FDP Aargau

Die Hausärzte sind vom Aussterben bedroht

Von links: Podiumsleiter und Grossrat Titus Meier (Brugg), Hausarzt Heinrich Zürcher (Lenzburg) von Argomed-Ärzte, Paul Rhyn (Bremgarten) vom Krankenkassen-Verband Santésuisse und Fabian Vaucher (Buchs), Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes. André Albrecht

Von links: Podiumsleiter und Grossrat Titus Meier (Brugg), Hausarzt Heinrich Zürcher (Lenzburg) von Argomed-Ärzte, Paul Rhyn (Bremgarten) vom Krankenkassen-Verband Santésuisse und Fabian Vaucher (Buchs), Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes. André Albrecht

An der traditionellen Rheinfelder Tagung befasste man sich mit der Zukunft des Gesundheitswesens. Die Ärzteschaft ist besorgt: Ein Drittel der Hausärzte wird in den nächsten Jahren aufhören.

Mit der wuchtigen Ablehnung von Managed Care sind dringend nötige Reformen im Gesundheitswesen erneut auf die lange Bank geschoben worden. Dabei wüssten die Beteiligten sehr wohl, was man rasch ändern könnte und auch müsste, um die Effizienz zu verbessern und die Kosten zu senken. Das muss nicht zulasten des Patienten gehen, ganz im Gegenteil: Die Qualität der medizinischen Versorgung könnte gesteigert werden, wenn die eine Hand vermehrt wüsste, was die andere tut.

Bei der immer stärkeren Spezialisierung müsste der Wissenstransfer viel besser funktionieren, was offensichtlich nicht der Fall ist. Darin sind sich Vertreter von Krankenkassen, Hausärzten und Apothekern einig, wie die traditionelle Rheinfelder Tagung der FDP Aargau am Samstag klar zeigte.

Integrierte Versorgung nötig

Das warme Wetter hielt gegen 50 Freisinnige nicht davon ab, einen halben Tag im Gasthaus Schützen in Rheinfelden für die gesundheitspolitische Standortbestimmung aufzuwenden. Bei der Versorgung, den Kosten und der Lebenserwartung steht die Schweiz an der Spitze. Viel Geld in das Gesundheitswesen zu pumpen, verbessert die Gesundheit der Menschen nicht zwingend, wie Vergleiche mit anderen Ländern zeigen. «Wir haben einen Reformstau, zu viele Akutspitäler und zu wenig für Chronischkranke», sagte Paul Rhyn, Leiter Politik und Kommunikation beim Krankenkassenverband Santésuisse.

«Die Integrierte Versorgung ist der Schlüssel», aber der Begriff müsse noch mit Leben gefüllt werden. Eine bessere Vernetzung in der ganzen Behandlungskette bringe mehr Effizienz und weniger Fehler. Unter dem Strich bedeute das mehr Qualität und tiefere Kosten. Rhyn sagt Nein zur Hausarzt-Initiative und hofft mit dem Masterplan des Bundesrates auf innovative Modelle.

Hausärzte sind am Aussterben

Hausarzt Heinrich Zürcher, Leiter Kommunikation bei den Argomed- Hausärzten, konnte aus dem Nähkästchen plaudern. Aber nichts Gutes: Ein Drittel der Hausärzte wird in den nächsten Jahren aufhören. Junge kommen kaum nach, weil die Bedingungen überhaupt nicht attraktiv sind. Die Überalterung der Gesellschaft führe zu Mehrfach-Krankheiten, das System aber sei zu wenig durchlässig. Oft werde noch mit Briefen und Fax kommuniziert, nötig aber sei ein elektronisches Patienten-Dossier, das der behandelnde Arzt im Notfall bei Einverständnis abrufen könne. Zürchers Fazit: Es brauche mehr Hausärzte und eine integrierte Versorgung. «Das ist keine Billigmedizin, aber die Kosten steigen weniger stark.»

Bessere Triage via Apotheken

Als Dritte im Bund plädiert auch Grossrätin Martina Sigg, Apothekerin in Schinznach-Dorf, für eine integrierte Versorgung, weil viele Schnittstellen nicht funktionieren. «Heute haben wir Doppelspurigkeiten, Behandlungsfehler und Todesfälle in den Spitälern wegen falscher Medikamente», kritisierte Sigg. Die Apotheken hätten lange Öffnungszeiten und einen Notfalldienst, aber viele Patienten müssten wegen Kleinigkeiten zum Arzt oder suchten direkt das Spital auf.

Fazit: Das Potenzial für Synergien wäre vorhanden, man müsste es nur endlich nutzen. Der Hausarzt Heinrich Zürcher schätzt, das zehn Prozent seiner Patienten gut in der Apotheke behandelt werden könnten.

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