Seit 18 Monaten sitzen die beiden Haupttäter des Badener-Einbrecherrings in einer Einzelzelle. Am Dienstag standen sie zusammen mit drei weiteren Bandenmitgliedern vor den Richtern des Bezirksgericht Badens. Umringt von all den Menschen, in deren Häuser und Wohnungen sie eingedrungen sind. Denen sie nicht nur Schmuck und Bargeld, sondern auch Sicherheitsgefühl und geliebte Erinnerungsstücke raubten. Die fünf Männer waren Freunde, teils sogar Schulfreunde – und vor Gericht ziemlich kleinlaut.

Badener Einbrecherbande muss sich vor Gericht verantworten

Badener Einbrecherbande muss sich vor Gericht verantworten

Der Boss

Jadran* (32) war der Chef der Bande. 79 Mal ist er eingebrochen. Deliktsumme: 1,1 Millionen Franken. Der Sachschaden, den der Drahtzieher mit dem Schraubenzieher hinterliess: 110'000 Franken. Jadran: Ein 32-jähriger Mann, schulterlanges gelocktes Haar, bewegt während der Verhandlung oft die Lippen, als ob er betete. Jadran kam mit 17 Jahren infolge des Familiennachzugs aus Mazedonien in die Schweiz. Lebte vor der Verhaftung mehr als sechs Jahren von der Sozialhilfe. Er war spielsüchtig.

An manchen Abenden verzockte er nach eigenen Angaben bis zu 10'000 Franken. «Spielen war mein Beruhigungsmittel», sagt er vor Gericht. Eingebrochen sei er um, möglichst schnell an Geld zu kommen. So verzockte er am Abend im Casino Baden, was er am Tag zuvor zusammengestohlen hatte. Jadrans Anwalt stellte vor Gericht den Antrag auf ein psychiatrisches Gutachten bezüglich der Spielsucht. Das Gericht gab diesem Antrag statt. Es wird mindestens ein halbes Jahr dauern, bis dieses Gutachten vorliegt. Das Urteil ist erst dann möglich. In der Anklageschrift fordert der Staatsanwalt eine 6½-jährige Freiheitsstrafe.

Der Dreiste mit zwei Gesichtern

Bojan* (24) war bei 47 Einbrüchen dabei. Deliktsumme: über eine halbe Million. Sachschaden: 64 000. Der Serbe sprach leise, verkroch sich hinter seinen Händen. In der Untersuchungshaft randalierte er zweimal in seiner Zelle. Er war es auch, der die Bande auffliegen liess, weil er seiner Mutter einen Ring aus der Beute schenkte. Dummerweise war seine Mutter dort Putzfrau, wo ihr Sohn eingebrochen war. Die Besitzerin erkannte ihren Ring. Als Bojan zu einer Einvernahme bei der Polizei eingeladen wurde, leugnete er alles – am gleichen Abend brach er ins nächste Haus ein. Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe von 5½ Jahren. Bojans sagte: «Ich bereue es mega, es tut mir leid. Ich hoffe die Geschädigten könne ohne Angst weiterleben.»

Der Dicke, der plötzlich dünn war

Petar* (29) wog damals beinahe 200 Kilo. Der Mazedonier sass während der Einbrüche meist im Auto und stand Schmiere oder suchte die Einbruchobjekte aus. Zum Beispiel so: Ein Ehepaar fährt mit dem Auto zum Nachtessen im Restaurant. Petar checkt die Autonummer im online verfügbaren Index des Strassenverkehrsamtes. Die Adresse gibt er dann auf «Google Earth» ein und entscheidet dann, ob es lohnenswert ist. «Ich war unglücklich damals. Ich ass, um meine Probleme zu vergessen.» Eigentlich sei Petar bloss ein Mitläufer, kein aktives Bandenmitglied, meinte sein Verteidiger. Und um zu zeigen, dass Petar ein anderer Mensch geworden war, liess er ihn aufstehen – über 100 Kilo hatte er mithilfe eines Magenbands abgenommen. Petars Deliktsumme: 155'000 Franken.

Auch Kosta* (38), der ehemalige Kiffer, war laut seiner Verteidigerin nur ein kleiner Gehilfe. Auch die Deliktsumme des Serben beläuft sich auf 310'000 Franken. Kosta hat drei Kinder, das jüngste ist ein paar Tage alt.

Und dann ist da noch der Senior der Bande. Josip*, ein 49-jähriger Kroate, der sich bei einem Besuch in der Schweiz an acht Einbrüchen beteiligte. Sein Verteidiger sagte: Im Gegensatz zu den anderen, vor allem Jadran, war der Kroate bloss Aufpasser, der für ein Taschengeld arbeitete. Dass alle die Hauptschuld Jadran gaben und jeder sich als kleinster, aller kleinen Gehilfen bezeichnete, ärgerte den Staatsanwalt. Er fordert für Petar, Kosta und Josip je 3½ Jahre. «Die hier Anwesenden waren allesamt vollwertige Mitglieder der Bande. Sie wurde nur gestoppt, weil sie verhaftet wurden.» Die Urteile folgen am Donnerstag.*Namen geändert