Kommt der Schlaf nicht, wird die Nacht zur Qual. Je näher das Klingeln des Weckers, desto grösser der Druck. Der Druck, endlich einschlafen zu müssen. Jeder vierte Schweizer leidet unter Schlafstörungen.

Der neueste SRF-Dok nimmt sich dieses Themas an. «Wenn der Schlaf ausbleibt – Szenen einer unruhigen Gesellschaft», lautet der Titel der Sendung, die heute Donnerstagabend ausgestrahlt wird. Darin erzählen vier Betroffene, wie sie mit schlaflosen Nächten zu kämpfen haben.

SRF Dok Trailer «Wenn der Schlaf ausbleibt»

Einer der Hauptprotagonisten ist Jürgen Sahli. Der Chefredaktor von Radio Argovia liess sich von Filmemacher Hanspeter Bäni begleiten – im Radiostudio, im Auto, im Schlafzimmer, in der Schlafklinik.

Der Dok beginnt am frühen Morgen in Sahlis Bett, nach einer langen Nacht mit kurzem Schlaf. «Ich bin schon seit 4 Uhr wach. Es ist nun 6 Uhr. Ich versuche, immer wieder einzuschlafen, aber irgendwie sind meine Gedanken bereits im Geschäft.»

Die Folgen des Schlafmangels

Der 61-Jährige ist nicht nur Chefredaktor, sondern auch stellvertretender Geschäftsführer und Programmleiter von Radio Argovia. Der erste Gedanke nach dem Aufwachen gelte der Arbeit, dem Terminkalender.

«Es gibt keine Übergangszeit. Ich würde lieber mal denken, wie das Wetter heute wird.» Die Kamera ist dabei, wenn Sahli bereits erschöpft in seinen langen Arbeitstag startet. Er sagt: «Ich wäre am Abend gerne mal so müde, wie ich am Morgen bin.» Hellwach sei er nie.

Für rund 50 Mitarbeitende trägt Jürgen Sahli die Verantwortung. Sie würden ihren Chef mögen, aber manchmal auch die Nebenwirkungen von dessen Schlaflosigkeit zu spüren bekommen, werden sie in der Sendung zitiert.

Er könne «dünnhäutig» werden, einen «Hang zum launisch sein» haben, lauten ihre Kommentare. Jürgen Sahli selbst sagt dazu: «Das ist eine dunkle Seite. Man explodiert plötzlich, ohne zu wissen, warum. In einem ausgeschlafenen Zustand würde das nicht passieren.» Zum Glück kämen diese Ausbrüche nicht häufig vor.

Ohne Hilfe kann er das Schlafproblem nicht lösen, das ist ihm bewusst. «Ich selber bringe es nicht auf die Reihe, mich so auszuruhen, wie ich müsste, um den Job zu machen und zu leben.»

Unterstützung holt er sich in der Klinik Barmelweid oberhalb von Aarau. Die Kamera begleitet ihn ins Schlaflabor. Sensoren am ganzen Körper erfassen Schlaf- und Wachphasen.

Die Infrarotkamera hält fest, wie sich Sahli im schmalen Laborbett hin und her wälzt. Am Morgen erklärt der Chefarzt die komplizierten Zahlen und Kurven, die nachts aufgezeichnet worden sind.

Das Hauptproblem zeigt sich deutlich: die vielen Wachphasen mitten in der Nacht. In diesen Momenten steigt der Druck, schlafen zu müssen. Kommt es regelmässig über Wochen, Monate oder gar Jahre dazu, brennt sich dies im Gehirn ein.

Das Bett wird nicht mehr mit Erholung, sondern mit quälenden Stunden verbunden. Deshalb rät der Mediziner: Wer nicht schlafen kann, soll aufstehen, das Schlafzimmer verlassen – und erst dann zurückkehren, wenn die Müdigkeit zurück ist.

«Spielt nicht den Helden»

In einer ambulanten Therapie hat Jürgen Sahli Techniken gelernt, um besser schlafen zu können. Heute – mit einigen Monaten Abstand – sagt er: «Ich glaube zu wissen, wie ich das Problem in Griff bekommen kann.»

Sein Rat an Betroffene: Die Schlafstörungen ernst und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. «Spielt nicht den Helden.» Von der Fernsehsendung erhofft er sich, dass mehr über das Thema gesprochen wird. «Es wäre cool, wenn Betroffene einen Anstoss dazu bekämen.»

SRF-Dok zum Thema Schlafstörungen: Heute Donnerstag, 20.05 Uhr auf SRF 1.