Eine Aargauer Politikerin tritt nicht mehr zur Wahl an – und macht mit ihrem Entscheid schweizweit Schlagzeilen. Susanne Hochuli gelang es, als erste Grüne in den Regierungsrat einzuziehen, und sich in ihrer Amtszeit weit über die Aargauer Kantonsgrenzen hinaus einen Namen zu machen. Die kleine Partei gewann mit der heute 50-Jährigen nicht nur einen Sitz in der Regierung, sondern auch ein Aushängeschild mit grossem Bekanntheitsgrad. Seit Donnerstag steht fest: Die Grünen müssen nach Ende der Amtszeit auf Hochuli als aktive Politikerin verzichten.

«Identifikationsfiguren sind für eine Partei wichtig», sagt der Nationalrat und ehemalige Präsident der Aargauer Grünen, Jonas Fricker. «Sympathisch, bodenständig, lebensfreudig – Susanne Hochuli ist für uns ein gutes Aushängeschild.» Ihren Einfluss auf die Resultate der Partei will Fricker dennoch nicht zu hoch gewichten. «Der Erfolg hängt nie allein von einer Person ab.»

Auch der ehemalige FDP-Stände- und Regierungsrat Thomas Pfisterer relativiert Hochulis Wirkung auf die Wahlergebnisse. «Die Regierungsrats- ist hauptsächlich eine Persönlichkeits-, keine Parteienwahl. Die Grünen konnten nicht erheblich von ihr profitieren.» Entscheidend sei vielmehr, dass sie linke Positionen im Regierungsrat einbringen konnte. Pfisterer: «Gewonnen hat durch sie allenfalls die grüne Politik.»

Von einem «Hochuli-Effekt» – analog zum «Widmer-Schlumpf-Effekt» bei der BDP – will die Grossrätin und ehemalige Parteipräsidentin der Grünen, Gertrud Häseli, nicht sprechen. «Das wäre übertrieben», sagt sie. «Aber Susanne Hochuli hat uns gestärkt. Nicht zuletzt deshalb, weil wir als Regierungspartei ernster genommen wurden.» Das habe wohl auch zum Erfolg bei den Grossratswahlen 2009 beigetragen. Damals legten die Grünen 2,1 Prozentpunkte Wähleranteil und sieben Sitze – von 6 auf 13 Mandate – zu. 8,9 Prozent bedeuteten für die Partei einen neuen Rekord.

2012 dann ein anderes Bild: Die Grünen büssen 1,5 Prozentpunkte ein, zählen zu den Verlierern. Ein Trend, der sich nun durch Hochulis Abgang bei den nächsten Wahlen im Herbst verstärken könnte? Nein, sagt Häseli. Die Partei sei konsolidiert, könne zudem von den anstehenden Initiativen zu Atomausstieg und Grüner Wirtschaft profitieren.

Ja, sagt hingegen Silvio Bircher, der für die SP in Regierungs- und Nationalrat sass. «Susanne Hochuli hat das Image der Grünen geprägt. Ohne sie könnten sie durchaus Verluste erleiden.» Schliesslich handle es sich bei Regierungsräten um «Lokomotiven einer Partei», von denen ein wichtiger Werbeeffekt ausgehe.

Bircher sieht ein weiteres Problem auf die Grünen zukommen: «Hochulis Aussagen haben in der öffentlichen Wahrnehmung dominiert. Die Gefahr besteht nun, dass in ihrem Schatten niemand nachgekommen ist, der ihr Erbe antreten könnte.» Ein Schattendasein habe wegen der bekannten Regierungsrätin niemand fristen müssen, betonen Häseli wie Fricker. Letzterer sagt: «Ihr Abgang ist ein Verlust für uns, auch als Gesicht. Susanne Hochuli hat das Bild der Grünen gegen aussen geprägt.» Eine riesige Lücke innerhalb der Partei werde sie allerdings nicht hinterlassen – «sie war nach ihrer Wahl zur Regierungsrätin der Rolle entsprechend nicht mehr sehr präsent».

Bettwil, Arena, Giacobbo/Müller: die wichtigsten Momente von Regierungsrätin Susanne Hochuli im Bewegtbild.

Bettwil, Arena, Giacobbo/Müller: die wichtigsten Momente von Regierungsrätin Susanne Hochuli im Bewegtbild.