Gesundheitswesen

Die Katholische und die Reformierte Landeskirche führen die Seelsorge künftig zusammen

Nach der Vertragsunterzeichnung (von links): Catherine Berger, Luc Humbel, Christoph Weber-Berg und Christoph Sterkman.

Nach der Vertragsunterzeichnung (von links): Catherine Berger, Luc Humbel, Christoph Weber-Berg und Christoph Sterkman.

In Institutionen, die mehr als 150 Betten haben, wirken die Seelsorgerinnen und Seelsorger in Zukunft im Namen beider Konfessionen.

Die Reformierte Landeskirche und die Römisch-Katholische Kirche gehen im Aargau im Bereich der Seelsorge im Gesundheitswesen eine Zusammenarbeit ein, wie sie bisher in der Schweiz einzigartig ist. In Institutionen ab 150 Betten werden die Seelsorgestellen gemeinsam geführt.

Die reformierten oder römisch-katholischen Seelsorgerinnen und Seelsorger wirken im Namen und Auftrag beider Konfessionen. Auf besonderen Wunsch der Patientinnen oder Patienten kann aber auch ein Seelsorger der eigenen Konfession aufgeboten werden.

Der entsprechende Zusammenarbeitsvertrag wurde von den Präsidien der Römisch-Katholischen Kirche und der Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau, Luc Humbel und Christoph Weber-Berg sowie von Christoph Sterkman, Bischofsvikar des Bistums Basel, unterzeichnet. Die Unterzeichnung fand in einem offiziellen Rahmen im Andachtsraum des Kantonsspitals Aarau statt.

Luc Humbel erinnerte daran, dass die Krankenseelsorge seit je ein Kerngeschäft der Kirche gewesen sei; dass es auch die Kirche war, welche im Mittelalter die Spitäler gebaut und betrieben habe. Die ökumenisch verantwortete Seelsorge, die von nun an im Aargau praktiziert werde, geschehe nicht aus einer Not heraus, sondern aus Überzeugung und einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Verantwortung. Im Mittelpunkt stehe längst nicht mehr die Konfession, sondern der Mensch, der Hilfe brauche.

Gemeinsame Führung und Finanzierung

Catherine Berger, Kirchenrätin der Reformierten Landeskirche, wies auf die Bedeutung der Spiritualität im Heilungsprozess von Krankheiten hin; dass eine adäquate Seelsorge dazu beitragen kann, die Krankheit zu besiegen. So habe auch die Weltgesundheitsorganisation WHO Spiritualität als eine Dimension der Gesundheit definiert.

Neben der gemeinsamen strategischen und operativen Leitung werden die Stellen auch gemeinsam finanziert; auch bei Bewerbungen und Anstellungen wollen die Kirchen gemeinsam vorgehen. Damit bilden sie auch eine gemeinsame Grundlage für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Seelsorge, zum Beispiel durch Fortbildung.

Die ökumenische Seelsorge kann in den Institutionen und deren internen Abläufe besser integriert werden und ist so für kranke und sterbende Menschen wie auch für die Mitarbeitenden der Institutionen besser verfügbar. So gibt es künftig nur noch eine Ansprechperson.

Wenn nun aber jemand eine spezifische Dienstleistung möchte, die beispielsweise nur ein katholischer Priester erbringen kann, werde selbstverständlich ein katholischer Priester gerufen, versicherte Bischofsvikar Christoph Sterkman. Die beiden Landeskirchen organisieren die Seelsorge in 25 Einrichtungen im Kanton Aargau.

Kosten von drei Millionen Franken pro Jahr

Sie begleiten dabei jährlich rund 5540 Menschen durch Krankheit und Krisen und beim Sterben. In den kantonalen Einrichtungen werden durch die Seelsorgenden zudem jährlich über 200 Notfalleinsätze geleistet. Diese Aufgaben teilen sich über 30 Seelsorgerinnen und Seelsorger mit total 1800 Stellenprozenten.

Sie verfügen alle über eine theologische Ausbildung und die notwendigen fachlichen Zusatzqualifikationen. Für die Seelsorge im aargauischen Gesundheitswesen wenden die beiden Landeskirchen gemeinsam drei Millionen Franken pro Jahr auf.

Die ökumenische Zusammenarbeit sei nicht ökonomisch begründet, erklärte Luc Humbel; das neue Modell sei eher teurer. Es gehe viel mehr darum, dass mit den gebündelten Ressourcen mehr Menschen erreicht werden können.

47 Prozent der seelsorgerisch betreuten Menschen sind konfessionslos. Da müsse man sich schon Gedanken machen, ob die Kirchen auch diese Kosten für die Seelsorge vollumfänglich tragen müssten, sagte Catherine Berger, Kirchenrätin der reformierten Landeskirche. Andere Kantone wie etwa Solothurn beteiligen sich an den Kosten oder übernehmen sie sogar vollumfänglich.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

Meistgesehen

Artboard 1