Grossratswahlen
Die Kandidatinnensuche für den Herbst verläuft harzig

Ob der tiefe Frauenanteil nach den Wahlen im Herbst steigen wird, ist fraglich. Bürgerliche wie linke Parteien haben es verpasst, längerfristig Kandidatinnen aufzubauen. Trotzdem: Eine Frauenquote stösst auf Ablehnung.

Fabian Muster
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Im Wahljahr haben mit der FDP und der SVP gleich zwei Frauengruppierungen ihr Präsidium ausgewechselt. Für frischen Wind ist gesorgt. Den haben die Aargauer Frauen bitter nötig. Nach den letzten Grossratswahlen 2009 betrug der Frauenanteil im Kantonsparlament gerade noch 26,4 Prozent. Das sind 10 Prozentpunkte weniger als 2005 und 2,6 Prozent weniger als 2001 – damals hatte das Parlament sogar noch 200 Sitze. Derzeit liegt der Anteil wegen diverser Wechsel bei 27,1 Prozent.

Martina Sigg, FDP «Es ist schwierig, Frauen zu finden, die sich zur Verfügung stellen. Wir sind bisher überhaupt noch nicht zufrieden.»
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Gertrud Häseli, Grüne «Frauen als Kandidatinnen zu gewinnen ist kein Problem, weil unsere Themen immer auch Frauenthemen sind.»
Maya Frey (SVP): Die heutige Definition beibehalten. «Es gibt zu wenig Frauen, die sich als Kandidatinnen aufstellen lassen. Wir müssen ein Netzwerk aufbauen.»

Martina Sigg, FDP «Es ist schwierig, Frauen zu finden, die sich zur Verfügung stellen. Wir sind bisher überhaupt noch nicht zufrieden.»

AZ

Martina Sigg hat als neue FDP-Frauen-Präsidentin bei ihrer Wahl im März die Absicht kundgetan, mit den Frauen aus allen Bezirken einen aktiven Grossrats-Wahlkampf führen zu wollen. Knapp zwei Monate vor Eingabe der Wahllisten bei der Staatskanzlei zieht sie ein ernüchterndes Fazit: «Es ist schwierig Frauen zu finden, die sich zur Verfügung stellen. Wir sind bisher überhaupt noch nicht zufrieden.» Sie schätzt, dass der Frauenanteil aller FDP-Kandierenden bei rund 30 Prozent liegt. In Bezirk Brugg, in dem sie selbst erneut antritt, sind 3 von 11 Kandidaten Frauen. Sigg ist selbstkritisch und ortet das Problem bei den zu kurzfristigen Anfragen. «Es ist natürlich schlecht, wenn wir erst im Wahljahr mit der Suche nach Kandidatinnen beginnen.» Damit das nicht mehr passiert, will sie ein Netzwerk aufbauen. So sollen Frauen sich austauschen und gegenseitig für die politische Arbeit motivieren.

Ebenfalls noch nicht zufrieden zeigt sich Maya Frey, die seit Februar neu den SVP Frauen vorsteht. «Es gibt zu wenig Frauen, die sich als Kandidatinnen aufstellen lassen.» Auch sie will längerfristig ein Netzwerk aufbauen, um geeignete Frauen schon früher mit dem Gedanken einer Kandidatur vertraut machen zu können. Ein grösserer Frauenanteil ist auch für sie wünschbar. Trotzdem sagt sie: «Die SVP-Frauen haben keine Spezialbehandlung nötig und wünschen dies auch nicht.» Die SP ist ebenso in Sachen Frauen noch nicht auf Kurs. Das Ziel, möglichst ausgeglichene Listen zu präsentieren, haben die Linken bisher nicht erreicht.

Es gibt zwei Hauptgründe

Einzig die CVP hat laut Frauenpräsidentin Evelyne Wernli bereits «recht volle Wahllisten». In Bezirk Baden sieht die Situation zum Beispiel besser aus als bei den letzten Wahlen. Statt nur 4 wie 2009 gibt es bereits jetzt 8 Kandidatinnen für die 30er-Liste.

Alle Präsidentinnen machen dieselben zwei Hauptgründe geltend, wieso die Frauen sich nur zurückhaltend als Grossrats-Kandidatinnen aufstellen lassen: die zeitlich schwierige Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Politik sowie das mangelnde Selbstvertrauen. «Uns fehlt die Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen», sagt SP-Frauenpräsidentin Ursula Nakamura. Trotzdem kann sich niemand für eine Frauenquote erwärmen. Auch einen bevorzugten Platz auf der Wahlliste wollen die Frauen nicht.

Nur die Grünen, die in Sachen Frauen sowieso in einer anderen Liga mitspielen, kennen das Zebra-System. Frauen und Männer sind abwechselnd auf der Wahlliste aufgeführt. Die einzige aller Parteien, bei der eine Mehrheit der Grossräte bereits heute Frauen sind, kennt zudem keine Rekrutierungsprobleme. «Frauen als Kandidatinnen zu gewinnen, ist kein Problem, weil unsere Themen immer auch Frauenthemen sind», sagt Gertrud Häseli, die Präsidentin der Grünen. Bezeichnenderweise hat die Partei auch keine spezielle Frauengruppierung.

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