Lehrplan 21
Die Lehrer befürchten, dass sie weniger wichtig werden als Lehrbücher

In fünf Jahren will der Kanton die Schulreform umsetzen. An einer Podiumsdiskussion mit Bildungsdirektor Alex Hürzeler diskutierten Gegner und Befürworter heftig. Viele Lehrer stört, dass der Lehrplan 21 stärker auf selbstständiges Lernen setzt.

Bastian Heiniger
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Im Kanton Zürich soll eine Abstimmung über den Lehrplan 21 abgehalten werden (Themenbild).

Im Kanton Zürich soll eine Abstimmung über den Lehrplan 21 abgehalten werden (Themenbild).

Keystone

Im Saal herrscht dicke Luft. An der Kantonsschule in Wettingen ist der Lehrplan 21 auf einem Podium heftig diskutiert worden – obwohl es noch eineinhalb Jahre dauert bis zur Volksabstimmung und der Kanton den neuen Lehrplan erst in fünf Jahren einführen wird.

Auf dem von der CVP Aargau organisierten Podium trafen drei Befürworter und eine Gegnerin aufeinander. Elfy Roca vom Initiativkomitee «Nein zum Lehrplan 21» erhielt dabei Unterstützung aus dem 40-köpfigen Publikum, das sich weitgehend aus merklich angespannten Lehrern zusammensetzte.

Doch warum sorgt die Schulreform überhaupt für Unmut? Wie Bildungsdirektor Alex Hürzeler in seinem Einführungsreferat festhielt, handle es sich bei dem 470-seitigen Papier um «einen Kompass zur Orientierung, nicht um ein Gesetzbuch».

Zudem sei noch gar nicht entschieden, wie die aargauische Umsetzung des Lehrplans 21 konkret aussehe. Denn, obwohl dieser die Deutschschweizer Schulen harmonisieren soll, haben die Kantone einigen Spielraum: Sie entscheiden über Lektionentafeln, Fremdsprachen, ergänzende Fächer und den Zeitpunkt der Einführung.

Schulunterricht wird individuell

Doch nicht nur im Aargau erhält die Reform Gegenwind. «Bereits in 13 Kantonen versuchen Lehrer und Eltern, den neuen Lehrplan zu verhindern», sagte Elfy Roca, die selber seit 35 Jahren unterrichtet. An dem Podium wird klar, warum: Viele Lehrer stört, dass der Lehrplan 21 stärker auf selbstständiges Lernen setzt.

Der Schulunterricht würde individueller. Lehrer verlieren dann an Bedeutung, die Lehrmittel aber werden wichtiger. An dem Abend fiel somit wieder und wieder ein Begriff: Konstruktivismus. Dieser geht davon aus, dass jeder Mensch sein Wissen vorwiegend selber aufbauen muss. «Schwache Kinder bleiben dann auf der Strecke», erklärte Roca im Gespräch nach dem Podium.

Elfy Roca, Initiativkomitee «Nein zum Lehrplan 21» sagt: «In 13 Kantonen versuchen Lehrer und Eltern, den Lehrplan zu verhindern.»

Elfy Roca, Initiativkomitee «Nein zum Lehrplan 21» sagt: «In 13 Kantonen versuchen Lehrer und Eltern, den Lehrplan zu verhindern.»

AZ

Ein Befürworter der Schulreform ist Kurt Wiedemeier, Rektor der Kanti Wettingen. «Wenn sich eine Gesellschaft weiterentwickelt, muss von Zeit zu Zeit auch der Lehrplan wechseln», sagte er. An der Kantonsschule unterrichteten die Lehrer seit drei Jahren kompetenzorientiert. Kompetenzen, auch das ein häufig genutzter Begriff in der Debatte.

Die Gegner versteigen sich dazu, dass Schüler gemäss Lehrplan 21 mehr können und weniger wissen müssten. Für den Kanti-Rektor ist klar: «Kompetenzen sind ein Zusammenspiel von Wissen, Können und Wollen.»

Kanton Aargau im Alleingang?

Doch was, wenn die Initiative gegen den neuen Lehrplan durchkommt? «Macht der Aargau dann einen Alleingang?», wollte az-Autor Hans Fahrländer, der Moderator, von Elfy Roca wissen. Nicht unbedingt. Sie hoffe, dass dann auch in anderen Kantonen die Initiativen erfolgreich sein würden.

Alex Hürzeler entgegnete darauf: «Wir werden so oder so einen neuen Lehrplan einführen in fünf Jahren.» Nur: Werde die Initiative angenommen, «müssten wir halt viel Geld ausgeben für Anpassungen».

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