung im Industriesektor letztes Jahr «nur» um knapp ein Prozent zurück. Dieses Jahr soll es gar wieder leicht ins Positive drehen. Wobei anzufügen ist, dass sich Arbeitsplatzreduktionen nicht überall sofort auswirken. Die Zahlen sind zudem je nach Branche sehr verschieden. So sank die Beschäftigung im Maschinenbau letztes Jahr um fast zwei Prozent. Auch 2019 soll sie minim rückläufig sein.

In der Metallindustrie erlebte man letztes Jahr hingegen ein Plus von einem halben Prozent. 2019 soll es noch etwas mehr werden. Letztes Jahr stieg die Beschäftigung in der Elektroindustrie um über zwei Prozent. 2019 soll sie nochmals leicht zunehmen. Ein Plus von einem Prozent erwartet 2019 die Metallindustrie. Besonders positiv gestimmt ist man in der Pharmabranche. Klar positiv sind die Beschäftigungserwartungen im dritten Wirtschaftssektor, dem Dienstleistungsbereich. Letztes Jahr nahm die Beschäftigung hier um satte zwei Prozent zu, 2019 wird immerhin eine Steigerung von gegen einem Prozent erwartet.

Anteil der Branchen am Total der Aargauer Exporte (in Prozent) Quelle: EZV, Fahrländer Partner

Die Chemisch-Pharmazeutische Industrie hat bei Exporten die Nase vorn

Anteil der Branchen am Total der Aargauer Exporte (in Prozent) Quelle: EZV, Fahrländer Partner

Über 1000 Stellen mehr?

Der gute Geschäftsgang in vielen Branchen hat sich letztes Jahr nur bedingt auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt, sagt Vonwiller. Immerhin stieg die Anzahl der Vollzeitstellen bei den befragten Unternehmen um rund 0,8 Prozent. Wenn man die Angaben der als repräsentativ geltenden Umfrage (527 Firmen mit 41 000 Arbeitsplätzen nahmen teil) auf die rund 265'000 Vollzeitstellen im Aargau hochrechnet, dürften letztes Jahr immerhin rund 2000 Stellen dazugekommen sein.

In diesem Jahr erwarten die Umfrageteilnehmer ein kleineres Stellenwachstum von noch 0,5 Prozent. Hochgerechnet auf den ganzen Kanton dürften das aber auch über 1000 neue Vollzeitstellen werden. Dies in Erwartung eines sich zwar abschwächenden Wachstums des Bruttoinlandprodukts (BIP). Es dürfte aber gleichwohl um 1,7 Prozent steigen (letztes Jahr rund 2,6 Prozent).

2019 bessere Lohnaussichten

Mit der wieder anziehenden Teuerung (letztes Jahr plus 0,9 Prozent) konnten die Lohnerhöhungen 2018 nicht mithalten. Gemäss der Umfrage stiegen die Löhne im verarbeitenden Gewerbe um rund 0,75 Prozent. Damit wurde dies von der Teuerung gleich wieder wegradiert. Die Aussichten für eine tatsächliche Reallohnerhöhung sind dafür 2019 intakt. Die erwarteten Lohnerhöhungen im verarbeitenden Gewerbe betragen um 0,93 Prozent. Im Vergleich dazu die erwartete Teuerung: 0,5 Prozent.

Vonwiller verweist aber auch auf zunehmende Konjunkturrisiken wie den ungelösten Handelsstreit zwischen den USA und China. Hohe Staatsschulden und das Tauziehen um Italiens Budget belasten die Finanzmärkte und könnten erneut eine Eurokrise aufflackern lassen. Viele Experten rechnen aber eher mit einer Abschwächung der Wachstumsdynamik und demzufolge einer Konsolidierung und der Rückkehr zu einem moderaten, aber soliden Wachstum, so Vonwiller.

Was bewirkt Steuervorlage 17?

Alljährlich lässt die AIHK auch nach dem Standort Aargau fragen. AIHKGeschäftsleiter Peter Lüscher fasst das Ergebnis so zusammen: Die Qualität des Unternehmensstandorts Aargau wird als gut eingestuft. Nur befriedigend ist hingegen die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal. Eine nicht neue Einschätzung. Im Industriesektor ist dieses Problem noch akzentuierter als bei den Dienstleistungen.

Die steuerliche Belastung wird derzeit als befriedigend bis gut wahrgenommen. Wie die Antworten dazu nächstes Jahr ausfallen, hängt laut Lüscher allerdings sehr davon ab, wie die Steuervorlage 17 (über die im Mai abgestimmt wird) auf kantonaler Ebene umgesetzt wird. An den Vorschlägen, die die Regierung unlängst in eine Vernehmlassung gegeben hat, hatte die AIHK jedenfalls einiges auszusetzen.

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