Jagdpacht
Die Grünröcke von «Viola» nehmen es mit den Schwarzkitteln auf

Die Jagdgesellschaft «Viola» stellt sich der Herausforderung: Die zwei Reviere im unteren Fricktal, die von den Jägern aufgegeben wurden, weil sie den Wildschweinschäden nicht Herr wurden, sind neu verpachtet.

Urs Moser
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Wildschweine richten auf Feldern grosse Schäden an und sind schwierig zu bejagen.

Wildschweine richten auf Feldern grosse Schäden an und sind schwierig zu bejagen.

Im März kam es zum Eklat: Der Kanton griff erstmals und im maximal möglichen Umfang zu Sanktionen gegen eine Jagdgesellschaft.

Die Pächter der Reviere Olsberg-Nord und Rheinfelden-West sollten statt den üblicherweise auf 25 Prozent des Jahrespachtzinses begrenzten Anteil sämtliche, den Kantonsanteil von drei Vierteln des Jahrespachtzinses übersteigende Kosten für Wildschweinschäden übernehmen.

Die Jagdverwaltung befand, dass die Grünröcke ihren Pflichten zur Bejagung der Schwarzkittel nicht ausreichend nachgekommen waren. Das wäre gehörig ins Geld gegangen, in die Zehntausende. Die Jagdgesellschaft «Berg» löste sich auf, um den Forderungen zu entgehen. Die Reviere wurden zur Neuverpachtung ausgeschrieben.

Jetzt hat sich eine Jagdgesellschaft gefunden, die sich den Anforderungen des «Massnahmenplans Wildschwein» gewachsen fühlt. Die beiden Reviere im unteren Fricktal wurden auf Stufe 2 gesetzt.

Sie wird erreicht, wenn der Wildschweinschaden 200 Prozent des Jahrespachtzinses für ein Jagdrevier übersteigt.

Der Massnahmenplan gibt keine Abschussquoten vor, definiert aber bestimmte Rechte und Pflichten bei der Art der Bejagung in Gebieten mit besonders starkem Wildschweinaufkommen.

Den Zuschlag für beide Reviere erhielt die Jagdgesellschaft «Viola». Sie ist von der Jagdverwaltung unter zwei Bewerbern für das Revier Olsberg-Nord und fünf Bewerbern für das Revier Rheinfelden-West ausgewählt worden, wo die Wildschweinplage nicht ganz so gross ist.

Man habe beide Reviere an eine einzige Jagdgesellschaft verpachten wollen, weil die Wildschweinjagd grossflächig ablaufe, sagt dazu Alain Morier, Leiter Abteilung Wald im Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Die Pachtzinse für die Jagdreviere (für die besagten sind es rund 9000 Franken) werden vom Kanton festgesetzt. Die Reviere werden also nicht an den Meistbietenden vergeben, sondern nach qualitativen Vorgaben der Jagdverwaltung verpachtet.

Der Jagdverein «Viola» mit seinen sechs Pächtern verfüge über mehrere ausgewiesene Schwarzwildjäger und aufgrund des tiefen Durchschnittsalters der Mitglieder (39 Jahre) und der optimalen Altersstruktur könne man eine gute Bejagung erwarten, heisst es in der Mitteilung der Jagdverwaltung.

Zwei der Pächter wohnen unmittelbar in dem von Wildschweinschäden am stärksten betroffenen Gebiet und einer von ihnen ist selber Landwirt.

Zwischen den vorgängigen Pächtern und den unter den Wildschweinen, die auf ihren Feldern wüten, leidenden Bauern war es offensichtlich zu Missstimmungen gekommen.

Die Jagdgesellschaft «Viola» habe nun bereits vor ihrer Bewerbung um die Pacht mit den Landwirten Kontakt aufgenommen, so Morier. Dass die neuen Pächter gut in Landwirtschaftskreisen verankert sind, sei «von zentraler Bedeutung».

Als die Mitglieder der Jagdgesellschaft «Berg» buchstäblich die Waffen vor den Wildschweinen streckten, sorgte das in Jägerkreisen für Aufruhr. An einer Versammlung der Fricktaler Jagdgesellschaften im April kam die ultimative Forderung auf, künftig habe der Staat vollumfänglich für die Deckung von Wildschweinschäden aufzukommen.

Dafür bräuchte es allerdings eine Gesetzesänderung, die für die Jäger ohne starke politische Lobby nicht so einfach zu bewerkstelligen sein dürfte. Als Präsident des kantonalen Jagdschutzvereins mochte Rainer Klöti deshalb auch nicht ohne weiteres in die Forderung einstimmen.

Allerdings steht auch für ihn fest: Was von den Freizeitjägern zur Regulierung der Wildschweinbestände verlangt wird, ist zu viel des Guten.

Denn die Natur hat es so eingerichtet, dass ausgerechnet die Schwarzkittel, die sich vermehren wie die Kaninchen, auch ziemlich scheu und intelligent sind und deshalb als ausserordentlich schwierig zu bejagen gelten.

Deshalb brauche es eine Diskussion, welches Schadenmass man für die Erhaltung der Artenvielfalt in Kauf zu nehmen bereit ist und welche Leistungen man von den Jägern zu dessen Eindämmung verlangen kann.