Landfrauen

Die Landfrauen sind die Botschafterinnen vom Land

Die Delegierten der Aargauer Landfrauen tagten bei Kaffee und Zopf und waren sich immer einig. WUA

Die Delegierten der Aargauer Landfrauen tagten bei Kaffee und Zopf und waren sich immer einig. WUA

Das Image der Aargauer Landfrauen ist gut. Und die Botschaft der Frauen in Trachten zudem brandaktuell. An der Delegiertenversammlung in Wallbach hörte sich die Aargauer Zeitung bei den Landfrauen in Trachten um.

Die Aargauer Landfrauen treffen sich nicht in der Stadt. Ihre Delegiertenversammlung fand in Wallbach statt, einem Dorf am Rhein, wo die Menschen sich grüssen und der Kaffee aus Tassen und nicht aus Pappbechern zum Mitnehmen getrunken wird.

Und doch waren die 95 Landfrauen ein spezieller Anblick für die Wallbacher. «Irgendwie noch herzig», sagte eine alte Frau und blickte einem Grüppchen Frauen in Trachten nach, die in Richtung Gemeindesaal verschwanden.

Stimmenzähler braucht es nicht

Die Landfrauen: Sitzt man unter ihnen, beneidet man sie ein bisschen. Diese Frauen wissen, wie Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt, sie können anpacken und sehen hübsch aus in ihren Trachten.

Die höchste aller Landfrauen im Aargau ist Helen Schreiber aus Wegenstetten. Sie ist herzlich, wie alle Frauen, die kurz vor Beginn der Delegiertenversammlung noch Zopf essen und Kaffee trinken.

Begonnen hat das Jahr der Aargauer Landfrauen allerdings traurig. Die Geschäftsführerin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands ist im Januar unterwartet im Alter von 48 Jahren gestorben.

«Regula, vielleicht schaust du ja vom Himmelsbänkli jetzt auf uns Landfrauen runter. Danke für alles, was du für uns geleistet hast», sagt Präsidentin Schreiber. Einige Landfrauen wischen sich Tränen aus den Augen.

Dann werden die Stimmenzählerinnen gewählt. Brauchen wird man sie nicht.

Die Landfrauen stimmen einstimmig allem zu: Dem Mitgliederbeitrag von 13.50 Franken, der Jahresrechnung, die einen Gewinn aufweist, dem Budget, das auch Geld für Landfrauen in Not vorsieht. Es wird geklatscht und gedankt und wieder geklatscht.

Doch was tun die Landfrauen eigentlich das ganze Jahr? Zwei junge Bäuerinnen aus Fenkrieden geben Auskunft. Trachten tragen sie übrigens keine, haben es noch nie getan.

In Fenkrieden treffen sich die Landfrauen sechsmal im Jahr. Sie spazieren, trinken Kaffee, einige walken gemeinsam und man sei einander auch Stütze in schwierigen Lebensphasen.

Landfrauen sind viel draussen

Einmal im Jahr gibt es ein Racletteessen, wo auch die Männer dabei sind.

Was unterscheidet denn Land- von Stadtfrauen? Irene Huber und Kathrin Krummenacher überlegen kurz und sagen dann: «Wir sind richtig viel draussen und wir haben ein ländliches Denken.» Das will heissen, ein unkompliziertes Denken.

Die Landfrauen wissen um saisonale Produkte und die Entstehung von Nahrungsmitteln. «Wir sind tief verwurzelt mit der Natur und unserer Heimat», sagt Schreiber.

Landfrauen seien darum Botschafterinnen für den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln. Politisch setzten sie sich dafür ein, dass an Aargauer Schulen weiterhin Wert auf handwerkliche Fächer wie Hauswirtschaft gelegt wird.

Die Veranstaltungen des Kantonalverbands seien gut besucht. Nur ein Anlass musste letztes Jahr abgesagt werden, ein Vortrag über die Rechte und Chancen von Frauen. Das interessierte die Landfrauen irgendwie nicht.

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