Kolumne

Die Last des Vornamens: Wer Hans heisst, hat es nicht einfach

Ein Leben als Hans ist nicht einfach, sagt Hans Fahrländer.

Ein Leben als Hans ist nicht einfach, sagt Hans Fahrländer.

Unser Kolumnist Hans Fahrländer macht sich Gedanken über seinen Vornamen, der im Gegensatz zu anderen traditionellen Namen kein Revival erlebt.

Bedenkliches war während meiner Ferien zu lesen. Nein, ich rede nicht von den Cryptoleaks, die das Erfolgsmodell «Schweizerische Neutralität» ins Wanken bringen. Und auch nicht vom Corona-Virus, die das Erfolgsmodell «Chinesisches Wirtschaftswunder» ins Wanken bringt. Ich rede von der schmählichen Herabsetzung des gutbürgerlichen Namens Hans.

Forscher haben herausgefunden: Enkeltrick- und andere Betrüger suchen ihre Opfer aufgrund des Vornamens aus. Sie durchforsten das Telefonbuch – wenn sie auf einen Hans stossen, beginnen ihre Augen gierig zu flackern. Denn sie wissen: Hinter diesem Namen steht zumeist ein vertrottelter Alter, den man leicht übers Ohr hauen kann.

Ein Leben als Hans ist wahr-lich nicht einfach. Die meisten faulen Witze handeln ja vom Hansli. Und jetzt auch noch dies. Andere traditionelle Namen gelten heute wieder als cool. Nur der Hans, der schafft kein Revival. Mein früherer Redaktionskollege Hans Lüthi hatte allerdings eine andere Erklärung für das langsame Aussterben der Hansen: «Sie kriegen heute dieses Erfolgsmodell einfach nicht mehr richtig hin.»

Das neue Regierungsmitglied, das wir im Herbst wählen müssen, heisst sicher nicht Hans. Heisst es Marco? Oder Dieter? Oder vielleicht doch Yvonne? Diese verflixte Frauenfrage! Als bürgerlich sozialisierter Hans meine ich natürlich: Zuvorderst steht die Eignungsfrage, nicht das Geschlecht. Bloss, ist es nicht bedenklich, wenn für weitere Jahre 51 Prozent der Bevölkerung in der Regierung nicht vertreten sind? In der Verantwortung für diese Frage steht halt in der aktuellen Konstellation primär die SP.

Besonders pikant ist die Situation dabei für Yvonne Feri. Zwei Niederlagen hat sie schon im Gepäck, 2016 gegen Franziska Roth, 2019 gegen Jean-Pierre Gallati. Ein drittes Mal tritt «man» normalerweise nicht an. Aber stehen die Wahlchancen für Feri diesmal nicht ungleich besser?

Da sind natürlich noch die Ambitionen der erfolgsverwöhnten Grünen. Die Beteuerung, ihre Kandidatur richte sich «nicht gegen die SP», ist etwas grünäugig. Eine Beschädigung der roten Kandidatur durch die grüne ist möglich bis wahrscheinlich. Nationalrätin Yvonne Feri hat dieser Tage wahrlich keinen leichten Entscheid zu fällen.

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