Gesundheit

Die Kantonsspitäler haben den Kardiologie-Streit beigelegt – doch jetzt arbeiten fünf Herzspezialisten mehr im Aargau

Die Aargauer Kantonsspitäler haben ihren Kardiologie-Streit beigelegt, doch nun prüft der Kanton eine mögliche Überversorgung. (Symbolbild)

Die Aargauer Kantonsspitäler haben ihren Kardiologie-Streit beigelegt, doch nun prüft der Kanton eine mögliche Überversorgung. (Symbolbild)

Die Kantonsspitäler Aarau und Baden sind einer juristischen Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen und haben ihren Kardiologie-Streit beendet. Die Folge: Im Kanton Aargau arbeiten jetzt fünf Herzspezialisten mehr als bei Ausbruch des Streits.

Zuerst kündigten am Kantonsspital Aarau (KSA) im Sommer 2019 fünf Kardiologen, dann kündigte das Kantonsspital Baden (KSB) im September den Kooperationsvertrag mit dem KSA für die invasive Kardiologie. Die fünf Ärzte wechselten zur Hirslanden Klinik, das KSB arbeitete fortan bei der Kardiologie mit diesem Privatspital zusammen.

In Aarau löste dies Verstimmungen aus. Man könne und wolle die Kündigung nicht hinnehmen, sagte Sprecherin Isabelle Wenzinger gegenüber dem Branchenportal Medinside. Der bestehende Kardiologie-Vertrag sei leistungs- und nicht personenbezogen, zudem habe er eine fixe Laufzeit bis Ende 2021. «Es wird keine verkürzte Laufzeit akzeptiert», sagte die KSA- Sprecherin damals. Medinside spekulierte, dass es zwischen den beiden Kantonsspitälern zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen könnte.

Spitäler einigen sich auf Druck der Regierung

Soweit kommt es nicht: Die beiden Kantonsspitäler haben den Kardiologie-Streit, der auch die GLP-Fraktion im Grossen Rat zu einem Vorstoss veranlasste, laut einer Mitteilung der Staatskanzlei gütlich beigelegt. Zu einem Verzicht auf rechtliche Schritte und einer Kooperation zwingen konnte die Regierung die Spitäler nicht, obwohl diese vollständig im Besitz des Kantons sind.

Über die Strategie von KSA und KSB würden die beiden Verwaltungsräte entscheiden, steht in der Antwort zum GLP-Vorstoss. «Der Kanton hat rechtlich keine Möglichkeit, die Kooperation der Kantonsspitäler durchzusetzen», sagt Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, auf Nachfrage. Der Regierungsrat habe bei Gesprächen mit den Spitalverantwortlichen darauf hingewirkt, «dass sich KSA und KSB gütlich einigen».

Kanton überprüft die Zahl der Kardiologie-Eingriffe

Derweil liess der Kanton die Kardiologie-Situation im Aargau überprüfen. Die Resultate zeigen, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist und die Vorgaben der Leistungsaufträge eingehalten werden. «Aufgrund der zusätzlichen im Aargau tätigen Kardiologen kann es künftig jedoch zu einer Überversorgung kommen», teilt die Staatskanzlei mit. Dies, weil die freien Stellen der fünf beim Kantonsspital Aarau nach den Kündigungen wieder besetzt wurden.

Das kantonale Gesundheitsdepartement startet deshalb ein Monitoring zu den Fallzahlen in der Kardiologie und Herzchirurgie. «Wir werden bis zur nächsten Ausschreibung der Spitalliste Akutsomatik im Jahr 2022 sehr genau hinschauen», kündigt Hürlimann an. Man werde dabei prüfen, «ob die Zahl der kardiologischen Eingriffe statistisch bedeutsam ansteigt oder ob Eingriffe durchgeführt werden, ohne dass dies nötig wäre».

Dabei stelle sich die grundsätzlich Frage, welche Eingriffe stationär gemacht werden müssten und welche ambulant möglich wären. «In begründeten Fällen werden wir auch die Rückforderung von Leistungen in Betracht ziehen», sagt Hürlimann.

Begrenzung der Fallzahlen könnte ein Thema werden

Wäre es möglich, angesichts der drohenden Überversorgung die Zahl der kardiologischen Eingriffe zu begrenzen? Kurzfristig könne das Departement einem Spital keine solche Obergrenze verordnen, sagt Hürlimann. Die Massnahme der Höchstfallzahlen werde mit Blick auf die neue gesundheitspolitischen Gesamtplanung aber grundsätzlich zu diskutieren sein. «Gegebenenfalls könnten Höchstfallzahlen für die nächste Spitalliste zum Thema werden», sagt die Leiterin der Gesundheitsabteilung.

Der zuständige Regierungsrat, SVP-Vertreter Jean-Pierre Gallati, hatte diesen Vorschlag bereits im Wahlkampf eingebracht. Auf Gallatis Webseite sind bei den «Ideen für das DGS» unter anderem diese Punkte aufgeführt: «Mengenrichtwerte mit den Spitälern vereinbaren / Mengenziele inkl. Qualitätsziele mit den Spitälern vereinbaren (kombiniert mit Anreizen Bonus/Malus).»

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